Der Taxi-Krieg! Abzocke auf der Wiesn

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Der alltägliche Taxi-Wahnsinn zur Wiesn: Viel zu viele Fahrgäste wollen ein Taxi – da haben Abzocker leichtes Spiel

München - Die Wiesn ist eine Goldgrube, und im Rausch des Goldes vergisst manch einer seine Moral. Taxler, Rikscha-Radler und private Autofahrer – im Krieg um müde Gäste, die nach Zelt-Schluss nach Hause wollen, greifen immer mehr Fahrer zu illegalen Methoden.

Private Abzocker gegen Taxis: Donnerstag, 23.15 Uhr, Standplatz Herzog-Heinrich-Straße. Eine halbe Stunde lang kein Taxi weit und breit, alle sind unterwegs. Stattdessen fährt ein schniekes Auto nach dem anderen vor – die Fahrer lassen die Scheiben hinunter: „Wollt ihr mitfahren?“ tz-Leser Arno Schneider (38) fährt in seiner Not mit einem dieser Herrn in einem schwarzen BMW mit. „Er sagte, er kommt aus St. Petersburg und sei nur zufällig vorbeigefahren.“

Ob er er so was öfter mache, fragt Schneider ihn. Ein Grinsen. „Nein, nein.“ An der Ampel wird der Fahrer sichtlich nervös, neben ihm steht ein Polzeiwagen. Arno Scheider hat Glück: Die Fahrt nach Thalkirchen kostet günstige 10 Euro. Das sei nicht immer so, warnt Reinhard Zielinski, Vorstand der Taxi München eG: „Dieses Jahr sind so viele illegale private Fahrer unterwegs wie noch nie. Mittlerweile kommen sie auch schon tagsüber und sprechen die Fahrgäste gezielt an. Da sie weder Lizenz noch Taxometer haben, verlangen sie oft horrende Preise – ein Fahrgast meldete uns einen Vorfall, bei dem er 200 Euro bis nach Dachau bezahlen musste.“

Die schönsten Wiesn-Dekolletés

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Viel schlimmer aber die mögliche Gefahr: „Die könnten ja auch noch viel schlimmere Dinge im Schilde führen …“ Der Polizei seien die Hände gebunden, so Zielinski. „Die Fahrgäste, die sich melden, können die Autos meist kaum beschreiben, insbesondere, weil immer mehr Fahrer extra Leihautos benutzen.“

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Rikschas gegen Taxis: In den vergangenen zwei Jahren herrschte Krieg zwischen Rikscha- und Autofahrern. Die Taxler fürchteten ums Geschäft, weil die Rikschas immer mehr wurden – und vor allem im Sicherheitsring viel weiter bis zum Festgelände vorfahren und dort dann die Fahrgäste abwerben konnten. Taxi-Chef Zielinski hat aufgegeben: „Wir nehmen das jetzt so hin.“ Auch heuer wollen die Rikschas um jeden Preis auffallen, neu sind Gefährte in leuch­tender LED-Hülle. Während die Taxler das Kriegsbeil begraben haben, mobilisieren sich neuerdings Fußgänger gegen die offenbar immer rücksichts­loseren Rikschas. „Für die scheinen gar keine Regeln zu gelten“, beschwert sich der Münchner Sascha Raab. „Die fahren auf Gehwegen und schneiden Fußgänger – und grinsen dabei noch.“

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

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Schwarze Schafe gegen ehrliche Taxler: Etliche tz-Leser haben sich gemeldet, die von Taxlern der Taxi München eG abgezockt wurden. Die Masche ist immer die gleiche: Die Taxler wehren die Fahrgäste ab, deren Strecke in ihren Augen nicht lukrativ ist – mit fadenscheinigen Ausreden („Ich bin schon bestellt“) oder schlicht ohne Kommentar. Entweder fragen die Abzocker dann: „Wie viel würdest du denn zahlen?“, oder sie warten auf ein Angebot des verzweifelten Fahrgastes. tz-Leser Marco H. (52) zahlte so vom Hauptbahnhof bis zum Sendlinger Tor 50 Euro.

Reinhard Zielinski ist nicht schockiert: „Uns ist bekannt, dass es solche schwarzen Schafe unter den 3400 Wiesn-Fahrern gibt. Der Fahrgast muss wissen, dass ein Taxifahrer die Pflicht hat, den ersten Gast zu befördern – außer er ist so schwerst betrunken, dass eine gesundheitliche Gefahr für den Gast besteht.“

Aber wie kann man sich schützen? „Nur der Fahrgast selbst kann helfen, diese Abzocker auf Dauer einzudämmen“, sagt Zielinski. Er bittet Betroffene, solche Vorfälle mit allen Hinweisen sofort schriftlich per Mail an info@taxi-muenchen.de oder an die Faxnummer 089 / 772 462 zu melden.

Nina Bautz

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