Wiesn als Liebesfalle

Die skurrilsten Fälle der Scheidungsanwälte

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Ein Seitensprung auf der Wiesn kann sündhaft teurer werden.

München - Vergessen Sie den Ballermann auf Mallorca und den Karneval am Rhein - der Anbandel-Alarm auf dem Oktoberfest ist mindestens genauso groß. Oft wird die Wiesn auch zum Ehekiller...

Wenn in den Bierzelten die Stimmung schäumt, nehmen es viele Besucher mit der Treue nicht mehr so genau! Vom süßen Wiesnherzerl zum Seitensprung - ein Trend, der sich mit einer aktuellen Umfrage untermauern lässt. So hat die Partnervermittlung lovepoint.de jetzt 1325 Wiesn-Gänger nach ihren Absichten befragt. Das Ergebnis: Für 56 Prozent gehört Flirten auf dem Oktoberfest unbedingt dazu.

„Die Wiesn kann ein Ehekiller sein“, sagt Anwalt Hermann Messmer.

Viele gehen schon mit dem festen Anbandel-Vorsatz auf die Theresienwiese, lassen ihre Partner ganz bewusst zu Hause. Etwa jeder zweite Mann (51 Prozent) und jede dritte Frau (38 Prozent) geben zu, dass sie ihren Alleingang zum hemmungslosen Flirten nutzen - Seitensprung nicht ausgeschlossen: Laut lovepoint.de sagen 36 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer nicht nein, wenn sich auf dem größten Volksfest der Welt ein spontanes Sex-Date ergibt. Allerdings wird aus diesem Vergnügen oft eine bierernste Angelegenheit - insbesondere dann, wenn der gehörnte Partner oder die betrogene Partnerin Wind von dem Sex-Ausrutscher bekommen. Kein Wunder, dass die Rechtsanwälte nach der Wiesn Hochkonjunktur haben. „In der Kategorie Ehekiller rangiert das Oktoberfest in der absoluten Spitzengruppe“, bestätigen die renommierten Scheidungsspezialisten Hermann Messmer und Andreas Vitti. Die tz dokumentiert die skurrilsten Fälle.

Der ausg’schamte Möchtegern-Manager:

Ein Versicherungsangestellter wanzt sich an ein junges Dirndl heran. Er präsentiert sich als g’spickter Karriere-Casanova, zückt eine Visitenkarte samt privater Telefonnummer, die ihn als Versicherungsdirektor ausweist. In Wirklichkeit handelt es sich um die Visitenkarte seines Chefs. Die beiden landen in seinem Hotelzimmer. Dumm für den Möchtegern-Manager: Die Wiesn-Eroberung hat sich in ihn verliebt, will plötzlich mehr als eine unverbindliche heiße Liebesnacht. Sie ruft die Privat-Telefonummer von der Visitenkarte an. Am anderen Ende der Leitung meldet sich allerdings die Ehefrau des echten Versicherungsdirektors. Sie stellt ihren Gatten zur Rede. Der Direktor sagt, er könne sich beim besten Willen nicht erklären, wie die Anruferin an die Visitenkarte kommt.

Die schönsten Wiesn-Dekolletés

Die schönsten Wiesn-Dekolletés

Seine Ehefrau glaubt ihm zunächst kein Wort, droht mit Scheidung. In seiner Not sucht der Direktor das Gespräch mit seiner vermeintlichen Affäre, lässt sie den gesuchten Adonis beschreiben. Die Angaben passen zu einem seiner Mitarbeiter. Der falsche Manager wird in die Mangel genommen. Irgendwann ist Leugnen zwecklos, er gibt alles zu und verliert seinen Job. Jetzt ist auch die Ehefrau des Direktors wieder besänftigt - und die Scheidung vom Tisch.

Das Malheur mit der Lederhose:

Ein Ehemann flunkert seiner eifersüchtigen Frau vor, er müsse leider Überstunden machen. Tatsächlich wirft er sich im Büro in Tracht und geht auf die Wiesn. Nach ein paar Mass Bier vergisst er, sich wieder umzuziehen. Als ihn seine Frau beim Nachhausekommen mit Lederhose und Preißn-Sepplhut erwischt, macht sie ihm die Hölle heiß. Am Ende kommt es zur Scheidung.

