Kerze an Kloster Maria Eich gestiftet

Wiesn-Wirte pilgern für ein friedliches Oktoberfest

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Planegg – Die Idylle der Klosterkirche Maria Eich und die biergeschwängerte Atmosphäre eines Wiesnzeltes: Größer könnte der Kontrast kaum sein. Am Donnerstag pilgerten die Wiesn-Wirte nach Planegg, um eine Kerze für eine friedliche Wiesn zu stiften.

Der 2011 verstorbene Wiesn-Wirt Willy Heide aus Planegg hatte die Wiesn-Wallfahrt ins Leben gerufen. Als er 1987 Sprecher der Wiesn-Wirte wurde, hatte er das Oktoberfest-Attentat noch immer in trauriger Erinnerung: 13 Besucher waren am 26. September 1980 ums Leben gekommen, als am Haupteingang zum Festgelände eine Bombe explodierte. Nach dem Tod Heides führte sein Sohn Georg die Tradition fort, kurz vor Beginn des Oktoberfestes eine Kerze in Maria Eich zu entzünden. Obwohl die Vorbereitungen derzeit auf Hochtouren laufen, kamen am Donnerstag wieder viele Wirte nach Planegg, unter anderem Sprecher Toni Roiderer, Sepp Krätz, Wiggerl Hagn und natürlich Gastgeber Georg Heide mit Familie.

Auch Wiesn-Chef und SPD-Oberbürgermeisterkandidat Dieter Reiter schloss sich dem Tross an, obwohl er bei den Wirten derzeit nicht übermäßig beliebt ist. Reiter hatte durchgesetzt, dass in den Zelten deutlich mehr Plätze frei bleiben müssen und nicht reserviert werden dürfen. In der Bräurosl von Familie Heide hatte dies zur Folge, dass statt rund 1000 nun 1600 Plätze frei bleiben müssen. Logische Konsequenz: weniger Reservierungen. Heide musste deshalb etlichen Stammgästen, die in den Jahren zuvor stets einen Tisch bekommen hatten, absagen.

„Viele waren enttäuscht und haben das erst nicht verstanden. Aber es ist eine Auflage der Stadt, an die wir uns halten müssen“, sagt Heide. Um möglichst wenige Stammgäste zu enttäuschen, setzten Heides den Rotstift eher bei den Firmen an. „Denen haben wir dann zum Beispiel statt 400 Plätze 350 gegeben. So konnte man es einigermaßen abfedern“, erzählt Heide, der mit dem Aufbau des Festzeltes sehr zufrieden ist. Am 15. Juli war Startschuss auf der Theresienwiese. Bis zu 80 Arbeiter täglich errichteten das über eine Million Euro teure Zelt bei idealen Bedingungen.

Bilder: Wiesn-Wirte stiften Kerze für friedliches Oktoberfest

Bevor Heide die Kerze auf dem Außenaltar von Maria Eich entzündete, sprach Prior Roger Gerhardy einige Worte an die versammelten Wirte. Er zitierte aus dem Kolosser-Brief, wonach „das Fest der Sollfall des Lebens“ sei. Zwar gebe es auf der Wiesn immer wieder „Übertritte“. „Dass Sie heute hier sind, um die Kerze zu stiften, zeigt, dass Sie dies im Kopf haben.“

Pater Roger Gerhardy wird die Kerze erst zum Einzug der Wirte aufs Oktoberfest am 21. September wieder entzünden. Dann wird sie zwei Wochen lang brennen – für eine friedliche Wiesn.

Ulrich Lobinger

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