Straßen rund um die Wiesn bleiben für Taxis tabu

München - Ein Vorstoß der Rathaus-SPD findet keine Gegenliebe – Innenministerium, Polizei und KVR fürchten Sicherheitslücken und Genehmigungs-Chaos.

Taxis haben im direkten Umfeld des Oktoberfests nichts mehr verloren. Das teilt das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf Anfrage einiger SPD-Stadträte mit. Terror-Prävention und Sicherheitsbelange, nicht zuletzt die Erfahrungen aus dem Debakel der Duisburger Loveparade 2010 seien zu schwerwiegend, als dass man die Straßen rund um die Theresienwiese für Droschken wieder öffnen könne. Josef Assal, Alexander Reissl, Barbara Scheuble-Schaefer und Helmut Schmid hatten angefragt, ob man die Taxis nach eingehender Sicherheitsprüfung nicht wieder zulassen könne.

Allein der Umfang der Stellungnahme spricht Bände: Auf elf Seiten erläutert KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle den SPD-Räten die Bedenken des Bayerischen Innenministeriums, der Münchner Polizei, der Branddirektion sowie des Veranstaltungs- und Versammlungsbüros. Fazit: Der „mittlere Sperrring“ – er umfasst die Theresienhöhe, den Alten Messeplatz, den Bavariaring und Teile der Hans-Fischer-Straße – muss völlig autofrei bleiben (der „innere Sperrring“ ist das Festgelände selbst, der „äußere Sperrring“ Straßenzüge zwischen Lindwurmstraße und Westend, die Anwohnern offen stehen). 2009 war das Sicherheitskonzept beschlossen worden.

Die Branddirektion betont, man brauche Evakuierungsflächen für die täglich 350 000 bis 400 000 Wiesn-Besucher, außerdem Verkehrswege für Einsatzfahrzeuge von Sanitäts- und Rettungsdienst, die im vergangenen Jahr 3671 Personen versorgt hätten. Für den Fall einer Katastrophe mit vielen Verletzten benötige man zudem Behandlungsflächen. Die 190 Meter zum nächstgelegenen Taxistand seien sicher nicht zu weit.

Der Meinung ist man auch im Polizeipräsidium. Damit es gar nicht erst zum Ernstfall komme, müsse man zum einen die Gefahr vermindern, dass Terroristen mit Fahrzeugen ans Wiesn-Gelände gelangen – was diese ja auch im Taxi könnten, schließlich würden nur die Fahrer kontrolliert. Zum anderen ergäben sich gerade für alkoholisierte Fußgänger „auf Grund ihrer koordinativen und kognitiven Beeinträchtigungen erhebliche Gefahrenpotentiale“ im Straßenverkehr. Überhaupt gebe es nur Lob für den „entspannten“ An- und Abmarsch zur und von der Wiesn. Das Innenministerium hat diesen Ausführungen nichts hinzuzufügen.

Blume-Beyerle betont: Eine Öffnung des Sperrrings für den Taxiverkehr „würde die Maßnahmen des Stadtrates zur Verbesserung der Sicherheit auf dem Oktoberfest konterkarieren und wäre ein sicherheitsrechtlicher Rückschritt“. Es gebe nach Einschätzung des Taxigewerbes etwa 10 000 aktive (haupt- und nebenberufliche) Taxifahrer, die als Führer eines der derzeit 3385 konzessionierten Münchner Taxis in Frage kämen. Heuer finde außerdem das Zentral-Landwirtschaftsfest statt, dessen Organisatoren ihrerseits um die Prüfung von 2000 Ausnahmegenehmigungen gebeten hätten. Etwa 4000 Ausnahmen mache man für das Oktoberfest. Dieser Wust sei von der Verwaltung nicht zu bewältigen – und die Kontrolle vor Ort schon gar nicht.

Zu befürchten wäre zudem, dass die Taxifahrer sich nicht nur innerhalb des Sperrrings aufhalten, wenn sie zur Fahrgastaufnahme bereit sind. Es sei zu erwarten, dass sich dort auch vorbestellte oder mit Besorgungsfahrten beauftragte Taxis aufhalten würden. „Gerade der komplett autofreie Sperrring würde hierzu einladen.“ Und: Wie wolle man die Extrawurst den Fahrradrikschas, Chauffeur- und Shuttlediensten, aber auch der MVG plausibel machen? Der Sperrring ist nämlich auch für die Buslinie 134 tabu. Blume-Beyerle: „Ich bitte um Ihr Verständnis.“

Johannes Löhr

Rubriklistenbild: © dpa

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