Terror-Schutz: Stadt will Wiesn-Wirte zur Kasse bitten

München - Für die neuen Sicherheits-Poller auf der Wiesn will die Stadt Wirte und Schausteller zur Kasse bitten - und zwar mit gesalzenen Beträgen. Die Wirte kündigen an, die Bierpreise zu erhöhen, sollte der Plan umgesetzt werden.

Keine Frage: Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) hat Mut. Zur Rettung der Stadtfinanzen legt er sich sogar mit Wiesnwirten an - das zeigt eine Vorlage, die er dem Stadtrat am Dienstag präsentierte. Darin schlägt er vor, die Standgelder für alle Wiesnbetriebe - vom Festzelt bis zum Autoscooter - saftig zu erhöhen. Betreiber von Festhallen sollen demnach 38 Prozent mehr berappen. Schausteller müssten sich auf eine Erhöhung um 20 Prozent einstellen.

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Grund für Reiters Vorstoß sind die massiven neuen Sicherheitsvorkehrungen für die Wiesn. Um Terroranschlägen vorzubeugen soll die Theresienwiese ab 2011 an den Zufahrten mit Pollern geschützt werden. Doch was sich simpel anhört, ist in Wahrheit sündhaft teuer: Die Hochsicherheits-Poller können sogar einen 7,5-Tonnen-Lkw stoppen - und in ihnen verbirgt sich modernste Technologie. Sie können elektronisch im Erdboden versenkt werden, wenn sich ein Rettungsfahrzeug nähert. Einsatzwagen sollen die Poller auch per Funk steuern können - und beim Hochfahren aus der Erde hupen die Poller sogar warnend.

3,3 Millionen Euro muss die Stadt für die Poller berappen, die Kosten können auf mehrere Jahre verteilt werden. Doch das ist nicht alles. Laut Reiter stehen weitere Kostensteigerungen auf der Wiesn an - etwa beim Rettungsdienst, bei der Sanitätsstation oder bei der Branddirektion. Insgesamt, so schätzt der Referent, wird die Wiesn um mehr als eine Million Euro pro Jahr teurer.

Das Geld will Reiter aber nicht vom Steuerzahler nehmen - sondern von den Oktoberfest-Beschickern. Das würde bedeuten, dass etwa der Betreiber eines großen Festzeltes, der bisher 172 000 Euro Standgebühr löhnte, nun 237 000 Euro berappen muss - 65 000 mehr. Für Schausteller fiele die Erhöhung geringer, aber doch deutlich aus: Eine Achterbahn, für die bisher 33 500 Euro Gebühr fällig waren, würde nun 40 000 Euro kosten.

Kein Wunder, dass das bei den Wiesn-Wirten nicht gut ankommt. Wirtesprecher Toni Roiderer stellte klar, dass die Besucher in diesem Fall mit höheren Preisen zu rechnen hätten. „Was wir mehr zahlen, geben wir weiter. Wir sind ja Kaufleute.“ Er hoffe jedoch, dass die Stadtpolitik eine andere Lösung finde. Roiderer denkt, dass auch die Stadt einen Beitrag zur Sicherheit auf der Wiesn leisten könne. Schließlich profitiere ja die gesamte Münchner Wirtschaft von dem Fest. Edmund Radlinger, Chef des Schaustellervereins, stimmt zu. Die Frage sei zudem, ob High-Tech-Poller wirklich nötig seien, so Radlinger. Die Provisorien, die heuer zum Einsatz kamen - Betonpoller und Blumenkübel - hätten doch gut funktioniert.

Auch im Stadtrat löst der Vorschlag von Sozialdemokrat Reiter Skepsis aus, selbst bei der SPD-Fraktion. Deren Chef Alexander Reissl zweifelt daran, ob all die Summen, die Reiter in seiner Vorlage nennt, wirklich nötig seien. CSU-Stadtrat Richard Quaas hält die Erhöhung der Standgebühren für „zu sehr zugelangt“. Zudem wirft er die Frage auf, ob nicht auch andere Veranstaltungen, die auf der Theresienwiese stattfinden, zur Kasse gebeten werden müssten. Grünen-Fraktionschefin Lydia Dietrich sagte gestern jedoch: „Wir hätten dem Vorschlag zugestimmt.“ Auf Wunsch von SPD und CSU wurde die Entscheidung aber vertagt. Bis zum neuen Termin am 16. November muss sich Reiter nun mit der Kritik auseinandersetzen.

Von Johannes Patzig

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