"Ich werde sie alle immer lieben"

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Karl-Heinz Wildmoser.

München - Karl-Heinz Wildmoser. Wenige Tage vor seinem Tod verriet das verstorbene Münchner Unikat unserem Reporter ein ganz persönliches Geheimnis.

Wenn er einen Raum betrat, herrschte immer für einen Moment Stille. Meist bis Karl-Heinz Wildmoser selbst ein brummliges „Servus“ raunte und dann frech die Augen zusammenkniff. Spätestens hier spürte jeder die Präsenz dieses Mannes. Ja – Wildmoser, er war ein richtiges bayerisches Unikat. Wohl das letzte in München… 

Der überraschende Tod einer Münchner Legende – was war nur passiert? Gut eine Woche ist es erst her, da sagte der 71-Jährige der tz am Krankenbett im Klinikum: „Mir geht es bald wieder gut – dann komm ich hier raus“. Sogar die Daumen hatte der Wiesnwirt fürs Foto nach oben gestreckt, so wie ihn jeder kannte. Er, der Optimist. Er, der Chef. Alles schien er im Griff zu haben. Nach einer Zahnarztbehandlung war der Wiesn-Wirt zusammengeklappt, musste im Klinikum rechts der Isar behandelt werden. Nichts deutete auf etwas Lebensbedrohliches hin. „Alles halb so schlimm“, so seine Worte. Sogar als die Ärzte vor ein paar Tagen eine Geschwulst im Kopf des Münchners entdeckten, stellte sich schnell heraus: „Der Tumor ist gutartig.“ Es besteht keine Gefahr. Eine Operation wenig später verlief ohne Komplikationen. Ja – am Freitag hätte Karl-Heinz Wildmoser aus dem Krankenhaus entlassen werden sollen. Es kam nicht dazu.

Karl-Heinz Wildmoser: Sein Leben in Bildern

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Das Glückskind – es hatte einmal schlichtweg Pech: Am Dienstag Nacht kam es in Folge der körperlichen Belastungen zu einer Lungenembolie, erfuhr die tz aus verlässlichen Quellen. Der Münchner hörte nachts auf zu atmen. Wildmoser. Tot. Für die Familie, die Freunde ist die Trauer grenzenlos: „Ich hatte mit ihm noch am Tag telefoniert“, erzählt Wiesnwirt Wiggerl Hagn mit Tränen in den Augen. „Er klang so zuversichtlich. Das ist ein Schock.“ Dann schluckt Hagn kurz: „Menschen wie ihn gibt es nicht viele – so geradeaus, so direkt, so ehrlich.“ Schon als junge Burschen kannten sich die zwei. „Karl-Heinz war immer ein Freund. Mit diesem Ende – damit habe ich nicht gerechnet.“ Niemand hat das. Natürlich, Wildmoser war gesundheitlich schon länger angeschlagen: Wegen eines Herzleidens hatte er vor ein paar Jahren einen Stent gesetzt bekommen, dazu kamen schwere Magenprobleme. Auch an der Schilddrüse musste der Urbayer operiert werden. „Mir fehlt halt überall a bisserl was“, sagte er einmal. „Aber nichts Weltbewegendes.“

Dass der Tod trotz der Leiden überraschend kam, zeigt noch ein Vorfall von letzter Woche: Als es dem Patienten Wildmoser im Krankenhaus langweilig wird, fragt er, ob er nachmittags einen Spaziergang machen dürfe. Die Ärzte geben grünes Licht – und so wandert Wildmoser los. Er geht zum Wiener Platz, setzt sich in den Biergarten des Hofbräukeller und fragt nach Wirt Günter Steinberg. Der ist nicht im Haus. „Gott, wenn ich das gewusst hätte“, erzählt Steinberg. Auch im Gasthof Hinterbrühl lagen sich viele gestern weinend in den Armen, als sie vom Tod des Chefs erfuhren.

Wildmosers Frau Therese hatte die schreckliche Nachricht überbracht. Sie, die starke Frau hinter dem Macher. Sie wird jetzt trotz des schweren Verlustes die Geschäfte führen, auch auf der Wiesn. „Die Theres managt mich“, sagte Wildmoser gern. Das tat sie gut. Und wird gar Sohn Heinzi zurückkehren – in die Geschäfte? Tatsache ist: Vater und Sohn wechselten seit Jahren kein Wort mehr miteinander – wegen des Stadion-Skandals. Und trotzdem, vielleicht wäre eine Rückkehr des verlorenen Sohns im Sinne des großen Wildmosers.

Dem Verfasser dieser Zeilen sagte der 71-Jährige nämlich vor einer Woche auf dem Krankenbett: „Weißt du – ich liebe meine ganze Familie. Alle. Auch den Heinzi. Ich werde sie alle immer lieben!“ Dann fügte er schnell an: „Das schreibst jetzt aber nicht in die Zeitung. Klar?“ Entschuldige, Karl-Heinz – aber diese Sätze sind zu schön, um sie für immer für mich zu behalten. 

Armin Geier

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