Wirte warnen: Strafen für falsche Wiesn-Tische

München - Jetzt reicht es den Wiesn-Wirten: Mit juristischen Mitteln wollen sie gegen den Verkauf fiktiver Oktoberfest-Reservierungen vorgehen. Wer falsch sitzt, hat meist Pech gehabt.

Gutgläubige Kunden aus aller Welt zahlen bis zu 10 000 Euro, um einen begehrten Tisch in einem der Bierzelte zu ergattern - und stehen dann vor besetzten Bänken. Denn Geschäftemacher und Betrüger haben ihnen Plätze verkauft, die gar nicht reserviert werden können, etwa im reservierungsfreien Mittelschiff. Immer öfter komme es zu solchen Fällen, sagt Richard Seifert, Rechtsanwalt und Justiziar der Oktoberfestwirte. Die Münchner Polizei ermittelt bereits.

Die Könige der Wiesn

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“Wir möchten die Leute warnen, dass sie ein erhebliches Risiko eingehen“, sagte Seifert nach einem Treffen bei Wirtesprecher Toni Roiderer über Käufe im Internet. “Die Gefahr ist groß, dass sie auf der Rechnung sitzen bleiben.“ Denn selbst wenn die Reservierung tatsächlich besteht, aber - oft zum zehnfachen Preis - weiterverkauft wurde, kann der Wirt den Platz stornieren.

Ticketagenturen bieten hingegen im Netz einen Platz in einem der Promi-Zelte am ersten Wiesn-Abend (heuer 17. September) für 600 bis 700 Euro an. In anderen Zelten geht es auch für “nur“ 400 Euro. Der Kunde kann nicht erkennen, ob er damit zumindest eine echte Reservierung erstanden hat oder komplett einem Betrüger aufgesessen ist. Trotzdem brummt das Geschäft. “Es gibt noch genügend Leute, die auf diese Weise zu einem Tisch kommen“, erläutert Seifert.

Denn auch Gruppen mit eigentlich gar nicht existenten Plätze schaffen es manchmal ans Ziel ihrer Wünsche - und halten den Weg dahin womöglich für völlig normal: Ein Helfer bugsiert die Gäste ins Zelt. Dann wird versucht, eine Bedienung mit ein mehreren hundert Euro zu motivieren, einen schon besetzten Tisch frei zu räumen.

Die Reservierungsbüros aller Zelte arbeiten nun zusammen - insgesamt 30 bis 50 Mitarbeiter sind den schwarzen Schafen im Internet auf der Spur. Einige Angebote, die “nicht ganz sauber“ seien, habe man schon entdeckt. In begründeten Fällen müsse auch strafrechtlich vorgegangen werden, sagt Seifert. Es seien Ermittlungen im Gange, bestätigte Polizeisprecher Wolfgang Wenger. “Wir haben immer wieder solche Verfahren“.

Vor zwei Jahren halfen sogar geprellte Kunden mit, den Betrüger dingfest zu machen. Eine Gruppe aus London hatte für zwei Abende jeweils einen Tisch für 5000 Euro gekauft. Doch als die Bedienung bestochen werden sollte, spielte die nicht mit und informierte den Wirt. “Da standen die zehn Mann und hatten keinen Platz“, berichtet Seifert. Am Ende bekamen die betrogenen Gäste doch einen Tisch. Dafür spielten sie am nächsten Abend den Lockvogel - zusammen mit einer Kripobeamtin im Dirndl, die den Schleuser auf frischer Tat stellte.

dpa

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