Vorsicht, Bettel-Mafia!

+
Zwei junge Frauen mit ihren Kleinkindern auf dem Arm betteln Gäste eines Cafés an. Der Bub in der roten Jacke läuft nebenher.

München - Das schönste und größte Volksfest der Welt – es zieht auch die Bettel-Mafia an. Rund um die Wiesn sitzen seit Samstag Frauen mit Kleinkindern auf dem Gehsteig – und strecken ihre Pappbecher den Besuchern entgegen.

 Andere treiben sich am Hauptbahnhof herum, greifen dort Oktoberfest-Touristen ab. Die bettelnden Frauen, Kinder und Männer haben kaum eine Wahl. Sie werden zum Betteln gezwungen, um ihre Schulden bei Kredithaien in ihrer Heimat in Osteuropa bezahlen zu können. Seit Wiesn-Beginn schicken die Bettel-Mafiosi die Frauen und Männer in die Zugangsstraßen zum Oktoberfest.

Hier, so die Rechnung der Hintermänner, strömen Tausende Menschen vorbei – und lassen die Euros springen. Rund um die St.-Pauls-Kirche sitzen deshalb etliche Frauen mit Babys oder junge Männer mit Hundewelpen. „Du kaufen, 40 Euro. Vier Wochen alt“, sagt der Mann und streckt sein Hunde-Baby einer Frau im Dirndl entgegen. Auch am Hauptbahnhof werden Bettel-Gruppen in Stellung gebracht. Auch hier tummeln sich den ganzen Tag über Tausende Menschen auf dem Weg zum Oktoberfest.

Stundenlang müssen die Bettlerinnen die Straße auf und ab gehen und die Passanten anbetteln. Ihre Babys tragen sie auf dem Arm, die größeren Kinder laufen neben ihnen her. Von dem Geld sehen die Frauen und Männer so gut wie nichts. Alle zwei, drei Stunden kommt ein Aufseher und kassiert die Münzen ein. Bis zu 100 Euro am Tag „verdient“ ein Zwangs-Bettler – ein lukratives Geschäft für die skrupellosen Hintermänner. Derzeit sind mehr als 30 Bettler um die Wiesn verteilt. Macht rund 3000 Euro an nur einem Tag. Steuerfrei.

So haben Sie die Wiesn noch nie gesehen

So haben Sie die Wiesn noch nie gesehen

Das organisierte Betteln ist in München eine Ordnungswidrigkeit. Werden Bettler erwischt, sind 50 Euro Geldbuße fällig – die Polizei zieht den Bettel-Erlös ein, als Sicherheitsleistung. „Wir haben die Bettel-Szene immer im Auge“, sagt Polizeisprecherin Claudia Haas. Die Banden stammen überwiegend aus Rumänien und der Slowakei. Die Nächte in München verbringen sie im Auto – am Tag treiben sie sich auf den Straßen herum. Die Frauen und Männer treten dabei äußerst geschickt auf. Fühlen sie sich beobachtet, stellen sie sofort das Betteln ein.

Wie straff organisiert die Bettel-Mafia ist, zeigt ein Beispiel: Bei einer Kontrolle fand die Polizei Listen, welche Städte und Plätze am lukrativsten sind. Während der Wiesn mit ihren rund sechs Millionen Besuchern steht München auf den Listen ganz oben.

Jam

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

Oktoberfest 2017 ist vorbei: So emotional war das Wiesn-Finale

Oktoberfest 2017 ist vorbei: So emotional war das Wiesn-Finale

Kommentare