Kurz vor dem Oktoberfest

Wiesn-Wirt Käfer: "Die Münchner Schickeria ist tot"

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Michael Käfer betreibt auf dem Oktoberfest "Käfers Wies'n-Schänke".

München - Nur wenige Tage vor dem Oktoberfest hat der Nobel-Gastronom und Wiesn-Wirt Michael Käfer die Münchner Schickeria für tot erklärt.

Opulente Partys. Schampus in rauen Mengen. Kaviar und Hummer zum Frühstück. Wer legendäre Partys erleben will, ist Stammgast in Münchens High-Society-Läden. Die Stadt ist bekannt für Geld, Schönheit und Exzentrik. Für die Schickeria. Oder muss man sagen: Sie WAR bekannt dafür? Szene-Wirt Michael Käfer sagt in einem Interview mit dem Focus: „Münchens Schickeria ist tot.“

Käfer, der als Edel-Gastronom, Wiesn-Wirt und P1-Chef immer am Puls der Zeit ist, sagt weiter: „Die Münchner feiern längst nicht mehr so exzessiv, wie ihr Ruf war.“ Die opulente Partyphase wie in den 70er-Jahren gebe es heute nicht mehr. Die tz fragt nach bei Käfer – und er sagt: „München ist ein bisschen wie Hamburg geworden, zurückhaltender.“ Das sei übrigens auch gar nicht schlimm: „München war schon immer zurückhaltend, in den 70er- und 80er-Jahren gab’s nur mehr Show.“ Da floss Schampus in rauen Mengen, die Leute feierten wild und exzessiv. Rauschende Feste ganz im Kir-Royal-Stil standen auf der Tagesordnung – zum Beispiel, als Rocksänger Freddie Mercury einst im Mrs. Henderson seinen Geburtstag feierte. Das war damals. Und heute? Käfer sagt: „Das Dekadente muss heute nicht mehr sein.“ Geld ausgegeben werde ja immer noch – nur anders. „Die Leute wissen, was gut ist – und bezahlen dafür auch gerne.“ So essen seine Gäste derzeit am liebsten richtig gute Bratkartoffeln. „Um die perfekten Bratkartoffeln hinzukriegen, muss jede Scheibe einzeln gebraten werden.“ Qualität zählt mehr als Luxus. Käfer zum Focus: „Heute ist Handwerk gefragt: Wer backt das beste Brot?“ Und dafür zahle der betuchte Münchner auch gern.

Was andere Szene-Kenner zur Schickeria-Debatte sagen? Lesen Sie unten.

aw

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Kreativität ist oft weg

Manchmal sehne ich mich an die Zeit der wilden Partys. Heute gibt es zwar noch Top-Events, aber die sind oft austauschbar. Früher waren die Feste legendär. Da gab’s Mottos, tolle Locations und Inszenierungen! Heute fehlt es oft an kreativen Partymachern.

Maître Pierre Pfister

Mehr Partys denn je

Die Münchner Schickeria ist tot? Das glaube ich nicht. Es wird heute vielleicht nicht mehr ganz so öffentlich und opulent gefeiert wie früher, doch Partys, die gibt es. In München wird heute noch immer schön und stilvoll gefeiert. Ich würde fast sagen: Es wird mehr gefeiert denn je.

Uschi zu Hohenlohe

Gastgeber fehlen

Es stimmt schon, die Riesen-Partys sind heute weniger geworden. Die Leute geben zwar immer noch viel Geld aus, aber nicht so sehr für die Riesen-Partys. Und es gibt auch nicht mehr so viele großzügige Gastgeber wie in den 70er- und 80er-Jahren. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

Putzi Holenia

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