So teuer wird heuer die Wiesn-Mass

München - Wiesn-Besucher, die auf ein Wunder gehofft haben, werden auch in diesem Jahr enttäuscht. Denn die Mass Bier wird abermals um 20 bis 30 Cent teurer. Fällt schon 2013 die Marke von 10 Euro? Oder erst 2014?

Toni Roiderer ist eigentlich ein gesprächiger Mann. Deswegen erzählt der Sprecher der Wiesn-Wirte auch gerne, was für ihn schon wieder teurer geworden ist. Platzgeld, Aufbaukosten, Brauerei, Bedienung, Musik – alles koste mehr, sagt er. Da sei es doch klar, „dass der Bierpreis steigen wird“. Ein Detail aber verkneift sich Roiderer: Um wieviel die Mass heuer teurer werden soll. Er könne das ja auch gar nicht sagen, betont der Wirte-Sprecher. Schließlich habe die Stadt noch nicht einmal dazu aufgefordert, dass man die Getränkepreise abgebe.

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Die Jagd nach dem Bierpreis auf dem Oktoberfest hält spätestens ab Mai die Medien auf Trab. Das Ergebnis der Recherche ist meist unspektakulär und recht vorhersehbar: Die Mass wird teurer. 20 bis 30 Cent in der Spitze mehr soll sie kosten. Bis zu 9,20 Euro verlangten die Wiesn-Wirte im vergangenen Jahr. Heuer sollen es mindestens 9,40 Euro sein, wahrscheinlicher sind 9,50 Euro. Dass eine Mass wie 2011 in kleineren Zelten noch für unter 9 Euro zu bekommen ist, halten Kenner der Szene für ausgeschlossen.

Gewissheit darüber wird es erst Ende Mai geben. Denn die Bierpreis-Findung gilt als sensibler Akt und hat einen festen Zeitablauf. Heute entscheidet der Stadtrat öffentlich darüber, welche Betriebe auf der Wiesn 2012 zugelassen werden. Danach ruft die Stadt die Getränkepreise bei den Wirten ab und überprüft, ob sie diese im Vergleich mit anderen Großbetrieben in der Innenstadt für angemessen hält. Ende Mai werden die Preise veröffentlicht. „Die Getränkepreise sind aber eine wirtschaftliche Entscheidung der Wiesnwirte“, betont Wolfgang Nickl, Sprecher des städtischen Wirtschaftsreferats.

Für den Besucher des Oktoberfests dürfte die Erhöhung im geplanten Rahmen jedoch kaum ins Gewicht fallen. Bei einem Preis von 9,50 Euro werden die meisten wohl geneigt sein, wie bei 9,20 Euro im Vorjahr, der Bedienung zehn Euro in die Hand zu drücken. Das Trinkgeld der Damen wird dann niedriger ausfallen. Wobei es stark drauf ankommt, wo man arbeitet. In den Boxen liege der Trinkgeldanteil bei nur etwa zehn Prozent, sagte eine langjährige Wiesn-Bedienung unserer Zeitung. Dort nämlich reservieren meist Firmen, die am Ende per Sammelrechnung zahlen. Härter trifft es die Bedienungen im Mittelschiff und in den Gärten, wo jede Mass einzeln bezahlt wird. Der Mehrbeteiligung der Bedienung am gestiegenen Massen-Preis dürfte bei rund drei Cent liegen und wiegt die Trinkgeld-Einbußen kaum auf. Dafür dürfte bei den Bedienungen schon Vorfreude auf die nächste Preiserhöhung herrschen. Denn rückt der Preis nahe an die zehn Euro, werden wohl viele auf elf Euro aufrunden.

Erst im vergangenen Jahr wurde die Grenze von neun Euro pro Mass überschritten. Ist schon bald also die sensible Marke von zehn Euro dran? „Da hat’s noch ein paar Jahre Zeit“, beschwichtigt Wiesn-Wirt Roiderer – um dann ein bisschen zu relativieren: „Dass im nächsten Jahr die zehn Euro gekappt werden, kann ich mir nicht vorstellen.“ Das hat wohl auch einen politischen Grund – obwohl der Bierpreis ja Sache der Wirte ist. Im Frühjahr 2014 nämlich wird in München der neue Oberbürgermeister gewählt. Für die SPD kandidiert Wirtschaftsreferent Dieter Reiter. Der ist Chef des Oktoberfests, über das er Bekanntheit erringen will. Eine Erhöhung des Bierpreises auf mehr als zehn Euro dürfte ihm ein halbes Jahr vor der OB-Wahl so gut in den Kram passen wie den Freibädern Schneefall im Juli. Die Grenzüberschreitung wäre quasi eine Kriegserklärung der Wirte an Reiter. Sollte der OB werden, könnten sich die Wirte – zumindest die Grenzbrecher – womöglich auf schwere Zeiten einstellen. Die Bürgermeisterwahl, sagt auch Roiderer dezent, sei jedenfalls „nicht zu unterschätzen“.

Matthias Kristlbauer

Rubriklistenbild: © dpa

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