Oktoberfest-Chefin Weishäupl ist stinksauer

65 € Mindestverzehr: Streit um Wiesnpreise

München - Dass das Oktoberfest keine Discount-Party ist, wissen die Münchner schon seit über 150 Jahren.

Doch nun gibt es Wiesn-Wirte, die für eine Abendreservierung bis zu 68 Euro Mindestverzehr pro Person verlangen. Das finden die Rathaus-Grünen zu viel. Auch Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl ist stinksauer.

Wer sich auf dem Oktoberfest im Ammer-Zelt abends einen Tisch reservieren lassen will, muss pro Person einen Gutschein über 65 Euro kaufen, sonst erhält er keinen Tisch. Dazu kommen noch drei Euro Bedienungsgeld, das jeder Gast im voraus bezahlen muss. Auch in anderen kleineren Bierzelten langen die Betreiber kräftig hin: So machen die Haxnbraterei und die Kalbskuchl abends einen Mindestverzehr von 60 Euro pro Person zur Bedingung.

Oktoberfest 2009 - Getränkepreise aus allen Zelten

Oktoberfest 2009 -Getränkepreise aus allen Zelten 

Für den Geschmack von Lydia Dietrich, Chefin der Rathaus-Grünen, gehen diese Preise zu weit: „Dies entspricht einem Konsum von sieben Mass Bier oder einem Essen und fünf Mass Bier innerhalb von vier Stunden!“ Darum will die Fraktionsvorsitzende wissen, ob es nicht finanzielle Obergrenzen für die Verzehrgutscheine gibt. Außerdem fragt sie, ob die Stadt jemals versucht hat, einheitliche Spielregeln für Reservierungen zu schaffen. Darum reichte Dietrich am Donnerstag eine offizielle Anfrage zum Thema im Rathaus ein. Die Stadträtin: „In der Regel sind die Verzehrgutscheine auf zwei Mass Bier und ein halbes Hendl ausgerichtet. Was aber einige Zelte bei Abendreservierungen – also ab 19 Uhr – an Mindestverzehr verlangen, ist nicht mehr nachvollziehbar.“ Das passe nicht zum größten Volksfest der Welt. Denn schließlich müsse es auch für Geringverdiener attraktiv bleiben, fordert die Stadträtin der Grünen.

Auch der Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl schmecken die hohen Reservierungs-Kosten nicht: „Das stinkt mir außerordentlich. Das sind Auswüchse, die den Ruf des Oktoberfests schädigen.“ Die Preise seien zwar das Ergebnis des freien Wettbewerbs, dennoch will die Wiesn-Chefin prüfen lassen, ob die Stadt künftig die Reservierungs­bedingungen stärker beeinflussen kann – durch entsprechende Klauseln in den ­Verträgen mit den Festwirten. Gabi Weishäupl: „Das letzte Wort hat dann natürlich der Stadtrat.“

Die Wirte können den Ärger gar nicht verstehen: „Wir bieten eine ganz andere Dienstleistung an als die großen Zelte“, so Ammer-Chef Josef Schmiedbauer. „Bei uns gibt es Servietten und Tischdecken aus Stoff. Ein Ober bedient 25 Gäste, die erwarten, dass die Bedienung deutsch spricht.“ Der Sprecher der kleinen Wiesnwirte, Hanns-Werner Glöckle, erklärt außerdem: „Wir haben pro Gast viel höhere Kosten als die großen Wirte.“ Außerdem seien die Reservierungen bei Käfer, im Weinzelt und dem Hippodrom viel teurer als bei den kleinen Wirten.

Johannes Welte

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