Wirte greifen hart durch

Wiesn-Abzocke: Detektive gegen Tisch-Mauschelei

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Wirte-Sprecher Toni Roiderer vor seinem Hackerzelt: Er rüstet sich für die neue Reservierungspraxis.

München - Hackerzelt-Chef Toni Roiderer will nicht dulden, dass Gäste versuchen, Sicherheitskräfte und Bedienungen zu bestechen. Jetzt sollen Detektive zum Einsatz kommen.

Abzocke, Betrug und Tricksereien: Der Kampf um die begehrten Wiesntische wird immer verbissener. Die Wirte sind eineinhalb Wochen vor dem Anstich in Alarmbereitschaft. Ihr Sprecher Toni Roiderer (Hackerzelt) sieht noch mehr Ärger auf die Wirte zukommen – und greift deshalb hart durch. „Ich werde heuer extra Detektive hinstellen“, sagte Roiderer der tz.

Schon seit Jahren kämpfen die Wirte gegen Abzocker, die im Internet erfundene und reale Zelt-Reservierungen für horrende Preise verkaufen. Wir entdeckten ja bereits mehrere Reservierungs-Offerten für mehr als 3.000 Euro. Mit Scheinkäufen und anderen Fallen machen die Wirte und ihre Mitarbeiter immer mal wieder Verkäufer dingfest. Sie wandern auf schwarze Listen und erhalten Zeltverbot. Aber es ist ein Kampf gegen Windmühlen. „Die neueste Masche ist, einzelne Plätze über Facebook zu verkaufen“, erzählt Roiderer.

Die Zahlen bestätigen den Anstieg der Abzock-Fälle: Die Firma „MarkMonitor“, eigenen Angaben zufolge Marktführer im Bereich Markenschutz, hat auf Online-Portalen 173 inoffizielle Angebote im Wert von mehr als 175 000 Euro für Tischreservierungen gefunden – 2012 waren es noch 132 solcher Angebote (Wert über 132 000 Euro).

Für Hackerzelt-Wirt Toni Roiderer liegt der Grund für den Anstieg auf der Hand. Die neue Reservierungspraxis, die auf Empfehlung von Wiesn-Chef und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) vergangenen Dezember im Stadtrat durchgegangen ist, sei schuld. Demnach dürfen die Wirte 2013 insgesamt 148 000 weniger Plätze zur Reservierung herausgeben als zuvor. Roiderer: „Ganz klar: Dadurch werden die reservierten Tische noch begehrter, die Nachfrage steigt – und die Angebote werden teurer.“

In den letzten Zügen: Bilder vom Oktoberfest-Aufbau

Endspurt: Bilder vom Wiesn-Aufbau

Aber nicht nur die Abzocke mit reservierten Tischen macht Toni Roiderer Sorgen: „Wenn wir heuer in den Zelten mehr freie Tische haben, dann werden noch mehr Gäste versuchen, die Sicherheitskräfte und Bedienungen zu bestechen, um an die Tische zu kommen.“ Diesen Gästen und anderen Abzockern sollen nun Detektive an den Eingängen der Zelte genauer auf die Finger schauen. Details zur Strategie der geheimen Überwacher will Roiderer nicht preisgeben. „Nur soviel: Ich bin nicht der einzige Wirt, der so etwas macht.“

So klappt's mit dem Tisch auf dem Oktoberfest: Tipps für die Reservierung gibt es hier.

Nina Bautz

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