Ein letztes Mal...

Wiesn-Endspurt! Was wir danach vermissen werden

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Am Sonntag geht die Wiesn-Zeit zu Ende.

München - Nur noch dieses Wochenende, dann ist die fünfte Jahreszeit vorbei! Die tz hat Wiesn-Arbeiter und -Besucher gefragt: Was werden Sie nach der Wiesn vermissen?

Viele Münchner gehen jetzt noch einmal auf die Wiesn. Ein letztes Mal Hendl essen, ein letztes Mal das Dirndl ausführen, ein letztes Mal eine Mass bestellen: Für Oktoberfest-Anhänger schwingt da aber auch ein bisschen Wehmut mit. Viele, die auf der Wiesn arbeiten, kehren ab Montag in ihren Job zurück, für die Besucher geht der normale Alltag weiter. Die tz hat gefragt: Was werden Sie nach der Wiesn vermissen?

...die Mass heben

14 Tage lang war der Münchner Hans Weinbeck (74) heuer an seinem Stammtisch im Augustinerzelt gesessen. „Vor 25 Jahren, als ich noch Dekorationsmaler war, hatte ich den Tisch, um Kunden einzuladen - und er ist mir geblieben. Ich treffe hier so viele Leute, dass es nie langweilig wird“, sagt der Rentner. Heuer habe er insgesamt bestimmt 50 Mass getrunken. Schließlich kommt er immer vormittags und bleibt oft bis zum Schluss. Ab Montag aber lebt er wieder ganz gesund. „Ich gehe viel wandern, radeln und skifahren.“

...so richtig aufbrezeln

Im Dirndl, so heißt es, sei jede Frau schöner. „Ich fühle mich damit weiblicher und sexy“, meint die 22-jährige StudentinAnna-Lena Geck. „Ich liebe mein Dirndl besonders, weil es von meiner Oma ist. Ich bin stolz, es ihr zu Ehren zu tragen. Ich laufe damit viel aufrechter als in einem normalen Kleid. Und die Männer schauen einen auch ganz anders an.“ Nächste Woche geht Anna-Lena wieder mit Jeans in die Uni. „Schade, dass das Dirndl dann in den Schrank muss.“

...hemmungslos flirten

Wie viele Telefonnummern der Student Julian Mastkolb (22) während der Wiesn abgestaubt hat, will er nicht verraten. „Schon ein paar...“ Die Wiesn sei ein Flirt-Paradies. „Die Mädls sind viel offener. Und mit Dirndl sind die meisten selbstbewusster. Außerdem gilt: Was auf der Wiesn passiert, bleibt auf der Wiesn.“ In Discos laufe man Gefahr, der anderen wieder zu begegnen. „Nach der Wiesn wird das Flirten wieder schwerer. In Clubs sind die Mädls viel zugeknöpfter.“

Besucher, Bier & Bares: Die Wiesn in Zahlen

Besucher, Bier & Bares: Die Wiesn in Zahlen

...so viele Süßigkeiten

Unterm Jahr darf die Erstklässlerin Helene Hantschk (6) aus München nur einen Nachtisch am Tag essen. „Aber Mama sagt, die Wiesn ist eine Ausnahme.“ Deshalb schlägt sie heute nochmal voll zu: Nach einer Schokobanane gibt’s noch eine Zuckerwatte. „Und gebrannte Mandeln will ich auch noch. Die mag ich am liebsten.“ Die Wiesn bringt noch weitere Vorteile: „Ich kann mein Dirndl anziehen, das ist mein Lieblingskleid.“ Und: „Normal müssen wir, nachdem wir was Süßes gegessen haben, sofort die Zähne putzen. Aber auf der Wiesn geht das ja nicht...“

...Brezn verkaufen

Zwölf Stunden stehen und Brezn verkaufen: Rosa S. hält das locker durch. „Am Abend ein Fußbad, dann geht das“, verrät die 80-Jährige. Die Rentnerin arbeitet seit 18 Jahren während der Wiesn als Breznverkäuferin, bessert so ihre kleine Rente auf. „Ich könnte sonst nie in den Urlaub fahren. Mal schauen, wo es diesmal hingeht!“ Der Wiesn-Trubel macht ihr nichts aus - im Gegenteil. „Mir ist es nie zu laut. Wenn ich heimkomm, dreh ich als erstes das Radio auf.“ Und was macht sie nach den 16 Tagen Wiesn? „Ausruhen, aufräumen, waschen. Es gibt immer was zu tun!“

...fröhlich zwitschern

Bei dem piept’s tatsächlich: Horst Berger (72) ist seit 40 Jahren mit seinen Vogelpfeifen auf dem Oktoberfest. „Ich mache die Menschen mit meinen Pfeifen glücklich - auf der Wiesn geht mein Herz auf“, sagt der Münchner. „Ich hoffe, dass ich 100 Jahre alt werde und irgendwann in meinem Standl sterbe.“ Die Pfeifen bastelt der gelernte Maschinenbautechniker selbst - mit einer eigens erfundenen Stanzmaschine. Nach der Wiesn ist er wieder normaler Rentner: „Ich gehe Wandern, Walken und Radlfahren.“

...Trubel, dann auf die Farm

Laut, schrill, schräg: Als Bedienung im Hofbräuzelt war Alex Resch (45) zwei Wochen mitten im größten Trubel. „Ich liebe die Extreme. Und hier tobt das Leben.“ Sie mag besonders die Gesichter der Gäste: „Auf dem Oktoberfest sieht du darin alle Emotionen.“ Am Montag gibt es das totale Gegenteil: Da geht die gebürtige Landshuterin wieder zurück in die Einsamkeit. Ihre Wahlheimat liegt nämlich seit 22 Jahren in Neuseeland. „Ich wohne am Meer auf einer alleinstehenden Farm, mit Kühen, Hunden und Katzen. Das ist die totale Ruhe.“

 ...Kribbeln im Bauch

Zwölf verschiedene Fahrgeschäfte ist der Münchner Schüler Marcel Wannieck (14) im Laufe der Wiesn gefahren: vom Power Tower über die Alpina Bahn bis hin zum Skater. „Ich liebe einfach das Kribbeln im Bauch. Beim Fahren vergisst man alles drumherum.“ Sein Lieblings-Fahrgeschäft ist das High Energy. „Das ist, als wenn man fliegen würde.“ In den vergangenen zwei Wochen hat sich Marcel schon die ganze Zeit während der Schule auf die Wiesn gefreut. „Schade, dass das jetzt nicht mehr geht.“

N. Bautz, C. Schmelzer

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