Das letzte Hemd für eine Schachtel Zigaretten

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Das letzte Hemd für eine Zigarette.

Cathy tauscht eine Biermarke gegen eine Schachtel Zigaretten – und zahlt damit über das Doppelte. Je später der Abend wird desto weiter sind die Raucher bereit zu gehen.

Bis zu 20 Euro werden geboten! Wer kein Geld mehr hat, steht Kopf oder gibt sein letztes Hemd!

In den Zelten herrscht heuer Kippen-Notstand, weil das Qualmen zwar noch erlaubt ist, es aber im Zelt keinen Tabak mehr zu kaufen gibt. Und raus aus dem rappelvollen Zelt geht keiner gern, weil ihn die Ordner am Ende nicht mehr reinlassen. Dann lieber Schnorren oder Wucher-Preise zahlen …

„Was für eine Doppelmoral“, schimpft Wiesn-Besucher und Raucher Christian (21) aus Aichach. „Noch viel hirnrissiger ist, dass es in manchen Zelten nicht mal Schnupftabak gibt. Das stört doch wirklich keinen!“ Am ersten Wiesn-Tag hatten Christian und sein Kumpel Karl (45) nicht an die neue Regelung gedacht. Nach der zweiten Mass mussten sie schnorren gehen. Inzwischen sind sie schlauer: Bevor es ins Zelt geht, decken sie sich an einem Zigarettenstandl außerhalb ein. Und das nicht zu knapp. Mit dem Alkoholpegel steigt die Lust auf einen Glimmstängel. An den elf Tabakständen draußen stehen die Raucher am Wochenende in Dreier-Reihen an. „4 Euro bitte, 4 Euro bitte“, Verkäuferin Kathrin Neumann träumt nachts schon vom Zigaretten verkaufen im Sekundentakt. „Wir machen heuer 40 Prozent mehr Umsatz.“

Die Tabakhändler in ihren Buden sind die Sieger der neuen Regelung. Verlierer ist Tabakhändler Uwe Siems (37), dessen Familienbetrieb vier Generationen lang die Kioske in den Zelten beliefert und die Bauchläden-Verkäufer beschäftigt hat. „Ich hatte jedes Jahr 70 Mitarbeiter auf der Wiesn. Die haben alle ihren Job verloren“, sagt Siems. Eine halbe Million Euro Umsatz hat er jedes Jahr auf der Wiesn gemacht. Das tut weh. „Aber mir geht’s nicht nur ums Geld. Ich bin mit der Wiesn groß geworden, kenne hier jeden Wirt und viele Mitarbeiter.“ Siems vermisst die Wiesn – und die Raucher vermissen ihn. Vor allem die Zigarren-Liebhaber, die er immer versorgt hat. „Franz Beckenbauer hat früher Havannas geraucht. Inzwischen ist er Davidoff-Fan.“

Keine Bauchladen-Verkäuferinnen – keine Zigarren. Eine dicke Zigarre kaufen die Gäste nur in Feierlaune, nicht schon vor dem Zelt. Überhaupt: Neun Monate Rauchverbot haben Spuren hinterlassen. Auch wenn’s auf der Wiesn ausnahmsweise erlaubt ist, rauchen die Leute weniger als früher. „Die Luft ist viel besser geworden“, freut sich Hacker-Chef Andreas Steinfatt.

Und auch für die Raucher hat’s Vorteile. Übrigens: Das Schnorren ein prima Grund zum Flirten …

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