Entscheidung über Hippodrom am Montag

Wiesn-Zelt-Vergabe: Die geheime Bewerberliste

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Wer kriegt das Hippodrom? Lorenz Stiftl will es weiterführen, Siegfried Able plant ein neues Zelt.

München - Wer darf in den Wiesn-Olymp? Am Montag debattiert der Wirtschaftsausschuss im Stadtrat um die Lizenzvergabe für den Hippodrom-Nachfolger. Wir kennen die geheime Bewerberliste für die Zelte.

Es ist eine Millionen-Entscheidung: Am Montag hat der Wirtschaftsausschuss im Stadtrat um die Lizenzvergabe für ein großes Wiesn­zelt debattiert! Das gab es seit 1995 nicht mehr.

Nachdem Hippodrom-Wirt Sepp Krätz im März wegen Steuerhinterziehung zu 22 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 570.000 Euro verurteilt worden war, hat Wirtschaftsreferent und Bald-OB Dieter Reiter (SPD) den bisherigen Wirt der Kalbskuchl und Eiszauber-Betreiber Siegfried Able als Nachfolger vorgeschlagen. Einige Stadträte favorisieren jedoch Spöckmeier-Wirt Lorenz Stiftl. Es geht um Macht, Prestige und viel Geld. Wie im Prozess bekannt wurde, verdiente Krätz 2013 mit dem Hippodrom rund zwei Millionen Euro Gewinn vor Steuern!

Der tz liegt die Liste aller Wirte vor, die sich diesmal um die fünf brauereifreien Zelte beworben haben – darunter Fernsehkoch Alfons Schuhbeck, die Ayinger Brauerfamilie Inselkammer sowie Krätz-Schwester Johanna Barsy bewerben (siehe unten).

Stiftl, der in ganz Süddeutschland auf Volksfesten vertreten ist, hatte eine Kaufoption für das Hippodrom-Festzelt abgegeben, das es schon seit 112 Jahren auf der Wiesn gibt. Able hingegen bewirbt sich mit einem völlig neuen Zelt, das den Namen „Marstall“ tragen soll.

Dass nun Able, der sich erstmals für ein großes Zelt bewarb, die zweitbeste Bewerbung abgab und damit altgediente Wirtsfamilien wie die Kufflers und Schottenhamels hinter sich ließ, sorgt für Unruhe: „Das Ganze hat schon ein Gschmäckle“, wundert sich CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer. Auch Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) sieht „Klärungsbedarf“. Nur wagt sich niemand auszusprechen, was hinter der guten Bewertung Ables vermutet wird: Dass dieser wertvolle Tipps bekommen hatte, die ihn jetzt nach vorn katapultierten.

Reiter ließ über seine Sprecherin ausrichten, dass sich das Bewertungssystem bislang bewährt und die Stadt noch keine Klage verloren habe. Der Kampf um die Wiesn – der große tz-Report:

J. Welte, N. Bautz

Siegfried Able

- Alter und Herkunft: 49 Jahre, München
- Münchner Betriebe: Im Sommer Biergarten am Lerchenauer See; im Winter Münchner Eiszauber am Stachus so wie Standl auf dem Münchner Christkindlamarkt am Marienplatz; Pizza Panini im Hauptbahnhof und Stachus UG; Biergarten, Café und Kiosk im Tierpark Hellabrunn; Cateringfirma
- Wiesn-Erfahrung: Seit 2008 Bewirtung vom kleinen Zelt Kalbs-Kuchl (300 Plätze).
- Die Familie ist außerdem seit Jahrzehnten mit Süßigkeits-Standln und mittlerweile auch einem Spanferkel-Imbiss auf der Wiesn.

Lorenz Stiftl

- Alter und Herkunft: 49 Jahre, Rockolding (Lkr. Pfaffenhofen an der Ilm)
- Münchner Betriebe: Traditionsgaststätte Spöckmeier am Marienplatz (seit 2009), der Schwan im Deutschen Theater (seit Februar)
- Betriebe außerhalb: Stiftl GmbH mit 200 Angestellten; Stiftl Village im Ingolstadt Outlet Center, Gastrono- mie im Sportpark des FC Ingolstadt; Zeltbaufirma in Vohburg und Festzelte, die auf diversen bayeri- schen Volksfesten stehen
- Wiesn-Erfahrung: Stiftl betreibt seit sechs Jahren das keine Zelt „Zum Stiftl“ mit 440 Plätzen. Zuvor hatte Stiftl das Wienerwald-Zelt betrie- ben.

Die geheime Bewerber-Liste

Wer’s in die Top 5 schafft, ist ein gemachter Mann. Jedes Jahr sind die sieben Brauerzelte gesetzt, bei denen die Brauerei die Pächter vorschlägt (Vollmer, Heide, Roiderer, Hagn, Pongratz, Haberl, Steinberg). Hinzu kommen die zwei Schützenzelte mit Pächtern (Inselkammer, Reinbold). Somit bleiben bei der Vergabe noch die fünf brauereifreien Zelte.

Die Tabelle rechts zeigt die 20 Bewerber. Dabei sind demnach wie in den Jahren zuvor Michael Käfer, die Karl Winter OHG (Familie Stadtmüller) mit der Fischer-Vroni, die Schottenhamels sowie die Familie Kuffler mit dem Weinzelt. Für das fünfte Zelt – bislang das Hippodrom von Sepp Krätz – hat demnach Siegfried Able den Zuschlag bekommen – er landet sogar weiter vorne als alteingesessene Wiesn-Wirte. Warum, ist schwer nachzuvollziehen – die Bewertungskriterien gelten als geheim.