Die „Doppel-Agentin“ im Dirndl:

Eine Ehefrau geht mit Freundinnen auf die Wiesn, bandelt mit einem Fremden an. Wilde Küsse, Fummeleien. Als sie nach Hause kommt, ist ihr Ehemann bereits informiert. Er hat Beweisfotos auf sein Handy geschickt bekommen. Die Bilder stammen ausgerechnet von einer Busenfreundin der Sünderin. Sie hat nämlich längst eine Affäre mit deren Ehemann. Und der hat nun endlich einen Grund, die Scheidung einzureichen - um frei zu sein für die Doppel-Agentin im Dirndl.

Der Streit um den Lügendetektor:

Nach einem Wiesn-Besuch kommt eine Ehefrau erst früh morgens heim. Ihr Mann rast vor Eifersucht - obwohl seine Gattin beteuert, dass sie nichts angestellt habe. Der Ehemann fordert einen Lügendetektor-Test. Sie fragt ihn, ob er einen Vogel hat, weigert sich. Das wertet der Ehemann als Schuldeingeständnis - Scheidung!

Die Trauerkarte aus Italien:

In ihrer Ehe läuft es schon lange nicht mehr so gut, deshalb wirft sich die Frau am Italiener-Wochenende einem heißblütigen Südländer an den Hals. Mehr noch: Sie begleitet ihn spontan in seine italienische Heimat. Ihrem Göttergatten schickt die flüchtige Ehefrau eine Trauerkarte. Darauf steht: Unsere Ehe ist beerdigt. Ich komme nicht mehr zu dir zurück.

Die Erpressung nach dem Seitensprung:

Ein charmanter Wiesn-Besucher gibt sich als Modefotograf aus, bezirzt eine junge Ehefrau. Er macht ihr Komplimente, attestiert der beschwippsten Dame ein Modelgesicht und einen Traumkörper. Sie kommt für „Probeaufnahmen“ mit zu ihm. Sein Atelier entpuppt sich als relativ schäbige Wohnung. Nach ein paar Fotos und weiteren Drinks haben die beiden Sex - allerdings taucht plötzlich ein Spezl auf, der den Seitensprung filmt. In den nächsten Monaten entpuppt sich der vermeintliche Modefotograf als gemeiner Erpresser, verlangt immer wieder Sex und Geld. Die junge Ehefrau schämt sich, geht deshalb immer wieder mit dem Ganoven ins Bett. Noch dazu plündert sie heimlich die Urlaubskasse des Ehepaares. Sie hebt Geld vom Gemeinschaftskonto ab und macht sogar Schulden, um dem Erpresser sein Schweigen zu vergolden. Irgendwann hält es die verzweifelte Frau nicht mehr aus. Sie beichtet ihrem Mann alles, bittet ihn um Verzeihung. Aber er bleibt hart, verlangt die Scheidung. Auf eine Anzeige gegen den Erpresser verzichten beide - aus Angst vor einer peinlichen öffentlichen Gerichtsverhandlung.

Der Seitensprung auf Persilschein:

Ein Ehemann will sich schon seit längerer Zeit scheiden lassen. Seiner Ehefrau bietet er an, sie könne gerne alleine aufs Oktoberfest gehen, und auch einen kleinen Seitensprung würde er ihr verzeihen. Die naive Frau freut sich über so viel Toleranz in ihrer vermeintlich „offenen Beziehung“, erzählt ihrem Gatten hinterher sogar von einer Liebesnacht nach der Wiesn. Daraufhin marschiert er kalt lächelnd zum Anwalt, reicht die Scheidung ein. Der Mann erklärt, er werde keinen Unterhalt zahlen - schließlich sei er ja betrogen worden. Die Frau kann nicht beweisen, dass sie sozusagen einen Persilschein fürs Fremdgehen hatte. Die Folge: ein beinhartes Scheidungsverfahren - und am Ende muss der Mann zumindest weniger Unterhalt zahlen.

Andreas Beez

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