Nach dem Wiesn-Rausch

So machen Sie Körper und Geist wieder fit

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Auf der Wiesn floss eine Menge Bier - vor allem in die Kehlen (oder wie in diesem Fall über einen Kopf)

München - Giftstoffe, die sich nach exzessivem Feiern im Körper einlagern, können schwerwiegende Folgen haben. Darum ist das Entschlacken gerade nach Party-Phasen wie den vergangenen zwei Wiesn-Wochen besonders wichtig.

Hand auf’s Herz: Haben Sie den Mund während der Wiesn auch etwas zu voll genommen? Bier, Hendl und Süßigkeiten – übermäßig genossen sind diese Schmankerl ziemlich ungesund. Und bei manchen zwickt’s wahrscheinlich schon am Hosenbund. Wir haben gefeiert, getrunken und geschlemmt – jetzt ist Schluss mit Saufen, Schweinsbraten und Schokofrüchten! Die tz gibt Tipps zum Abnehmen, Entgiften und wie Ihr Kopf nach dem Wiesn-Marathon schnell wieder fit wird.

Erholung auf die sanfte Tour

Dr. Wolfgang Wilde, Arzt für Naturheilverfahren, verrät, wie Sie Ihrem Körper helfen können, die Wiesn richtig zu verdauen.

Kein Alkohol: „Sie sollten mindestens so lange keinen Alkohol trinken, wie Sie gelumpt haben.“ Also mindestens zwei Wochen – besser wären drei bis vier. „Nur bei Abstinenz kann sich die Leber voll regenerieren und ihre Funktion als Entgiftungsorgan wieder erfüllen.“

Ohne größere Mahlzeiten ins Bett: Ideal wäre es, wenn Sie aufs Abendessen verzichten – oder nur Brühe essen. Leber und Magen-Darm haben so nachts Zeit, sich zu erholen.

Entgiftung auf die sanfte Tour: „Fasten sollten Sie nur unter ärztlicher Aufsicht.“ Für die Entgiftung daheim empfiehlt Dr. Wilde die sanfte Tour: „Pendeln Sie sich für zwei bis vier Wochen bei 1200 kcal pro Tag ein. Das und die Alkoholabstinenz unterstützen den Körper bereits enorm.“

Viel Flüssigkeit: Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch sollte pro Tag etwa drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, um die Verdauung zu verbessern. Wilde empfiehlt nicht zu aufgebrühten Fastentee, zum Beispiel Verbene: „Bitte keinen schwarzen Tee und auch keinen Kamillentee, der die Darmbewegungen eher abschwächt. Natürlich ist auch sanftes Mineralwasser geeignet.“

Ohne Bewegung geht’s nicht: „Drei Mal pro Woche 30 Minuten sportliche Bewegung bei einem Puls von 130 sind ideal“, sagt der Experte- So baut der Körper vorwiegend Fett und nicht Muskeln ab.

Urlaub für den Körper: Gönnen Sie Ihrem Körper als Belohnung für durchtanzte Wiesn-Nächte Massagen, Wechselbäder und ein bis zwei Sauna-Besuche pro Woche. Das entspannt und bringt das Immunsystem in Schwung.

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Warum ist das Entschlacken für den Körper so wichtig?

„Weil sich im Laufe der Zeit durch ungesunde Ernährung und falsche Lebensweise zu viele Schadstoffe in unserem Körper bilden können“, sagt Dr. Wolfgang Wilde, Internist und Ernährungsmediziner, Chefarzt der Medical Park Prien Kronprinz in Prien am Chiemsee. „Werden es zu viele Schadstoffe, das der Körper sie nicht mehr selbst ausscheiden kann, lagern sie sich im Gewebe ab. Besonders an Gelenkstrukturen, in der Muskulatur, im Unterhaut-Fettgewebe und in der Leber. Als Folge können auftreten Müdigkeit, Nachlassen der Leistungsfähigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen und sogar depressive Verstimmungen.

Wie die Hendl-Pfunde purzeln

Ernährungsberaterin Margit Hausmann erklärt, wie Sie nach den deftigen Wiesn-Schmankerl wie Hendl und Ochs ein paar Kilo abnehmen können:

Brotkonsum reduzieren: „Brot schlägt in der Kalorien-Bilanz häufig stark ins Gewicht.“ Lieber nur zwei statt drei Scheiben essen und dafür dick mit Kräuterquark bestreichen.

