Wiesn-Wirt Krätz: Jetzt muss er vor Gericht

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Was genau geschah am letzten Wiesn-Abend im Hippodrom, als Wirt Sepp Krätz mit seinem Personal aneinandergeriet? Vielleicht bringt die Gerichtsverhandlung am 26. Mai Licht ins Dunkel

München - Wiesn-Wirt Sepp Krätz steht in vier Wochen voraussichtlich als Angeklagter vor dem Münchner Amtsgericht. Es geht um Körperverletzung. Krätz' Konzession ist womöglich in Gefahr.

Nach Informationen des Münchner Merkur hat Richter Thomas Müller das Verfahren wegen Körperverletzung gegen Krätz für den 26. Mai angesetzt. Der Ausgang des Prozesses könnte Auswirkungen auf die Konzession des 56 Jahre alten Wirtes für sein Wiesn-Zelt, das Hippodrom, haben.

Die Könige der Wiesn

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Am 2. März hatte das Amtsgericht Krätz einen Strafbefehl wegen Körperverletzung über 60 Tagessätze à 300 Euro zugestellt. Der Wirt soll einen Studenten, der 2010 im Hippodrom arbeitete, zweimal kräftig getreten haben. Gegen den Strafbefehl legte Krätz Einspruch ein, der am 16. März am Gericht einging. Daraufhin terminierte Richter Müller den Fall für Ende Mai.

Inzwischen, das sagt Krätz, habe der Student seinen Strafantrag zurückgenommen. Angeblich hat der Gastronom seinem Opfer Schmerzensgeld gezahlt. Damit hoffe er, dass sich die Sache nun erledigt, lässt Krätz durchblicken. Immerhin habe der Student gar kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung.

Dennoch könnte es zum Prozess kommen. „Bei einer Körperverletzung kann die Staatsanwaltschaft das öffentliche Interesse bejahen“, erklärt Gerichtssprecherin Ingrid Kaps. Und im Fall Krätz hätten die Ankläger genau das im Strafbefehl ausgeführt. Jedoch könnte sich die Staatsanwaltschaft bis zur Verhandlung und auch im Prozess selbst noch dazu entscheiden, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Ein Szenario, auf das Krätz hoffen dürfte. Dies nämlich dürfte auch der Grund sein, warum er das schriftliche Urteil des Gerichts über 18 000 Euro nicht stillschweigend angenommen, sondern Einspruch eingelegt hat. Vermutlich baut er darauf, dass der Richter spätestens in der Hauptverhandlung auf eine Einstellung gegen eine – vielleicht auch höhere – Geldauflage hinwirkt. So bliebe Krätz eine Vorstrafe erspart, nicht jedoch der Imageschaden.

Zudem könnte die Angelegenheit weit schwerwiegendere Folgen für ihn nach sich ziehen: Immerhin hatte die Stadt den Wirt 2010 öffentlich gerügt, nachdem einige Bedienungen berichtet hatten, ihr Chef hätte sie im Hippodrom beleidigt und tätlich angegriffen. Zwar hatte damals niemand eine Anzeige erstattet. Doch Wirtschaftsreferent Dieter Reiter sah das Ansehen des Oktoberfestes gefährdet und drohte, den Wirt im Falle weiterer Entgleisungen von der Wiesn zu verbannen. „Und das bleibt gültig“, sagt Wolfgang Nickl, Sprecher des Wirtschaftsreferats.

Die Wiesn ohne Krätz? Für heuer nur theoretisch denkbar. Niemand rechnet wirklich damit, dass sich der Stadtrat am 10. Mai, wenn er über die Zulassungen für dieses Jahr entscheidet, gegen Krätz ausspricht. Zum einen wäre es bis zum Anstich denkbar schwer, das Hippodrom neu zu vergeben. Zum anderen gibt es keine Regelung, dass ein Wirt wegen einer Vorstrafe automatisch seine Konzession verliert. Das bestätigt Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats, das über die Zuverlässigkeit eines Wirtes entscheidet. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung.“

Bettina Link

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