Willy Heide tot: Er war der kleinste König der Wiesn

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Willy Heide ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

München - Er maß nur 1,57 Meter, doch auf der Wiesn gehörte er immer zu den ganz Großen. Schon als Bub salzte er die Hendl im Zelt seines Vaters, später wurde Willy Heide selbst zur Wirte-Legende. Nun trauert München um den kleinsten König der Wiesn:

In der Nacht auf Samstag starb das Wiesn-Urgestein im Alter von 91 Jahren.

„Er ist ganz sanft eingeschlafen“, berichtet Schwiegertochter Renate Heide der tz. Gesundheitlich war Willy Heide schon länger angeschlagen. Erst Ende Juli kam er mit einem Schwächeanfall ins Krankenhaus, war seitdem auf Gehwagerl und Rollstuhl angewiesen (tz berichtete). „Er war zwar stabil, aber immer noch sehr schwach. Scheinbar hat er sich nie ganz erholt“, sagt Renate Heide. Vor etwa einer Woche verschlechterte sich sein Zustand. Heide wurde ins Krankenhaus Dritter Orden eingeliefert– dort starb er an schweren Darmblutungen.

Die Könige der Wiesn

Die Könige der Wiesn

Nicht nur für die Familie, für die ganze Wiesn ist der Tod von Willy Heide ein großer Verlust. 74 Jahre Wiesn-Erfahrung – das macht ihm so schnell keiner nach. Seine Karriere begann 1936, als seine Eltern Wiesn-Wirte der Bräurosl wurden. Willy, damals fast 17, half als Tellerwäscher und Hendlsalzer. 1953 wurde er offiziell Wiesn-Wirt, nach dem Tod seines Vaters 1971 übernahm er von seinen Eltern die Gaststätte Heide-Volm in Planegg.

1985 starb seine Ehefrau Fanny, mit der er 33 Jahre verheiratet war. „Der größte Schicksalsschlag in meinem Leben“, sagte Heide damals der tz. Doch er rappelte sich auf. Noch im selben Jahr wurde er als Nachfolger von Richard Süßmeier Sprecher der Wiesn-Wirte, bis ihn 2001 Toni Roiderer ablöste.

In seiner Amtszeit erfand Heide das Standkonzert unter der Bavaria, bei dem alle Wiesn-Kapellen am zweiten Wiesn-Sonntag aufspielen. Mit einer riesigen Kerze im Arm pilgerte Willy Heide zudem jedes Jahr in die Wallfahrtskirche Maria Eich in Planegg, um dort für eine friedliche Wiesn zu beten.

Vor zehn Jahren übergab Heide die Wiesn-Geschäfte an seinen Sohn Georg und dessen Frau Renate. Doch in der Heide-Volm führte er mit seinem Sohn bis zuletzt die Geschäfte, wuselte zwischen den Tischen umher und sah in der Küche nach dem Rechten. „Er war Wirt mit Leib und Seele“, berichtet sein Sohn Georg.

Die nächsten Wochen, so kurz vor der Wiesn, werden für die trauernde Familie ein Kraftakt werden. „Das ist alles noch so frisch, im Moment funktionieren wir nur“, sagt Renate Heide. Der Betrieb auf der Wiesn soll aber wie gewohnt laufen. „Es wäre nicht im Sinne meines Vaters, einen Todesmarsch durch die Bräurosl zu veranstalten“, erklärt Georg Heide. Am Freitagvormittag wird Willy Heide auf dem Friedhof in Planegg beigesetzt.

Christina Schmelzer

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