Kalorienarm Trinken: Ein Bier hat soviel Kalorien wie ein Hamburger! Besser auf Kaffee, Tee, Wasser und Süßstoff-Limos umsteigen. Wenn’s dem Genuss dient, kann an auch mal Alkohol trinken – aber in Maßen und nicht mehr in Massen.

Süßes ist erlaubt: Man muss nicht auf die kleinen Leckereien verzichten. Statt Schokolade lieber einen Pudding essen, der nur ein Zehntel der Kalorien von Schokolade hat.

Fettarm kochen: Bei Fleisch und Fisch macht es die Zubereitung: Nicht panieren oder frittieren, sondern grillen oder schmoren!

Fertiggerichte: Vorsicht vor Fertiggerichten wie Tiefkühlpizza (zwischen 800 und 1000 Kalorien) – sie enthalten versteckte Kalorien. Doch: „Klassische Fertigmenüs wie Rinderroulade mit Kartoffelbrei und Karottengemüse schneiden erstaunlich gut ab.

Fett reduzieren: Statt fettem Käse besser energiereduzierten Frischkäse (unter 10 Prozent Fett), fettarme Wurst oder Schinken und Braten.

„Light“ bedeutet nicht gleich kalorienarm! Immer die Brennwertangaben auf der Packung anschauen. Beispiel: Salami light ist fettreduziert, aber die Kalorien-Menge pro 100 Gramm kann immer noch bei 280 liegen.

Salat ohne Öl: Beim Dressing das Öl weglassen, lieber eine Salatsoße aus Balsamico-Essig, frischen Kräutern und Gewürzen zubereiten.

Bei Suppen Kalorien sparen: „Suppen enthalten häufig Butter und Sahne und machen vor allem nicht satt.“ Günstiger sind magere Fleisch-Gemüse-Brühen mit Gemüse oder Fleischeinlagen.

Müsli: Maximal zwei bis drei Esslöffel Flocken mit Milch oder Joghurt vermischen und mit Obst ergänzen.

 

Nehmen Sie sich eine Auszeit

Laute Musik, langes Anstehen am Zelt, Tanzen in der Menge: Anhaltender Stress ist für den Körper ähnlich ungesund wie falsche Ernährung. Der Münchner Diplom-Psychologe, Stress-Experte und Buchautor Louis Lewitan („Die Kunst, gelassen zu bleiben“) weiß, wie man nach der Wiesn seinen Geist zur Ruhe bringt.

Was passiert während des Wiesn-Rummels mit uns?

Lewitan: Während der Wiesn sind wir einer massiven Reizüberflutung ausgesetzt. Wir erleben in kurzer Zeit viele aufregende Dinge, die unsere Psyche nicht so schnell verarbeiten kann.

Wie kehrt man am besten vom Planet Wiesn zurück?

Lewitan: In dem man zu sich zurückkehrt, sprich in sich hineinhorcht, sich wieder spürt und darauf hört, was einem jetzt gut tut.

Da fällt einem spontan nur eins ein: Ruhe!

Lewitan: Das steht bei vielen ganz oben. Wer seine Ruhe will, soll Familie und Freunden Bescheid geben und sich zurückziehen dürfen, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Machen Sie ruhig das, was Ihnen gut tut.

Haben Sie einen bewährten Tipp?

Lewitan: Das Beste ist meiner Meinung nach in der Natur Sauerstoff tanken und sich bewegen. Am besten verbinden Sie das mit einem Wohlfühl- Erholungswochenende mit ihren Liebsten, zum Beispiel bei einer Bergtour.

Was ist noch wichtig?

Lewitan: Über Erlebnisse auf der Wiesn sprechen, das Erlebte miteinander teilen, Gespräche über Höhepunkte führen, um die vielen Erlebnisse zu verdauen. Vielleicht auch Fotos vom Wiesn-Besuch zeigen und die Fähigkeit aufbringen, über sich selbst zu lachen.

Wie lange dauert es, bis man sich vom Wiesn-Wahnsinn erholt hat?

Lewitan: Das ist ganz individuell, Sie müssen Ihrem Geist Zeit geben, sich zu regenerieren. Das darf schon ein paar Tage andauern. Bringen Sie Körper, Geist und Seele wieder in Einklang, weil diese drei vernachlässigt wurden.

Die berühmte Entschleunigung also?

Lewitan: Ja, denn wer überdreht ist, kann nicht wirklich geniessen. Und wer unter Stress steht, verliert die Sinnlichkeit. Lassen Sie also Ihre Sinne wecken und sich auf Neues ein.

Christina Lewinsky

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