Vor dem Wiesn-Start

Blaukraut oder Rotkohl? Sprach-Schützer zeigen Wirten die richtige Speisekarte

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Biergarten-Serie: Biergarten am Viktualienmarkt

Förderverein will mit einem neuen Projekt möglichst viele Gastronomen zur Einhaltung des Bairischen animieren.

München - Blaukraut oder Rotkohl – nicht immer nehmen es bayerische Gastwirte mit dem Bairischen so genau, wenn sie ihre bairischen Schmankerl anpreisen. Das kritisieren der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) und die ehemalige Wiesn-Chefin Gabriele Weißhäupl. Deswegen haben die Sprach-Schützer ein neues Projekt ins Leben gerufen: ein „Speisekarten-ABC für Wirtsleut’ und Küchenchefs“, das in bairischen Wirtshäusern eingeführt werden soll.

Gabriele Weißhäupl kämpft für den Dialekt.

Die Idee dazu kam Projektleiter Franz Sonnenberger, als er beim Bergsteigen einkehren wollte und ihm schon am Eingang „Kohlrouladen“ statt Krautwickerl angepriesen wurden. „Trotz traditionellen weiß-blauen Tischdecken und in Lederhosen oder Dirndl bekleideten Kellnern zweifelt der Gast an der Echtheit, wenn die Speisekarte voll mit mittel- und norddeutschen Begriffen ist“, sagt FBSD-Chef Horst Münzinger. Deswegen will der Förderverein nun möglichst viele Wirte dazu animieren, der sprachlichen Gestaltung ihrer Speisekarten mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Vorstellungen des Vereins sollen aber auf keinen Fall falsch verstanden werden: Ziel sei es nicht, die komplette Speisekarte in bairische Mundart zu übersetzen, sondern nur importierte Begriffe für typisch bairische Gerichte zu vermeiden.

3300 Mitglieder werben zusätzlich für die Mundartfreundlichkeit

Getragen wird die FBSD-Kampagne von dem „Sprachführer für Wirtsleut’“ , den die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung in Waiblingen finanziert. Ein Prospekt bietet Küchenchefs 35 Gegenüberstellungen bayrischer und norddeutscher Bezeichnungen für Gerichte und Zubereitungsarten (siehe Auswahl im Kasten). Rund 3300 Mitglieder werben zusätzlich für die Mundartfreundlichkeit. Sonnenberger ist auf jeden Fall zuversichtlich, dass das „Speisekarten-ABC“ viel Zustimmung erfahren wird. „So tragen wir dazu bei, dass in Wirtshäusern wieder mehr heimatsprachliche Begriffe zu lesen und zu hören sind.“

Auf der Oidn Wiesn ist der FBSD mit einem eigenen Infostand im Museumszelt vertreten. Dort kann jeder täglich von 11 bis 19 Uhr seine Bairisch-Kenntnisse testen und mehr über die Sprache erfahren. Wer alle Fragen richtig beantwortet, bekommt ein Zertifikat: das weiß-blaue Wapperl „I red Boarisch – und Du?“. Zusätzlich erhalten die Besucher am Stand kostenlose Hinweise und Buchempfehlungen zur Weitergabe und Pflege der bairischen Sprache in Familien, Kindergärten und Schulen.

Was erlaubt ist und was nicht

Bairisch

Unbairisch

Blaukraut

Rotkohl

Kraut

Kohl

Gelbe Rüben

Möhren, Karotten

Erdäpfel

Kartoffeln

Kren

Meerettich

Porree

Lauch

Reherl (Eierschwammerl)

Pfifferlinge

Rote Rüben (Rahnen)

Rote Be(e)te

Radi

Rettich

Schwammerl

Pilze

Weinbeeren

Rosinen

Hendl (Giggerl)

Hähnchen

Haxe

Keule

Wammerl

Schweinebauch

Ochsenbackerl

Ochsenbäckchen

Fleischpflanzl

Frikadellen

Krautwickerl

Kohlrouladen

Knödel

Kloß

Nockerl

Klößchen

Reiberdatschi

Kartoffelpuffer

Spatzen, Spatzl

Spätzle

Semmel, Weckerl

Brötchen

Wickerl

Rouladen

Ochsenaugen

Spiegelei

Pfannenkuchen

Pfann- oder Eierkuchen

Rahm

Sahne

Topfen (Oberbayern)

Quark

Von Johanna Kiesl

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