Wie die Masche funktioniert

Puff-Prämie für Taxler: 120 Euro pro Freier

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Pro Puff-Besucher bekommen die Münchner Taxifahrer bis zu 120 Euro

München - In München operiert eine Taxi-Mafia, deren fiese Masche besonders auf der Wiesn Hochkunjunktur hat. Die Taxler kassieren dann für jeden Fahrgast, den sie im Puff abliefern. So funktioniert die Masche mit der schnellen Nummer:

„Zu meiner eigenen Sicherheit muss ich anonym bleiben“, schreibt der Taxler. Er weiß: Es geht um Geld – sehr viel Geld. Gerade zur Wiesn-Zeit. „Ich habe früher selbst so gearbeitet“, bekennt Josef R. (Name geändert). Und wer auspackt, lebt gefährlich. „Mein Leben steht auf dem Spiel.“

Doch er will Gerechtigkeit – und die Machenschaften der Taxi-Mafia aufdecken. Zum Wohle der Fahrgäste. Denn die werden immer öfter von dreisten Fahrern angesprochen, die als Bordell-Schlepper arbeiten. „Heuer bekommt man in Bordellen bis zu 500 Euro, wenn man drei bis vier Personen bringt – und das pro Anfahrt“, schildert Josef R. Bis zu 120 Euro Kopfgeldprämie kassiert der Fahrer also pro Person – schwarz auf die Hand. Geliefert wird an den meistbietenden Puff. An einem Wiesn-Wochenende kommen die Bordell-Schlepper so locker auf 2500 Euro, weiß der Insider.

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Das Problem: Fahrgäste, die einfach nur nach Hause oder ins Hotel wollen, werden stehengelassen. Und eingestiegene Männer manchmal sogar gegen ihren Willen in eines der 180 Münchner Bordelle geschleppt. „Die Fahrer sind extrem gefährlich und gut organisiert“, weiß Josef R.

In seinem Brief beschreibt er die Methode: „Es wird die Fahrt verweigert, das Auto geparkt und das Taxilicht ausgeschaltet, sich im Auto oder außerhalb aufgehalten, um die Männergruppen besser ansprechen zu können. Ja sogar die Taxiuhr wird laufen gelassen, um das wasserdichte Alibi der Bestellung zu wahren.“ Die beliebtesten Standplätze seien rund um das Hofbräuhaus, die Sparkassenstraße und die Ledererstraße. Schuld an der kriminellen Masche sind seiner Meinung nach die vielen Sexclubs: „Die liefern sich einen richtigen krieg um die Gäste und die Taxiflotte.“

Bordellbetreiber Leo E. bestätigt das. „Kopfgeldprämien sind in München weit verbreitet“, sagt der Chef des Pascha im Stahlgruberring 37. „Wir haben früher 40 Euro an Taxler gezahlt, wenn sie uns einen neuen Gast gebracht haben, der noch nie bei uns war.“ Doch vor etwa vier Jahren zog die Preisspanne deutlich an. „Wir machen bei diesem Wettstreit nicht mehr mit – aus unternehmenspolitischen Gründen. Denn es ist ein Nullsummenspiel: Teilweise zahlen die Clubs ja mehr an den Taxler als der Gast in den Laden trägt.“

Einige Bordelle versuchen auch, der Konkurrenz die Kunden abzuwerben. Eine üble Masche, mit der die Taxler teilweise auch die Sexclubs erpressen. „Da wird dem Fahrgast erzählt, dass die Mädchen alle krank sind oder kürzlich eine Razzia war und der Laden gar nicht geöffnet hat.“ Leo E. weiß: „Es ist nicht möglich, diese Preise an Taxler zu bezahlen, wenn man den Gast anschließend nicht bescheißen will.“

Die Stadt hat die Bordell-Schlepper längst im Visier, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel: „Unser Taxi-Büro ist auf der Wiesn unterwegs und bekommt auch Verstärkung durch die Polizei. Wir überprüfen alles, was uns auffällt und gehen auch Beschwerden nach.“ Wird ein Schlepper erwischt, drohen Bußgelder – ab 200 Euro, nach oben offen. Aber: Erst nach mehrfachem Verstoß folgt der Entzug des Taxi-Scheins.

Bordell-Schleppen ist keine gängige Praxis, glaubt Reinhard Zielinsky, Chef von Taxi München. „Das sind einzelne schwarze Schafe.“ Dennoch gelte bei unsittlichen Angeboten: „Auch der Versuch ist strafbar. Jeden dieser Fälle melden wir der Behörde und erstatten Anzeige."

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