Wegen überfüllter Tram- und U-Bahnen

Wiesn-Gäste sollen zu Fuß kommen

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Überfüllte Bahnsteige sind am U-Bahn-Halt Theresienwiese während des Oktoberfests an der Tagesordnung: Regelmäßig muss die Station geschlossen werden.

München - Bald ist wieder Wiesn - und der öffentliche Nahverkehr wird abermals ächzen vor Überlastung. Mehr U- und Trambahnen soll es aber nicht geben. Stattdessen will die Stadt die Oktoberfest-Besucher zu Fuß zur Theresienwiese schicken.

Das Oktoberfest ist der Superlativ der Landeshauptstadt. Binnen zwei Wochen strömten im vergangenen Jahr 6,9 Millionen Menschen auf die Theresienwiese und tranken 7,5 Millionen Mass Bier. Das größte Volksfest der Welt ist ein Zuschauermagnet - der allerdings auch zusehends unter seiner Attraktivität leidet. Denn der Weg zum Gaudium wird beschwerlicher. Die öffentlichen Verkehrsmittel bewältigen die Menschenmassen kaum noch. Allein U-Bahn, Bus und Tram brachten im vergangenen Jahr vier Millionen Menschen zum Oktoberfest und wieder nach Hause.

Vor allem der U-Bahnhof Theresienwiese ist oft überlastet. Schließlich trägt er mit 60 Prozent der Fahrgäste die Hauptlast unter den U-Bahnhöfen. Nach der Wiesn 2011 hatte sich die CSU im Rathaus der Sache angenommen und Verbesserungen gefordert. Die Stadträte Georg Kronawitter und Richard Quaas mahnten, die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) solle überlegen, wie die Fahrgäste schneller vom Bahnsteig nach oben gelangten. Auch eine Pendeltram vom Hauptbahnhof zur Festwiese hatten die beiden Christsozialen im Blick.

Demnächst soll die Angelegenheit im Stadtrat behandelt werden. Den Ärger aber gibt es schon jetzt. Die CSU schäumt, weil die MVG sich derzeit weder auf einen Umbau des Bahnhofs einlassen will, noch soll es eine Pendeltram geben. Stattdessen setzt der Verkehrsbetrieb auf körperliche Ertüchtigung. Laut einer Stadtratsvorlage von Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Dieter Reiter (SPD) soll ein „Fußwegekonzept“ zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese „zur sicheren und zuverlässigen An- und Abreise“ entwickelt und noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Vereinfacht ausgedrückt: Die Stadt stellt Schilder oder Personal auf, das die Wiesnbesucher über die Bayerstraße Richtung Theresienwiese lotst. Die Routen - alle etwa einen Kilometer lang - sollen über die Goethe-, die Paul-Heyse- sowie über die Hermann-Lingg-Straße führen.

„Der Vorschlag könnte fast von Karl Valentin stammten“, ätzt CSU-Stadtrat Kronawitter. „Es ist doch völlig unrealistisch, dass die Leute zu Fuß laufen.“ Nach Ansicht des CSU-Politikers reicht die Maßnahme bei weitem nicht, um der Überlastung Herr zu werden. „Man muss mehr Kapazitäten schaffen“, sagt er.

Das aber ist laut MVG schwierig. Eine zusätzliche Wiesn-Linie der Tram sei „nicht vorstellbar“, weil die relevanten Strecken bereits durch den regulären Verkehr stark belastet seien. Außerdem gebe es am Gleisdreieck an der Martin-Greif-Straße keine geeignete Wendemöglichkeit für Trambahnen. Selbst der Versuch, Wiesn-Besucher von den überlasteten Linien U4 und U5 weg zu verlagern, ist wohl zum Scheitern verurteilt. Da die Züge der U3/6 und die tangierenden Tram- und Buslinien zu den Spitzenzeiten ebenfalls voll ausgelastet sind, ist laut MVG eine Umverteilung der Fahrgäste auf andere Linien „nicht möglich“.

Bleibt also nur der Fußweg als einzige Möglichkeit, die Massen zu bewältigen? Wiesn-Chef Reiter jedenfalls verteidigt den Vorschlag. Es handle sich dabei um eine ergänzende Maßnahme, sagt er. Die Wiesn-Besucher empfänden es als „durchaus angenehm“, bei schönem Wetter zum Oktoberfest zu gehen. „Das hat nichts mit Karl Valentin zu tun.“

Dass der MVG-Vorschlag nicht der Weisheit letzter Schluss ist, ahnt auch Reiter. „Natürlich muss man mittelfristig überlegen, ob man den U-Bahnhof Theresienwiese ertüchtigt“, sagt er. Im Vordergrund ständen aber erst einmal andere Projekte - etwa der Umbau am Sendlinger-Tor-Platz.

Stadtrat Kronawitter ist dennoch sauer wegen des Fußweg-Konzepts. „Das Oktoberfest ist eine Weltmarke“, betont er. „Ein bissl mehr Kreativität hätte ich mir schon erwartet.“

Von Matthias Kristlbauer

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