So werden die Wiesn-Besucher gezählt

München - Die Erfassung der Besucher auf dem Münchner Oktoberfest beruht auf komplizierten Berechnungen, in die unter anderem Schätzwerte langjähriger Wiesn-Experten einfließen

Es ist eine Volkszählung der besonderen Art: Alljährlich kommen rund sechs Millionen Gäste aus aller Welt, die Zahl schwankt dabei stets um einige hunderttausend.

Dass die geschätzten Besucherzahlen recht genau zutreffen, wurde 1997 durch eine einmalige Besuchererfassung per Radar bestätigt. Die Zählung hatte damals Walter Weitmann, größter Wirt auf dem Cannstatter Wasen und langjähriger Präsident des Bundes der Schausteller und Marktkaufleute, veranlasst. Er hatte die Wiesn-Zahlen als zu hoch angezweifelt und wollte die vermeintliche Übertreibung aufdecken. Die Radar-Erfassung ergab jedoch: Die Schätzzahlen der Wiesn-Festleitung waren eher zu niedrig.

Abhängig ist die Besucherzahl vor allem vom Wochentag und vom Wetter. Die Festleitung geht bei einfacher Belegung der Zelte von etwa 215 000 Besuchern aus, 115 000 auf den Sitzplätzen in den Zelten und 100 000 Menschen auf den Wiesn-Straßen. Die Zahl wurde über gerasterte Luftbildaufnahmen der Theresienwiese ermittelt. Dann wurden die Menschen pro Rasterfeld gezählt.

Je nach Dichte des Besucherstromes und Belegung der Zelte wendet das Tourismusamt zur Ermittlung der täglichen Besucherzahl einen Belegungsfaktor von eins bis drei an. Dieser Faktor wird geschätzt und beruht auf der Erfahrung der Experten. Zur Überprüfung der Schätzwerte werden weitere Parameter einbezogen, etwa die Menge des konsumierten Bieres, die Zahl der verkauften Hendl und Tüten gebrannter Mandeln.

Auch der Verbrauch von Strom, Gas und Wasser und die Menge des von der Wiesn-Bank an die Schausteller ausgegebenen Wechselgeldes fließen ein. Anhaltspunkte liefern zudem die Zahl der in der Kinderstation gewickelten Kinder, die Menge des Mülls, der Umsatz des Wiesn- Postamts und die Angaben der Polizei. Als Indikator für den Anteil der ausländischen Besucher dient unter anderem der Geschäftsverlauf an den Souvenirständen.

dpa

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