"Ihr zahlt Eintritt, ich kriege die Prämie“

So arbeiten die Taxler als Bordell-Schlepper

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Leichte Mädels, schnelle Taxis: Zur Wiesn machen die Münchner Bordelle große Kasse.

München - Zahlen Münchner Bordelle Kopfgeldprämien an Taxifahrer? Und wie viel Geld fließt hier wirklich? Gerade zur Wiesn ein heißes Thema - immer wieder gibt es Gerüchte. Wir wollen es genau wissen ...

"Der Eintritt ist 150 Euro pro Person. Dafür kriegt ihr drei Getränke und eine Dame nach Wahl - und ich 75 Euro Prämie.“ Taxifahrer Chris* redet Klartext - na endlich. Wir, die tz-Reporter, sitzen im Taxi in Richtung Münchner Westen. Unser Ziel: Ein Sexclub in der Ludwigshafener Straße - das sagen wir zumindest. Denn wir wollen testen, ob es stimmt: Zahlen Münchner Bordelle Kopfgeldprämien an Taxifahrer? Und wie viel Geld fließt hier wirklich? Gerade zur Wiesn ein heißes Thema - immer wieder gibt es Gerüchte. Wir wollen es genau wissen...

Für nur zehn Euro bringt uns der Taxifahrer hin. „Das machen wir pauschal, versteht sich“, sagt Chris. Betriebsgeheimnisse? Von wegen. Der Taxler redet offen übers Geschäft. „Entweder ich nehm die Kohle oder krieg einen Freistoß“, sagt er und lacht laut. Er meint: Er darf einmal Sex haben und muss nicht bezahlen. An dem Bordell angekommen, wird uns ein wenig mulmig. Die Taxistände an der Wiesn: brechend voll. Doch hier? Niemand zu sehen - nur der Zuhälter, breit wie eine Tür. Chris kennt ihn, sie begrüßen sich mit Handschlag. Ganz klar: Die beiden sehen sich öfter. Zwei Gäste wanken aus dem Laden und steigen ins Taxi - die Chance, uns aus dem Staub zu machen.

Was die Wiesn heuer kostet

Was die Wiesn heuer kostet

Zurück an der Wiesn. Wir fragen verschiedene Taxler nach guten Bordellen. Immer wieder werden die gleichen Clubs genannt, die Taxler haben sogar Broschüren dabei. Das Problem: der Eintritt - fast immer 150 Euro. Unser Verdacht: Hier gibt’s die dicksten Prämien. Während wir überlegen, wimmelt der Fahrer andere Gäste ab. Wir schlagen ein Laufhaus vor - da ist es billiger. „Lohnt sich für mich nicht“, sagt der Taxler und lässt uns einfach stehen.

Neuer Versuch, dieses Mal am Hauptbahnhof. Wir fragen verschiedene Fahrer ganz offen: Wo gibt’s das beste Kopfgeld - bring uns hin. Taxler Musti* fährt uns für 20 Euro in den Münchner Norden, der Taxameter bleibt aus. „Ein super Club, tolle Frauen - alles ganz exklusiv“, verspricht er. „Ihr zahlt den Eintritt, ich kassiere die Prämie.“ Ein Glück: In der Straße sind mehrere Bordelle, wir können unbemerkt verschwinden.

Die Wiesn-Rekorde auf einen Blick

Die Wiesn-Rekorde auf einen Blick

Nach drei Stunden und zehn Taxlern ist klar: Die Kopfgeldprämie gibt es - nur die Höhe variiert. Doch nur bei den Taxlern? Wir versuchen es auch bei den Rikscha-Fahrern. „Meistens gibt’s 50 Euro“, sagt Stephan*, ein Student. Kriegt auch er den Freistoß? „Ist Verhandlungssache“, sagt er. Rund drei Kilometer ist das nächste Bordell entfernt, er schlägt die hintere Landsberger Straße vor. Dauer: rund 30 Minuten. Er macht es tatsächlich: Strampeln für die Schnacksl-Prämie. „Aber ihr müsst auch reingehen, sonst krieg ich die Kohle nicht.“ Auf dem Weg entscheiden wir uns um. Stephan ist sauer, wirft uns in der Bayerstraße raus. Preis: 30 Euro. Die Strecke hätte man in fünf Minuten zu Fuß erreichen können.

Wir gehen zurück zum Hauptbahnhof, suchen einen Fahrer mit ehrlichem Angebot - und finden: Peter*. Wir sagen, wir haben nicht viel Geld. Taxler Peter empfiehlt uns einen Sexclub: 60 Euro Eintritt, nette Mädels. Eine Viertelstunde entfernt - ganz normale Tariffahrt. „Ich war auch mal da“, sagt Peter. „Wollt ihr hin?“ Gutes Angebot, aber: nein, danke. Wir wollen keinen Sex. Wir wollten nur Gewissheit.

thi, joh

*alle Namen geändert

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