Wiesn: Wirte kämpfen mit Bakterien gegen Gestank

+
Mit Bakterien unter dem Hofbräuzelt will Wirt Ricky Steinberg den Mief im Bierzelt bekämpfen.

München - Nicht alle Gerüche auf der Wiesn sind angenehm und wegen des Rauchverbots kommen sie heuer richtig zur Geltung. Einige Wirte setzen deshalb jetzt auf Bakterien unter dem Zeltboden.

Wer aus dem Bierzelt kommt, der stinkt. Nach Schweiß und Bier und bisher auch nach Rauch. Doch zumindest damit wird heuer Schluss sein. Denn das absolute Rauchverbot soll für besseres Klima im Zelt sorgen - und könnte doch das Gegenteil bewirken. Denn die Gerüche, die bisher vom Qualm überdeckt wurden, kommen jetzt erst richtig zur Geltung.

„Von Diskothekenbesitzern hört man, dass sich der Geruch sehr negativ entwickelt hat“, sagt Ricky Steinberg, Wirt im Hofbräuzelt. Deshalb will er im Zelt der Familie Steinberg etwas dagegen unternehmen - mit Milliarden hungriger Bakterien. Besonders unter den Latten des Zeltbodens herrscht ohne Sonnenlicht und Luftzug ein ideales Klima für Fäulnis und entsprechende Gerüche, die dann wieder nach oben steigen. Deshalb sollen nun unter dem Zeltboden Mikroben Bier- und Speisereste, Schmutz, Waschwasser und Fett so zersetzen, dass dabei kein Gestank entsteht.

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

Die Firma „Bavaria“ von Hubert Hackl bietet diese „Elbomex“ genannten Bakterien an, die sie extra gezüchtet hat. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt sich Hackl damit, die Wiesn sauber zu halten. Mit den Bakterien hat er im vergangenen Jahr bereits im Hofbräuzelt experimentiert. Als sich unter einer Boxe eine Bier- oder Wasserlache gebildet hatte, aus der es stank, schütteten Hackls Leute die Bakterien durch die Ritzen im Boden und der Geruch verschwand. Auch im Boden vor den Toiletten haben die Mikroben laut Ricky Steinberg bereits hervorragende Ergebnisse erzielt.

Dieses Jahr sollen deshalb alle Stellen des Zeltes, an denen häufig Unrat oder Flüssigkeit durch den Boden sickert mit den Bakterien präpariert werden. Jeden Tag werden die Mitarbeiter des Zeltes nach dem Reinigen der Bodenplanken die Bakterienflüssigkeit darüber gießen. Die sickert dann genau wie der Dreck hindurch und die Mikroben können ihre Arbeit aufnehmen. Nur ein leichter „Humus“-Geruch soll dann übrig bleiben.

Im Hofbräuzelt will Ricky Steinberg die Bakterien insbesondere in den Gängen, dem Bereich vor den Küchen und Schänken, sowie vor den Toiletten einsetzen. Auch in zwei anderen Festzelten werden die Wirte heuer mit den Mikroben von Hackl gegen den Mief im Zelt ankämpfen. Welche Zelte das sind, will Hubert Hackl aber noch nicht verraten. „Darüber sprechen wir erst zur Wiesnmitte, wenn man feststellen kann, dass es in einigen Zelten besser richt als in anderen“, sagt er.

Vielleicht kann man den Unterschied nach der Wiesn sogar sehen. Denn wenn die Bakterien ihre Arbeit verrichtet haben, bleibt laut Hackl nur biologischer Dünger zurück, der an den Stellen der Theresienwiese, wo „Elbomex“ zum Einsatz kam, das Gras nur so spriesen lassen müsste.

Ganz billig ist der Einsatz der mikroskopisch kleinen Helfer indes nicht. Jeden Tag muss man rund 200 Liter der Bakterienflüssigkeit in einem durchschnittlichen Oktoberfest verteilen. Der Preis laut Liste: 160 Euro pro Tag plus Umsatzsteuer. Ricky Steinberg sagt, er habe noch nicht mit Hackl über den Preis verhandelt. „Es wirkt“, ist er sich sicher. „Und das ist mir einiges wert.“

Philipp Vetter

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Übergriff auf „Sichere Wiesn“-Mitarbeiterin verschwiegen? 

Übergriff auf „Sichere Wiesn“-Mitarbeiterin verschwiegen? 

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

Kommentare