Wiesn-Plakat: Der Gestalter aus dem Dreimühlenviertel

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Kinderbuch-Illustrator, Grafiker, Unternehmer: Björn Maier hat das diesjährige Oktoberfestplakat entworfen.

München - Der Illustrator und Grafiker Björn Maier hat das diesjährige Oktoberfestplakat entworfen. Ein Münchner Kindl jongliert darauf mit typischen Wiesngegenständen. Doch wer ist der 41-Jährige? Ein Wiesnfan – und Freigeist, wie ein Gespräch mit ihm zeigt.

Künstler? Nein, so würde er sich nicht bezeichnen. „Künstler sind für mich berühmte Persönlichkeiten wie Gerhard Richter“, sagt Björn Maier. Mit dem deutschen Maler, Bildhauer, Fotografen und Kunst-Professor will sich der Illustrator nicht auf eine Ebene stellen. Das, was Maier geschaffen hat, bringt ihm derzeit trotzdem einiges an Aufmerksamkeit.

Björn Maier hat das diesjährige Oktoberfestplakat entworfen. „Es strahlt Sympathie, Leichtigkeit und Fröhlichkeit aus. Einfach liab“, begründete Wiesnchefin Gabriele Weishäupl die einstimmige Entscheidung der Jury. Maier setzte sich mit seinem Motiv – das Münchner Kindl, das mit typischen Gegenständen des Oktoberfests jongliert – gegen acht Konkurrenten durch.

Maier mag es, über das Plakat zu reden. Er lächelt, als er sich an den Entstehungsprozess erinnert. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich gewinne.“ Der Illustrator sitzt im Café „Quattro Tavoli“ an der Dreimühlenstraße. Vor ihm steht ein Cappuccino. Ein Vollbart ziert sein Gesicht, seine schulterlangen Haare hat er zurückgegelt.

Die Wiesn-Plakate seit 1952

Die Wiesn-Plakate seit 1952

Dass Maier ein Kind als Motiv gewählt hat, verwundert nicht. Er illustriert nicht nur Kinderbücher, sondern liest sie auch noch gerne. Eines seiner Lieblingsbücher ist „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendak. „Ich liebe die Arbeit mit Kindern, sie sind so offen und neugierig auf alles.“ Während er das erzählt, dröhnt ein Lied der Grunge-Band Nirvana im Hintergrund des Cafés. Maier muss grinsen. „Kindheitserinnerungen.“

Seit Januar 2011 ist er der Inhaber von „Bjoernson“, seinem eigenen Unternehmen mit Sitz im gemütlichen Dreimühlenviertel. Davor war er acht Jahre lang Titelgrafiker beim Focus-Magazin. Für ihn sei schon immer klar gewesen, dass er etwas mit Bildern und Gestaltung machen würde. „Ich hatte schon immer Freude am Malen und Zeichnen.“ Er unterbricht, plaudert kurz mit dem Besitzer des Cafés. Er war vorbereitet, über das Plakat zu erzählen – nicht über sich selbst. Zigarettenpause. Nach nur einer Minute ist er wieder da, überlegt, bevor er erneut ansetzt. Dabei wandert sein Blick nach rechts oben.

„Wenn man irgendwas machen will, dann sollte man es einfach machen. Zurück kann man immer“, sagt der 41-Jährige. Die sonnige Straße vor dem Café spiegelt sich in seinen Brillengläsern. Sein Blick schweift in die Ferne. „Ich habe gemerkt, dass das Leben begrenzt ist“, erzählt er. Ein Schicksalsschlag in seinem nahen Umfeld habe ihm die Augen geöffnet. Danach habe er sich einen Ruck gegeben und sich selbstständig gemacht – ein Wunsch, den er schon länger hatte.

Seitdem genießt er das Leben, so wie es ist. „Ich liebe die Freiheit, meinen Tag selber einteilen zu können“, schwärmt er. Erneutes Zögern. Er überlegt, schaut wieder nach rechts oben – wie immer, wenn er in seinem nach Worten kramt. Das mit einer Familie, das habe sich auch noch nicht ergeben. „Die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Ich habe lieber keine Familie als eine schlechte Familie. Man nimmt das, was man hat. Ganz glücklich ist man nie. Das ist der Antrieb.“

Sein Entwurf wird dieses Jahr den offiziellen Wiesn-Maßkrug zieren. Jedes Jahr ist Maier auf dem Oktoberfest. Wiesnkrüge habe er aber noch nie gesammelt. „Irgendwann hat man genug Krüge“, lautet seine Begründung. Doch seinen eigenen Krug in der Hand zu haben, während er entspannt vor einem Bierzelt in der Sonne sitzt – einfach liab.

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