Stufe um Stufe zur Million

Wiesn-Kirche sucht Paten für Sanierung

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Besucher fahren auf dem Oktoberfest in München vor der Kulisse der katholischen Kirche St. Paul in einem Fahrgeschäft. Die Wiesn-Kirche muss dringend saniert werden.

München - Die meisten Wiesn-Besucher kennen die Münchner Kirche St. Paul. Mächtig thront sie am Rande der Festwiese. Doch das Gotteshaus muss dringend saniert werden. Die Pfarrei sucht deshalb Paten aus aller Welt.

Es sind Namen aus aller Welt: Bogdan, Sergio, Priscilla und viele mehr. Eingeritzt in die dicken Mauern der Kirche Sankt Paul in München. Denn das Gotteshaus ist weltberühmt - weniger wegen seiner Architektur, als vielmehr wegen seiner Lage direkt neben dem Oktoberfest. Zehntausende Besucher von Australien über Japan und die USA bis Zypern erklimmen in den zwei Festwochen den Kirchturm, um den atemberaubenden Blick über die Stadt und das Treiben auf der Wiesn bis zu den Alpen zu genießen. Doch das neugotische Bauwerk mit den reich verzierten Türmen ist marode und die Sanierung teuer. Die Pfarrei sucht deshalb Paten für Wasserspeier, Kreuzblumen und vor allem für die 252 steilen, abgewetzten Treppenstufen in den 97 Meter hohen Hauptturm. Stufe um Stufe zur Million, lautet der Plan.

Dabei setzen Pfarrer Rainer Hepler und Pastoralreferent Ulrich Schäfert auf Hilfe aus aller Welt, denn die Pfarrei in der Münchner Innenstadt mit 2400 Katholiken ist zu klein, um das Geld alleine aufzubringen. Von rund 6,4 Millionen Euro Baukosten soll sie 1 Million Euro selbst aufbringen. Ein Teil ist schon geschafft, doch rund 780 000 Euro stehen noch aus.

Besucher, Bier & Bares: Die Wiesn in Zahlen

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Die Stadt München erließ der Pfarrei bereits einen dicken Batzen an Gebühren, und Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist Schirmherr der Sanierung. Die Kirche sei nicht nur ein prägender Fixpunkt der Oktoberfest-Silhouette, „sondern ein architektonisches und religiöses Wahrzeichen Münchens, eines der markantesten Gotteshäuser unserer Stadt“, schreibt er auf der Internet-Seite der Pfarrgemeinde.

Schwere Beschädigung im Zweiten Weltkrieg

Von 1892 bis 1906 wurde der Sakralbau von Georg von Hauberrisser gebaut, von dem auch das Neue Rathaus am Marienplatz stammt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche schwer beschädigt, der Hochaltar zerstört. Inzwischen ist von den Verwüstungen aus dem Jahr 1944 fast nichts mehr zu sehen. Dafür gibt es an anderer Stelle Schäden. Das Dach ist undicht, Regen und Schnee dringen ein und lassen das Gebälk modern. Auch die Wasserspeier mit ihren Fratzen und Gesichtern und die verspielten Kreuzblumen haben Risse. Korrosion, Abgase und saurer Regen haben Tuffstein und Muschelkalk zugesetzt. Für das Dach sind 100 000 Ziegel notwendig, um es nach historischen Vorgaben neu einzudecken.

In jedem Reiseführer vertreten

„International sind wir in jedem Reiseführer“, erzählt Pastoralreferent Schäfert stolz. Kein Wunder, denn im Getümmel der Festwiese weist die weithin sichtbare Kirche orientierungslosen Besuchern den Weg: etwa zum nahen Wiesn-Haupteingang und zur U-Bahn-Station „Theresienwiese“. Auch auf unzähligen Fotos ist St. Paul zu sehen; und manche wollen in dem mächtigen Kirchenschiff eine Pause machen vom Festtrubel. „Das ist ein Ruhepunkt im Treiben der Wiesn“, sagt Schäfert.

Traurige Berühmtheit erlangte das Gotteshaus am 1. Dezember 1960. Ein vollgetanktes US-amerikanisches Militärflugzeug streifte damals im dichten Nebel den Hauptturm und stürzte mit kaputter Tragfläche auf eine Trambahn. 52 Menschen starben. Bis heute ist das Unglück nicht vergessen. Zum 50. Jahrestag 2010 gab es ein großes Gedenken. Dass es eine Ausstellung in der Kirche gab, geschah nicht ohne Grund. Denn die Kunst liegt Pfarrer Hepler sehr am Herzen. Regelmäßig lädt er zu Konzerten und Ausstellungen. Er hofft, dass sich bald genug Spender finden, um das Baudenkmal vor dem Verfall zu bewahren. Denn Treppenstufen, Wasserspeier und Kreuzblumen für neue Paten gibt es noch mehr als genug.

dpa

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