Entscheidend sollen zum Beispiel Volksfest- und Wiesnerfahrung, Zelt-Tradition, Ortsansässigkeit, Zuverlässigkeit des Wirtes, aber auch ökologische Gesichtspunkte sein. Ables Kontrahent, Lorenz Stiftl, schafft es demnach nur auf Platz 7.

Die alten Hippodrom-Wirte haben sich direkt und indirekt gleich drei Mal erfolglos beworben: Sepp Krätz landet auf Platz 6 (unter anderem wegen der fehlenden Zuverlässigkeit). Krätz’ Schwester Johanna Barsy und ihr Mann Johann (u.a. Forsthaus Kasten) schaffen nur Platz 10, die Hippodrom OHG mit Sepp Krätz, Ehefrau Tina und Schwester Johanna Barsy kommt nur auf Platz 12.

20 Bewerber für 5 Zelte – die Rangfolge:

Platz Bewerber Zelt
1 Feinkost Käfer GmbH, München Käfer Wies’n-Schänke
2 Siegfried und Sabine Able, München Ables großes Wiesnzelt bzw. Hippodrom
3 Karl Winter OHG, München Fischer-Vroni
4 Festhalle Schottenhamel OHG, München Schottenhamel-Festhalle
5 Kuffler Weinzelt GmbH, München Weinzelt
Sie gehen vermutlich leer aus:
6 Josef Krätz Hippodrom e.K., München Hippodrom
7 Stiftl GmbH, München Hippodrom
8 Schuhbecks am Platzl GmbH, München Festzelt „Münchner Gewürzküche“, 44 x 65 m
9 Brandl GmbH & Co. KG, Karlsfeld Festzeltbetrieb, 35 x 55 m
10 Johann und Johanna Barsy, Neuried Hippodrom
11 Gerda und Peter Reichert, Herrsching  Bierzelt Herzog IV, 45,3 x 20,2 m
12 Hippodrom Oktoberfest OHG, München Hippodrom
13 Anna-Maria Fahrenschon, München Festzeltbetrieb mit wechselnden Brauereien, 30 x 60m
14 Jürgen Lochbihler KG, München Festzelt, 37 x 68 m
15 Hoffmann Gastron. & Catering GmbH & Co. KG, Haar Hippodrom, 35 x 65 m
16 Christian Wilken u. Norbert Keßler, Germering Bio-Festzelt, 40 x 60 m
17 Karl-Heinz und Birgit Reindl, Baldham Festhalle, 50,8 x 65 m
18 Franz und Angela Inselkammer, Aying Festzelt, keine Größenangaben 
19 Josef Rubenbauer, München Festzelt, keine Größenangaben
20 Paul Ferdinand und Jutta Pongratz, München Festzelt, keine Größenangaben

Die Wirte wurden nach 13 verschiedenen Kriterien benotet. Daraus errechnete das Referat für Wirtschaft und Arbeit Gesamtpunktzahl und Rangfolge.

Diese bekannten Wirte gingen leer aus:

- Der König von Aying: Franz Inselkammer, Chef der Brauerei Aying sowie der Brauereigaststätte, ist verwandt mit der Wirtefamilie, die das Armbrustschützenzelt betreibt.

- Jürgen Lochbihler (Ex-Chef Nachtwerk und Schrannenhalle) ist Wirt vom Pschorr am Viktualienmarkt. 2008 kandidierte er für die Freien Wähler für den Landtag. 

- Peter Reichert, der in Herrsching den Seehof betreibt, war 2011 mit dem Zelt „Zur Schönheitskönigin“ auf der Oidn Wiesn. Ein großes Zelt bekommt er nicht. 

- Vor Kurzem haben Karl-Heinz und Birgit Reindl (Mitinhaber Rubenbauer Genusswelten) den Zuschlag für den neuen Donisl bekommen, mit der Wiesn wird’s nichts.

- Der große Name hat ihm wieder nicht geholfen: Starkoch Alfons Schuhbeck (Orlando, Südtiroler Stuben, Gewürzläden) hat’s auch heuer nicht geschafft.

Was noch neu ist

Er ist offenbar der zweite Gewinner der Vergabe 2014: Wie die tz erfuhr, wird Erich Hochreiter den Zuschlag für das kleine Zelt bekommen, das auf den freien Platz von Siegfried Ables Kalbs-Kuchl stehen darf, dieser hat sich damit nicht beworben. Alles vorausgesetzt, Able bekommt das große Zelt. Der Bruder der Wiesn-Wirte Werner und Dieter Hochreiter (Haxenbraterei, Zur Bratwurst) hat zuvor ein Weißbierkarussell geführt und darf demnach das Zelt „Kalbsbraterei“ betreiben. Damit hat die Familie, die auch den Viktualienmarkt-Biergarten betreibt, drei kleine Zelte.

Eine weitere Neuerung, die die Nostalgiker freuen wird: Die Oide Wiesn wird schon wieder größer! Das Musikantenzelt und die Freischankflächen sollen mehr Plätze bekommen.

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