Das droht ihm im Prozess

Wiesn-Wirt Krätz: Jetzt geht's um alles

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Hippodrom-Wirt Sepp Krätz muss vor Gericht.

München - Wiesn-Wirt Sepp Krätz muss vor den Richter: Das Landgericht hat die Anklage wegen Steuerhinterziehung unverändert zugelassen und will schon Mitte bis Ende März mit dem Prozess beginnen. Dann geht es für Krätz um alles – sogar um Gefängnis!

Nach tz-Informationen haben die Fahnder eine Steuerschuld von rund einer Million Euro zusammengetragen. Bleibt Krätz (59) Wiesn-Wirt? Bleibt er überhaupt Wirt?

Jetzt geht alles doch ganz schnell: Erst vor zwei Wochen hatte die tz über den Behörden-Zoff um die Anklage zwischen Landgericht und Stadt berichtet. Die 4. Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Jutta Zeilinger fühlte sich wohl von Staatsanwaltschaft und Stadt unter Druck gesetzt.

Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) muss dem Stadtrat bald vorschlagen, ob Krätz wieder sein Hippodrom aufstellen darf. KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle entscheidet über die Zuverlässigkeit als Wirt. Beide betonen: Alles ist offen! Doch Reiter kündigt an: „Ich werde mich noch diese Woche mit Herrn Krätz zu einem Gespräch treffen. Ich gehe davon aus, dass er mir die Anklage überreichen wird.“ Die Stadt erhöht den Druck auf einen ihrer prominensten Wirte. Was wird jetzt aus Sepp Krätz?

Gefängnis - ihm drohen fünf Jahre

Ab einer Million Euro müssen Steuersünder nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen. Darum dürfte sich der Krätz-Prozess vor allem darum drehen, ob seine Anwälte die mutmaßlich hinterzogenen Steuern unter diese Grenze drücken können. Tatsächlich sind bei den Schätzungen der Steuerfahndung Aufschläge enthalten, die jetzt haarklein herausgearbeitet und widerlegt werden müssen. Da geht es zum Beispiel um einzelne Bestellungen, beschädigtes Geschirr oder Leergut. Im Fall einer Gefängnisstrafe wird er nicht damit rechnen dürfen, Wirt oder gar Wiesn-Wirt zu bleiben.

Keine Wiesn - aber weiter Wirt

Aber auch wenn Krätz seine Gaststättenkonzession behält, ist noch lange nicht klar, ob er in der illustren Riege der Wiesn-Wirte bleibt. In der internen Bewertung der Stadtverwaltung geht es auch um das Ansehen eines Wirts. Ob das im Falle einer Verurteilung noch für das Oktoberfest reicht, muss zunächst Wiesn-Boss Reiter beurteilen. Der Wirtschaftsreferent kündigt an: „Ich werde die Anklage prüfen und dem Stadtrat spätestens in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses Ende April einen Entscheidungsvorschlag vorlegen.“ Bis dahin könnte auch ein Urteil vorliegen.

Bewährung - aber Berufsverbot

Auch bei einer Bewährungsstrafe (maximal zwei Jahre) wäre die Karriere des Gastronomen des Jahres 2011 nicht gesichert: KVR-Chef Blume-Beyerle entscheidet über seine Konzession. Krätz führt das Andechser am Dom und die Waldwirtschaft. Bei der Zuverlässigkeit geht es auch um das künftige Verhalten. Krätz baut offenbar vor: Sein Steuer-Anwalt Hans-Georg Jatzek sagte der tz, der Chef des Steuerausschusses des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Sascha König, habe ein Gutachten erstellt, um Kassensysteme und Kontrollen im Andechser und im Hippodrom zu verbessern.

Freispruch - oder geringe Schuld

Auch das ist natürlich möglich: Alle Beteiligten haben stets die Unschuldsvermutung hochgehalten. Krätz’ Steuer-Anwalt Jatzek verweist auf Betriebsprüfungen, bei denen ständig Fehlbeträge gefunden würden, ohne dass dies als Steuerhinterziehung bestraft würde. Krätz selbst oder seine Anwaltskanzlei um Peter Gauweiler äußerten sich auf Anfrage der tz nicht zur Zulassung der Anklage. Wenn Krätz wirklich freigesprochen wird, dürfte die Party im Hippodrom weitergehen. Für das Frühlingsfest ab 25. April hat Krätz bereits die Zusage des veranstaltenden Schaustellervereins.

Prozess-Beginn in der Hoeneß-Woche?

Hoeneß, OB-Wahl, Nockherberg – und jetzt auch noch Krätz! Das Landgericht München I will den Prozess gegen den Hippodrom-Wirt nun auch noch Mitte März starten lassen. Ausgerechnet …

Denn sollte es die Saalbelegung im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße und im Justizpalast am Stachus zulassen, könnte das zweite große Steuer-Verfahren nach Uli Hoeneß (Auftakt am 10. März, die Urteilsverkündung ist drei Tage später geplant) nun auch noch in der gleichen Woche beginnen – und damit weiteren Stoff für die Rede von Fastenpredigerin Luise Kinseher liefern. Sie tritt am Mittwoch, 19. März, auf dem Nockherberg auf.

Dass die Prozesse Krätz und Hoeneß in einer Woche über die Bühne gehen könnten, liegt auch daran, dass zwei verschiedene Gerichte zuständig sind. Im Fall des Bayern-Präsidenten wird das für das Umland verantwortliche Landgericht München II tätig. Sepp Krätz dagegen wird vor dem Landgericht München I (Stadt­gebiet) verhandelt. Die Strafkammern teilen sich lediglich die Säle untereinander auf.

Ein Höhepunkt jagt den nächsten: Denn am Sonntag, 16. März, findet auch noch die OB-Wahl statt. Zum Zeitpunkt der Stichwahl zwei Wochen später sollte das Urteil im Krätz-Prozess bereits gesprochen sein.

D. Costanzo, S. Arbinger

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