Wiesn: Noch gibt es Zimmer

München - Knapp drei Wochen vor dem Auftakt rüsten sich die Hoteliers für die stressigste Zeit ihres Jahres: das Oktoberfest. Noch gibt es freie Zimmer in München, vor allem in der zweiten Wiesn-Woche.

Egal ob Luxusherberge, Mittelklassehotel oder Campingplatz – ein Termin steht bei allen Münchner Unterkünften fett im Kalender: 17. September – Wiesn-Anstich. Die 17 Tage, die folgen, sind laut bayerischem Hotel- und Gaststättenverband noch immer die bestgebuchte Zeit im Jahr – aber ganz aussichtslos ist es nicht, jetzt noch ein Zimmer zu bekommen: „Es gibt einen allgemeinen Trend zur späten Buchung, die Leute entscheiden immer kurzfristiger“, sagt Frank-Ulrich John, Sprecher des Verbandes.Vor allem unter der Woche, also sonntags bis donnerstags, gebe es „noch gute Chancen“. Die Unterkünfte seien zu dieser Zeit erfahrungsgemäß nur zu 70 Prozent ausgebucht. Am Wochenende ist die Lage schwieriger, aber nicht hoffnungslos: Donnerstags bis sonntags standen bisher etwa zehn Prozent der Zimmer leer. „Die Leute denken, in München kriegt man nichts mehr, und weichen auf den S-Bahn-Bereich aus“, sagt John.

Ein Blick in die Münchner Hotels zeigt dann auch: Wer flexibel ist, kann auch in der Stadt wohnen – wenn der Geldbeutel die höheren Preise verträgt. Durchschnittlich 77 Prozent Aufschlag verlangen die Münchner Hoteliers während der Wiesn, wenn man den Berechnungen des Portals HRS glaubt (wir berichteten).

Im „Blauen Bock“ am Viktualienmarkt kosten die günstigsten Zimmer 90 Euro – neun Stück gibt es davon, die Dusche teilt man sich in dieser Kategorie mit anderen Bewohnern. „Zur Wiesn nehmen viele Besucher, die nur eine Nacht bleiben, dieses Angebot an“, sagt Chef Stefan Grosse. Aufwärts geht es bis 185 Euro pro Doppelzimmer. Grosses Haus hat zur Wiesn seit Jahren ein „kontinuierlich wiederkehrendes Publikum“. Die Wochenenden sind ein Jahr im Voraus ausgebucht, „da herrscht Ausnahmezustand“. Unter der Woche hält Grosse immer einige Zimmer frei, „für Freunde des Hauses“. Bei ihm wird die Wiesn traditionell zelebriert – „wir dekorieren die Fassade und die Eingangshalle mit Brathendln, Brezen und Lebkuchenherzen“. Für die Mitarbeiter sei die Wiesn immer anstrengender als die restliche Zeit des Jahres. Deshalb müssen während der Wiesn auch alle im Einsatz sein.

Auch im Holiday Inn an der Leopoldstraße sei es während der Wiesn „schwieriger als sonst, Urlaub zu bekommen“, sagt Markus Leysieffer vom Marketing. Auch dort bereitet man sich vor – so werden etwa Bierbänke aufgestellt, ein großer Wiesn-Teppich heißt die Gäste willkommen. Vor allem in der zweiten Fest-Woche hat das Hotel noch Zimmer frei. „Zu uns kommen alle Altersklassen, vom 18-jährigen Schweizer bis zum 60-jährigen Bayern“, sagt Leysieffer. Die meisten Gäste bleiben nur ein oder zwei Nächte. Zu ihrem Schutz sind nachts immer zwei Security-Mitarbeiter da – das gibt es außerhalb der Wiesn nicht.

Eigenes Sicherheitspersonal brauchte das Best Western Hotel an der Landwehrstraße, unweit der Theresienwiese, in der Vergangenheit auch – „in den letzten Jahren war das aber nicht mehr nötig“, erklärt eine Sprecherin des Hotels. Die Gäste seien hier zwischen 20 und 50 Jahre alt, „reine Jugendgruppen haben wir nicht“. Dafür sehr viele deutsche Firmengäste. „Im Moment gibt es noch viele Stornierungen und Änderungen, aber wir sind fast jeden Tag ausgebucht“, sagte die Sprecherin weiter.

Spontane Wiesn-Gäste können in Riem im Wohnwagen oder im Zelt campen. Auf dem Wohnwagengelände beginnt ab dem 12. September der Aufbau, „wir sind schon seit Wochen in der Planung“, sagt die Betreiberin Claudia Hartl. „Reservierungen gibt es nicht. Wer kommt, der kommt und kriegt in der Regel einen Stellplatz.“ 35 Euro kostet das pro Nacht für zwei Personen.

Wer dagegen einen eher luxuriösen Oktoberfest-Besuch plant, hat dazu im Bayerischen Hof die Möglichkeit: Dort erwartet man auch heuer wieder allerlei Prominenz zur Wiesn. Aber auch für andere Gäste sind noch Zimmer (ab 340 Euro) zu haben, zum Beispiel an den Sonntagen. Besondere Vorbereitungen gibt es laut Chefin Innegrit Volkhardt nicht. „Aber die Vorfreude spürt man im ganzen Haus.“

Auch Stefan Grosse vom „Blauen Bock“ freut sich, denn er als Chef hat während der Wiesn einen besonderen Job: Jeden Morgen ist er von 7 bis 11 Uhr im Hotel – und dann begleitet er seine Gäste auf das Oktoberfest.

Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © dpa

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