Strampeln für die Akzeptanz

München - Biogasanlagen, emissionsarmes Feuer und eine Popcornmaschine – das ZLF präsentiert zum Thema erneuerbare Energien kuriose Stände. Und hat hilfreiche Tipps für Landwirte.

München – Ohne Akzeptanz gibt es keine Biogasanlagen, keine Windkraftanlagen und schon gar kein Popcorn. Keine Chance. Das lernen die Besucher im Zelt für erneuerbare Energien schnell. Es ist eine grandiose Aufstellung von Dingen, die sie hier auf dem ZLF, Halle 4, haben. Überall hängen Flachbildschirme, Hocker laden zum Ausruhen ein. Alle paar Meter betritt der Besucher unweigerlich neue Themengebiete. Strom, Wasser, Kraftstoffe. Einzig der Duft von Grünländerkäse, der durch die Halle wabert, irritiert ein wenig in der Technologie-Idylle. Nebenan hat die bayerischen Milchwirtschaft ihre Ausstellung.

In einer Ecke steht ein schicker, schwarzer Touchscreen. Mit ein paar Klicks erfährt der Landwirt hier, wie er auf dem Weg zur eigenen Biogasanlage „Blockaden“ vermeidet, dass „die Akzeptanz der Betroffenen immer wichtiger wird“, und wie er in der Gemeinde nachhaltig Frieden schaffen kann. Wie sich Akzeptanz anfühlt, dass kann der Besucher auch gleich an Ort und Stelle erleben. Direkt neben dem Touchscreen steht eine Rudermaschine. Erst wenn er sich daran ein paar Minuten abmüht, gibt es zwei Meter weiter Popcorn zur Belohnung. „Am Anfang sagen die meisten, ’I strampel ned’“, erzählt eine Dame, die sich um den Stand kümmert. Und dann strampeln sie doch irgendwann alle. Versinnbildlichte Akzeptanz – und ein Erfahrungswert am vierten Tag des Zentral-Landwirtschaftsfests.

Drüben, ein paar Meter weiter, gleiche Halle, steht Daniel Kuptz, Experte für biogene Festbrennstoffe – wie zum Beispiel Holz. Kuptz zeigt den Besuchern, wie man ein Feuer macht. Ein sauberes, mit wenig Emissionen. „Unten müssen die großen Scheite hin, darüber die kleinen, und dazwischen muss man den Anzünder platzieren“, sagt Kuptz. Er arbeitet für das bayerische Technologie- und Förderzentrum. Dort haben sie dazu eine Versuchsreihe durchgeführt. Ergebnis: Liegt über dem Zünder kleines Holz, entsteht weniger CO2. Und das Feuer brennt auch besser.

Doch die Besucher erwartet noch mehr. An ein paar Ständen wird erklärt, welche Energiesparlampe am effektivsten für den Kuhstall ist, welche Fensterscheiben gut isolieren – und was eigentlich geschieht, wenn man einen Spezialisten für organische Kraftstoffe auf ein zur Rapsmühle umgebautes Radl setzt: Er schwitzt.

Klaus Thunke treibt mit seinen Pedalen unermüdlich eine Mühle an, darin werden Raps-Samen zerkleinert. Aus einer Öffnung fließt dann Öl, aus der anderen sogenannte Presskuchen – Nahrungsmittel für Tiere. Thunke will die seit Jahren geführte „Teller oder Tank“-Diskussion nicht wegradeln – er will den Herstellungs-Prozess von Rapsöl veranschaulichen. „Raps zur Kraftstoff-Herstellung hat eine schlechtes Image“, sagt er. Das liege daran, dass viele Kritiker nicht alle Informationen haben. Das will er nicht akzeptieren. Deswegen strampelt er.

Patrick Wehner

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Mehr Luft, mehr Platz: So wird die neue Ochsenbraterei

Mehr Luft, mehr Platz: So wird die neue Ochsenbraterei

Roiderer: „Wir jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen“

Roiderer: „Wir jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen“

Preislimit beim Wiesn-Bier: Entscheidung vertagt

Preislimit beim Wiesn-Bier: Entscheidung vertagt

Die geheime Wiesn-Liste: Wer es geschafft hat - und wer nicht

Die geheime Wiesn-Liste: Wer es geschafft hat - und wer nicht

Kommentare