Seit 23 Jahren jeden Tag auf die Wiesn

Und täglich grüßt er aus dem Schottenhamel

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Armin Jumel an seinem Stammplatz im Schottenhamelzelt. Die Bedienung gibt ihm die Mass mit seinem persönlichen Deckel

Wiesn - Das ist wahre Treue. Armin Jumel kommt seit 23 Jahren während der Wiesn täglich ins Schottenhammel. Inzwischen gehört er dort fast zum Inventar. Ermöglicht hat ihm das sein Vater.

Auf Armin Jumels Tischen liegen weiß-blaue Tischdecken. Er darf das, als einziger. Denn der 43-Jährige gehört im Schottenhamelzelt quasi zum Inventar. Er ist jeden Tag hier, seit 23 Jahren. Zwei Wochen lang packt der Friseur seine Schere weg und tauscht Alltag gegen Ausnahmezustand. „Ich hatte in der ganzen Zeit nur acht oder neun Fehltage“, sagt Jumel.

Für den Münchner sind täglich zwei Tische reserviert, ganz automatisch. Das Reservierungsschild räumen die Bedienungen nach Feierabend weg und am nächsten Morgen steht es wieder da, wo es hingehört: in seinem „Übergangs-Wohnzimmer“. Für seine Mass hat Jumel einen Deckel mit einer Figur in Tracht, darauf ist sein Name und „schee is“ eingraviert.

Zu verdanken hat er all das seinem Vater. Denn der war in den 1940er Jahren Trauzeuge auf der Hochzeit der damaligen Chef-Bedienung. Und die gab ihm ein paar Jahre später das große Versprechen, immer einen Tisch im Schottenhamel zu bekommen. Schon als Kind war Jumel deshalb mit seinen Eltern ständig auf der Wiesn. Im Jahr 1990 starb sein Vater, ausgerechnet auf dem Weg zum Oktoberfest, an einem Herzinfarkt. Heute hält der Sohn die Tradition aufrecht.

Viel habe sich nicht geändert. Die Musik sei moderner, und voller sei es geworden. „Wegen Überfüllung geschlossen – das gab es früher nicht.“ Früher, da konnte man sogar noch mit Kinderwagen ins Zelt, erzählt er. Jumels jüngeren Bruder hat die Familie als zwei Monate altes Baby mit reingenommen. Während Jumel erzählt, kommen ständig Leute zum Ratschen vorbei, klopfen ihm auf die Schulter, setzen sich dazu. Am Wochenende hat er bis zu 120 Tischnachbarn. Einziger Wermutstropfen: Er muss sich jedes Lied der Blaskapelle ungefähr vier Mal am Tag anhören.

Kampftrinker seien er und seine Freunde nicht, sagt Jumel entschieden. Pro Tag trinke er höchstens fünf Mass. „Als echter Münchner muss man das schon vertragen.“

Woran erkennt man einen echten Münchner?

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Angeblich ist Jumel nicht der Einzige, der eine Extra-Wurst bekommt. Es soll einmal einen Vertreter gegeben haben, der sich eine Telefonleitung ins Bierzelt legen ließ, erzählt Jumel. Ein Anderer, „ein Augustiner-Gänger“, soll sich einen Holzkeil geschnitzt haben, um seine Maß auch auf den angeschrägten Geländern abstellen zu können. Vielleicht sind das aber auch Legenden unter Stammgästen.

Jumel bleibt immer bis zum Schluss, jeden Tag. Auf seinem Reservierungsschild aus Holz steht „Dohockadedodeoiweidohocka“ – „Hier hocken die da, die hier immer hocken.“

tz

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