Ude-Seehofer: Der Nichtangriffspakt

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O’zapft is! OB Christian Ude will Ministerpräsident Horst Seehofer beim Wiesn-Anstich sauber einschenken – aber nur in die Mass.

München - Zum allerersten Mal treffen sie öffentlich in den neuen Rollen aufeinander – der Ministerpräsident und der Oberbürgermeister, der Amtsinhaber und sein Herausforderer, Horst Seehofer (CSU) und Christian Ude (SPD).

Beim Wiesn-Anstich am Samstag zapft der OB an und reicht dem MP die Mass, beide prosten dem dürstenden Festvolk zu. Verlockend wäre da ein Duell um den Jubel der überschäumenden Massen? Die Krüge hoch!

Nichts da: Seehofer und Ude haben einen Nichtangriffspakt für die Wiesn beschlossen! Es ist seit mehr als sechs Jahrzehnten das Aufeinandertreffen der mächtigsten Männer in München: Der Regent im Rathaus eröffnet mit dem Machthaber des Maximilianeums im Schottenhamel-Zelt das größte Fest der Welt. Heuer steht das Stelldichein unter besonderen Vorzeichen: Ude will Ministerpräsident werden, am Mittwoch haben ihn SPD-Landeschef Florian Pronold und das Präsidium für den Kandidaten ausgesprochen, der Landesvorstand soll am 7. Oktober entscheiden. In den Umfragen liegt Ude vorn: Er hat die Chance, Seehofer in zwei Jahren tatsächlich zu stürzen.

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

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Aber das soll am Samstag und während der Wiesn niemand bemerken. „Das Oktoberfest ist keine geeignete Plattform für politische Stellungnahmen und soll auch nicht umfunktioniert werden“, sagt Ude der tz. „Wir wollen gastfreundlich sein und dieses Volksfest genießen.“ Also anzapfen, ordentlich einschenken, zuprosten und freundlich winken – setzen. Kein Jubel, kein Animieren, kein Baden in den Massen. „Ich bin mir sicher, dass der Ministerpräsident das genau so sieht und handhabt.“

Das tut Seehofer. „Der Wiesn-Anstich ist eine Traditionsveranstaltung und kein politischer Termin. Die Wiesn ist ein Ort bayerischer Geselligkeit“, lässt der Ministerpräsident der tz ausrichten. Seehofer und Ude haben nicht miteinander gesprochen, auch nicht am Telefon – aber hinter den Kulissen haben sich die beiden offenbar ihrer Ansichten vergewissert. Seehofer: „Für mich hat das politische Kräftemessen auf der Wiesn keinen Platz. Das ist jedes Jahr so – ob Wahlkampf ist oder nicht!“

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Mit einem müden Auftritt wie im vergangenen Jahr wäre Seehofer im Jubel-Duell ohnehin untergegangen. Kürzlich sagte der Ministerpräsident, er habe sich nicht am Zuprost-Wettbewerb beteiligen wollen. In der Vergangenheit sahen das vor allem seine Amtsvorgänger anders. Franz Josef Strauß liebte es, das Volk zum Kochen zu bringen. Und auch Edmund Stoiber erhob sich immer wieder und stieg manchmal sogar auf die Bank, um dem Volk zuzuprosten. Wobei stets offen bleiben musste, ob das Johlen dem Politiker oder dem Bier galt. Heuer soll sich diese Frage gar nicht stellen: Auf eine – auch politisch – friedliche Wiesn!

David Costanzo

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