Altes Handwerk mit Zukunft

Zentral-Landwirtschaftsfest: Das ist heuer auf dem ZLF 2016 los

+
Eingespieltes Team: Johanna Mehringer und ihr Schaf Mucki. Die 21-Jährige will die Schafzucht ihrer Eltern übernehmen.

München - Am Wochenende hat das Zentral-Landwirtschaftsfest eröffnet. Über 650 Aussteller zeigen, wie sie arbeiten – und was dabei herauskommt.

Regen ist eigentlich nie erfreulich, wenn Großveranstaltungen eröffnet werden. Beim Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) ist das anders. Da ist Regen die Gelegenheit für die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner, ihren Regenschirm aus Wolznach auszupacken und zu zeigen, wie schön das Hopfenland in der Hallertau ist. Aigner gab am Samstag im Festzelt Tradition den Startschuss für das ZLF. Beziehungsweise den Startschluck. Nachdem sie den Besuchern erklärt hatte, dass sie kein Verständnis dafür habe, wenn jemand nicht stolz auf die landwirtschaftlichen Produkte aus Bayern ist, nahm sie einen kräftigen Schluck Milch und startete ihren Rundgang. Regengeschützt unter dem Schirm, der ganz gut zeigt, worum es geht beim ZLF.

Kuh-Styling: Die Jungzüchter haben ihre Tiere für die Zuchtschau aufgehübscht – sie hatten freiwillige Helfer.

Im Festzelt zeigten die Angelbrechtinger Goaßlschnoizer, die Trachtenkindergruppen aus Hermating und Neufahrn sowie das Blasorchester Wolfgang Grünbauer, dass Bayern mit seinen Traditionen verbunden ist. Sie lassen aber auch Platz für Innovationen. „Für uns ist das ZLF sehr wichtig, um unser regionales Obst zu präsentieren“, sagt Jennifer Kreinacker. Die Bodensee-Apfelkönigin steht in Halle neun vor hüfthohen Kisten, die gefüllt sind mit Elstar- und Gala-Äpfeln. Am Tag zuvor hingen sie noch an den Bäumen der Lindauer Obstbauern. Erntehelfer haben Apfel für Apfel gepflückt. „So genau wie der Mensch kann das keine Maschine machen“, erklärt Kreinacker. Es gibt aber selbstfahrende Arbeitsbühnen, die die Arbeit der Erntehelfer erleichtern.

Vor dem Tierzelt treibt Stephan Graf gerade seine drei Coburger Fuchsschafe zurück in ihre Box. „Die heißen so, weil sie einen rötlichen Schimmer haben“, sagt der Schäfer aus Landsberg am Lech. In seinem Handwerk ist es ähnlich wie bei den Apfelbauern. „Wir betreiben die Hütehaltung, wie sie schon vor Jahrtausenden betrieben wurde“, erklärt Graf. Auch das Scheren kann kein Roboter übernehmen. Das heißt aber noch lange nicht, dass in der Schafzucht noch alles gemacht wird wie anno dazumal. „Wir führen DNA-Analysen durch, und die Tiere sind gechipt. Wir können die Abstammung zu hundert Prozent nachvollziehen.“

Über die Herkunft von Schaf Wucki macht sich Johanna Mehringer in der Box daneben keine Sorgen. „Wir haben ihn von einem tollen Züchter gekauft“, sagt die 21-Jährige aus Erding. Wucki ist ihr Lieblingsschaf, weil es sich zutraulich an ihren Schäfermantel schmiegt, um gestreichelt zu werden. Johanna Mehringer hat die Leidenschaft zur Schafzucht von ihren Eltern und will den Betrieb bald übernehmen. „Wir haben Waldschafe, eine bedrohte Rasse“, erklärt sie. Mit ihr bleibt die Tradition erhalten, Mehringer hat aber auch Zukunftspläne: „Ich studiere Agrarwissenschaften an der TU und will die Ausbildung zur Erlebnisbäuerin machen.“

Auch die TU München stellt sich auf dem ZLF 216 vor 

Alte Kunst: Quirin Kaiser baut Ziehharmonika – spielen kann er sie natürlich auch.

Die Technische Universität stellt sich auch auf dem ZLF vor. Die Wissenschaftler forschen, um Landwirtschaft nachhaltiger und zukunftsfähiger zu machen. An ihrem Stand in Halle sieben geht es aber auch um Ernährung. Mit dem „enable-Projekt“ will die Forschungsgruppe junge Menschen erreichen. Dazu hat sie eine App entwickelt, in der jeder sein Essensfoto hochladen kann, um von den Nutzern den Nährwert bewerten zu lassen. „Das Ziel ist, ein Bewusstsein zu schaffen, was im Essen ist“, erklärt Markus Böhm, der auf einem Tablet am Messestand den Prototyp der App vorstellt. Da wird gewischt und geklickt, Schnitzel, Leberkäse und Apfelstrudel angetippt und die Kohlenhydrate und Kalorienzahl geschätzt.

Im Gegensatz dazu beschäftigt sich Quirin Kaiser aus Niclasreuth (Kreis Ebersberg) mit einer alten Kunst: „Wir bauen selbst Ziehharmonika, vom Schulmodell bis zur Oberklasse“, sagt er. Der 27-Jährige hat das Handwerk gelernt, weil er als Musiker selbst auf der Suche nach dem perfekten Instrument war. Da gibt es zwar auch Laser- und CNC-Technik. Aber „die Bearbeitung der Stimmen geht nur mit der Hand“, sagt Kaiser, der seine handgemachten Instrumente im Zelt „Brauchtum und Handwerk“ zeigt. Der Regen stört ihn da wenig.

Genauso wenig wie die Kühe, die im großen Ring vorgestellt werden. Gerade hat ein Pinzgauer Tier seinen großen Auftritt. Eine alte Almrasse mit dunkelroter Färbung. Es stolziert durch den matschigen Sandboden, der Regen tropft vom Fell und doch muht die Kuh im Konzert mit ihren Kolleginnen. Den Tieren ist es eben lieber zu kalt als zu warm. Und die Zuschauer, die sitzen gut geschützt unter einem Regendach und staunen, was Landwirtschaft in Bayern alles zu bieten hat.

Die wichtigsten Informationen zum ZLF 2016 haben wir bereits zusammengefasst.

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Oktoberfest-Plakat-Wettbewerb: Jetzt mitmachen

Oktoberfest-Plakat-Wettbewerb: Jetzt mitmachen

Oktoberfest-Plakat-Wettbewerb: Jetzt mitmachen

Wiesn-Marken: Er erlebt beim Einlösen unschöne Überraschung

Wiesn-Marken: Er erlebt beim Einlösen unschöne Überraschung

Herrmann zufrieden mit Wiesn-Sicherheit

Herrmann zufrieden mit Wiesn-Sicherheit
Wander- und Radwege für Freiham gefordert

Wander- und Radwege für Freiham gefordert

Wander- und Radwege für Freiham gefordert

Kommentare