Zulassung futsch

Wiesn-Experte nicht mehr auf der Wiesn!

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Wer hat’s erfunden? Georg Huber kann jede Frage über die Wiesn beantworten. 1995 startete er seine historischen Führungen

Georg Huber weiß alles über die Wiesn. Doch jetzt ist Schluss mit seinen historischen Führungen: Die Stadt hat seinem Stand die Zulassung verweigert. Aus is - nach 17 Jahren!

Georg Huber weiß alles – zumindest über die Wiesn. Mit welcher geheimen Würzmischung die Fischer Vroni ihre Steckerlfische zubereitet, wer der Steirer Hans war, oder welches Fahrgeschäft sich auf der Wiesn als Erstes im Kreis drehte. Jahrzehnte war er mit seinem Standl auf dem Oktoberfest, führte unzählige Münchner und Touristen über das Gelände. Jetzt ist Schluss mit seinen historischen Führungen: Die Stadt hat seinem Stand die Zulassung verweigert. Aus is nach 17 Jahren!

Woran erkennt man einen echten Münchner?

Woran erkennt man einen echten Münchner?

„Mir tut es richtig weh, dass es unseren Stand heuer nicht mehr gibt. Das ist ein großer Verlust für das Oktoberfest“, sagt Huber. 1995 erfand der Münchner seine Kult-Führungen über die Wiesn, erklärte tausenden Besuchern in Rundgängen, warum Engerl den Weg zur Toilette weisen, wie ein Bierzelt aufgebaut ist und warum die Zelte immer geschlossen sind. Doch jetzt flatterte die Absage ins Haus: Heuer ist auf der Wiesn kein Platz für den drei mal vier Meter großen Stand! „Diese Nachricht war für uns sehr bitter“, sagt Huber.

Auf Nachfrage der tz bei der Stadt erklärt Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Dieter Reiter: „Wegen des Landwirtschaftsfests haben wir heuer auf der Wiesn weniger Platz als sonst, deshalb fallen einige Bewerber raus.“ Wer dabei sein darf oder nicht, wird in einem komplizierten Bewerbungsverfahren nach Punkten entschieden. „Und hier gab es für Herrn Huber leider Abzüge“, erklärt Dieter Reiter.

Grund ist ein Wechsel in der Geschäftsführung: Schorsch Huber fungiert mittlerweile nur noch als Gesellschafter in der Firma, im Vorjahr stieg seine Kollegin Kerstin Dufner als Geschäftsführerin ein. Weil sie aber noch nie mit der Veranstaltungsleitung zusammengearbeitet hat, gab es im Bewerbungsverfahren automatisch weniger Punkte – und die Firma rutschte so weit ab, dass es nicht mehr für einen Platz reichte. Das Aus für den einzigen Stand mit Führungen auf der Wiesn! „Das Auswahlverfahren ist hart. Aber wir können keine Ausnahme machen“, so Reiter.

Das kleine Unternehmen (zwölf Mitarbeiter) will seine Touren jetzt von einem anderen Treffpunkt aus starten. Weil aber mit dem Wiesn-Standort auch die Organisationszentrale wegfällt, können nur im Voraus gebuchte Führungen angeboten werden. Dabei hatten sich bislang auf der Wiesn jährlich 5000 bis 7000 Besucher spontan für einen Rundgang angemeldet! „Außerdem waren wir für die Wiesn-Gäste Anlaufstelle für Fragen jeder Art“, sagt Georg Huber. „Wir hoffen sehr, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sind.“

Christina Schmelzer

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