Wiesn: Wenn der Wodka im Rasen landet

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Der Alkohol kommt weg: Der Zivilbeamte Markus Meißner (re.) schüttet den Wodka der Jugendlichen ins Gras.

München - Sie sind auf der Suche nach Kindern, die in Festzelten Bier trinken. Nach Jugendlichen, die harten Alkohol konsumieren. Jeden Tag laufen Zivilbeamte über die Wiesn, um darauf zu achten, dass der Jugendschutz eingehalten wird. Ein Streifgang.

Der Jugendbeamte Markus Meißner und seine Kollegin Martina Schedlbauer kämpfen sich durch die Massen, die vor dem Hackerzelt stehen. Dutzende junger Leute drängen am Samstag an die Tür, begehren Einlass in das Zelt, das besonders angesagt ist bei der Jugend. „Wir gehen jetzt durch die Reihen und schauen, ob wir Tische sehen, an denen unter 16-Jährige sitzen und Bier trinken, was sie nicht dürfen“, sagt Meißner und schiebt sich an dem Ordner vorbei ins Zelt. Eine Stunde später wird der Zivilbeamte feststellen: „Alles in Ordnung.“ Etwas anderes hatte Meißner offenbar nicht erwartet. „Die Wirte achten sehr auf den Jugendschutz.“

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Seit acht Jahren läuft Markus Meißner, 43, während der Wiesnzeit als Jugendbeamter über das Festgelände. In diesem Jahr begleitet ihn seine Kollegin Martina Schedlbauer. Die 31-Jährige hat sich früher ebenfalls um den Jugendschutz gekümmert, jetzt achtet sie auf Verstöße gegen die Gewerbeordnung. „Aber natürlich schaut jeder auf alles“, sagt sie, während sie sich an einer Gruppe junger Leute vorbeischiebt. Plötzlich fasst sie sich mit dem Zeigefinger an die Nase und ändert schlagartig die Richtung. Kurz darauf kehrt sie zurück. „Marihuana“, klärt sie auf. „Ich dachte, ich hatte den Geruch in der Nase.“

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

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Die beiden Beamten ziehen weiter. „Wir kontrollieren jetzt die Grünflächen um die Wiesn“, sagt Meißner. Dort, meint er, würden sie fündig. Viele junge Leute könnten sich einen Besuch im Bierzelt gar nicht leisten und kämen oft nicht in die überfüllten Zelte hinein. „Dann setzen sie sich in Dirndln und Lederhosen mit einer Flasche Wodka und Orangensaft auf eine Wiese.“

Der Alkohol kommt weg: Der Zivilbeamte Markus Meißner (re.) schüttet den Wodka der Jugendlichen ins Gras.

Eine Szene, die wenig später genau so auftaucht. Zwei Mädchen und drei Jungs sitzen im Kreis neben einem Spielplatz am Festgelände. In ihrer Mitte: Plastikbecher, Wodka und Orangensaft. Meißner und Schedlbauer sprechen die Gruppe an. Keiner ist 18 Jahre alt, harte Alkoholika sind also tabu. „Ihr wisst, dass ihr in der Öffentlichkeit keinen Wodka trinken dürft?“, fragt Meißner. Die Jugendlichen schauen ihn ehrfürchtig an, einer nickt. „Woher habt ihr den Alkohol?“, bohrt Meißner nach. „Es ist leicht, da dran zu kommen“, kontert einer der Jungs. Mehr sagen sie nicht. „Seid ihr einverstanden, wenn ich das Zeug vernichte“, sagt Meißner. Die Jugendlichen nicken, sie wollen keine schriftliche Bestätigung und stimmen zu, dass er die Flasche ausschüttet.

Normalerweise, sagt Meißner, würden wir die Eltern informieren. „Da würden wir auf der Wiesn aber nicht mehr fertig werden“, meint er, dreht sich um und bläut den Jugendlichen aus dem Allgäu ein, was alles passieren kann, wenn sie sich in der Großstadt besaufen. Einer der Jungs grinst und zündet sich eine Zigarette an. „Die kannst du gleich ausmachen und mir die Schachtel geben“, sagt Meißner. „Rauchen dürfen Jugendliche in der Öffentlichkeit auch nicht.“

Als zugänglich und harmlos beschreibt Meißner diese Jugendlichen später. „Die sind nicht suchtgefährdet, waren recht einsichtig – da kennen wir andere.“ Schedlbauer nickt. Gerade Jugendliche aus der Stadt hätten weniger Respekt vor Polizisten.

Vor wenigen Tagen, berichtet Meißner, hätte ihm eine 17-Jährige in den Schritt getreten. „Eine Hysterische, die völlig ausgetickt ist.“ Ohnehin seien Mädchen schlimmer als Jungs, wenn sie betrunken sind. „Die sind ausfallender, aggressiver und kreischen.“

Dass sich inzwischen mehr Mädchen betrinken, beobachtet Meißner allerdings nicht. „Das ist eine subjektive Einschätzung, aber ich finde auch nicht, dass die Jugendlichen generell mehr saufen.“ Die Öffentlichkeit sei nur mehr für das Thema Jugendschutz sensibilisiert. Gerade zur Wiesnzeit. „Und unsere Kontrollen dienen der Abschreckung – so haben wir das Chaos im Griff.“

Bettina Link

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