Die Theresienwiese wird zur Baustelle

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München - Vor den Lohn hat Gott den Schweiß gesetzt: Bevor es am 18. September heißt „Ozapft is", müssen zahlreiche Handwerker und Ingenieure schuften. Am Montag hat auf der Theresienwiese der Aufbau des größten Volksfests der Welt begonnen.

Maurer und Zimmermänner holen die zerlegten Festzelte aus Containern, in denen sie über den Winter gelagert waren. Sie schrauben die Zeltteile zusammen, betonieren Böden für die Bierzeltküchen, die nach dem Fest wieder abgerissen werden müssen - und schwitzen gewaltig unter der Julisonne: „Erstmal sind wir in Arbeitslaune, aber vielleicht kommt die Feierstimmung noch", sagt Dekorateur Gerhard Wodak. Drei Monate lang ist die Theresienwiese sein Arbeitsplatz, acht Wochen dauert allein der Aufbau des größten Volksfests der Welt.

Wodak ist einer von 150 Arbeitern, die seit Montag damit beschäftigt sind, die Theresienwiese volksfesttauglich zu machen. Ab dem 30. August - wenn die Schausteller kommen, die jetzt noch auf anderen Volksfesten sind - werden dem Tourismusamt zufolge rund 800 Menschen am Aufbau der Wiesn beteiligt sein.

Verwunderlich ist das nicht, schließlich werden während der Wiesn mehr als sechs Millionen Besucher in 14 Festzelten, 20 kleineren Betrieben, wie den Enten- und Hühnerbratereien Millionen Liter Bier trinken. Sie werden an 716 Mandel-, Würstel-, Schaubuden und Fahrgeschäften vorbeischlendern. Dabei werden sie rund 745 Tonnen Restmüll und weiteren Abfall produzieren, der immer nachts blitzschnell entsorgt werden muss. Sie werden rund 90 Millionen Liter Wasser verbrauchen - und womöglich ärztliche oder polizeiliche Hilfe benötigen. Die Betriebe auf der Wiesn müssen mit Strom und Erdgas versorgt werden - 43 Kilometer Kabel werden von 18 Trafostationen Strom an 160 Speisepunkte leiten, von wo die Betriebe dann ihre Energie bekommen.

Klar, dass das Tourismusamt München den Aufbau eines solchen Festes generalstabsmäßig plant: Seit dem 16. Juli gilt die Theresienwiese als Baustelle, die aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden darf. Bis zum Aufbau der Hochfahrgeschäfte am 23. August gibt es für Fußgänger und Radler eine Nord-Süd-Querung von der Paulskirche bis zur Stielerstraße und eine West-Ost-Querung von der Bavaria-Abfahrt zum Esperantoplatz.

Gelassen bleibt Toni Roiderer, Sprecher der Wiesnwirte und Chef im Hackerzelt. Nicht einmal will er auf die Theresienwiese kommen, um den Aufbau seines Zelts zu überwachen: „Dafür gibt es doch Baufirmen, die haben das im Griff."

Von Bettina Stuhlweissenburg und Sabine Dobel

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