Das sind die besten Würstl auf der Wiesn

München - Es geht um die Wurst: Auf dem Oktoberfest werden die Schweinswürstl ganz genau unter die Lupe genommen. Die Wiesn hat dafür eine offizielle Wurstprüfungskommission eingesetzt.

Würzig soll sie sein, und beim Schneiden darf sie keinen Fettfilm an der Oberfläche bilden: Die optimale Wurst auf dem Oktoberfest muss hohen Anforderungen genügen. Die Wiesn- Wurstprüfungskommission hat am Mittwoch getagt und festgestellt: Sechs von acht getesteten Schweinswürstln aus Zelten und Buden sind gut, zwei bekamen die Note befriedigend, ganz durchgefallen ist keine. “Die kann man alle empfehlen“, bilanziert Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle. Ein “sehr gut“ vergab die Jury allerdings auch nicht.

Der große Wiesn-Kalorien-Check

Der große Wiesn-Kalorien-Check

Prüfer von Veterinäramt und Landesamt für Lebensmittelsicherheit, Vertreter von Metzgern, Wirten, Stadtrat und Verbraucherschützern - unter ihnen auch zwei Teilnehmerinnen des Hausfrauenverbandes - waren angetreten, um die Würste zwischen die Zähne zu nehmen. Ergebnis: Die beste Wurst gibt es im Schützen-Festzelt von Eduard Reinbold. Hier stimmten Geruch, Geschmack, Aussehen und Konsistenz. “Ich vermisse den Senf und den Kren“, klagt Festleiterin Gabriele Weishäupl als Ehrentesterin. Beides sei bei der Verkostung verboten, “weil es den Geschmack verfälscht“.

Mutig kaut unterdessen Grünen- Stadträtin Gülseren Demirel an den Wurststücken. Die Sozialpolitikerin, die erstmals Mitglied der Kommission ist, ist keineswegs Vegetarierin. “Ich esse Schweinefleisch und Bratwürste - aber nicht vormittags um elf Uhr.“ Die Grünen sähen natürlich am liebsten nicht nur bei einigen Wiesn-Betrieben sondern überall Biofleisch. “Das würden wir schon einfordern, aber wir wissen natürlich, dass das nicht realisierbar ist.“

Das sagt der Metzgermeister

Auch Metzgermeister Berti Gaßner, der mehrere Wiesn-Betriebe beliefert, gehört zu der Kommission, die heuer auch seine eigene Ware testet. Er riecht an der Wurst, schneidet sie bedächtig, kaut vorsichtig. “Ich teste die Wurst vor allem nach ihrer Bekömmlichkeit.“ Er unterscheidet auch beim “Abgang“: Leicht pfeffrig, oder eher mit Majorannote. Für ihn gehört Test-Essen zum täglichen Geschäft. Ein Wienerwürstchen müsse knacken, sagt er, und auch bei der Weißwurst sei ein Qualitätskriterium, wenn das Brät nach dem Aufschneiden ein wenig herausquelle. In seinem eigenen Betrieb nimmt er sich jede Woche eine bestimmte Sorte vor.

Auch nach der Wiesn-Wurstprüfung wird Gaßner mit seinen Leuten sprechen müssen: Schweinswürstl aus dem Hause Gaßner waren beim Test dabei, kamen aber nicht unter die ersten drei. “Der Geschmack war zu lau“, sagt Gaßner. Allerdings schmeckte selbst der Metzgermeister die eigenen Würste nicht heraus - auf welchem Platz sie landeten, bleibt geheim. Nur die Würste auf den ersten drei Plätzen werden zugeordnet. Platz zwei machte das Festzelt Bräurosl, Platz drei eine Wurstbude.

Die bunte Dirndl-Welt der Wiesn

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Der Festwirt und Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes Christian Schottenhamel wird nie erfahren, ob seine Würste getestet wurden - er konnte sie jedenfalls nicht erschmecken. Er habe nicht gedacht, dass die Kommission so “wissenschaftlich“ an die Prüfung hergehe, sagt der Wirt. Ein einziges Mal fiel eine Wurst bei der seit 1953 tagenden Kommission durch, wie Blume-Beyerle berichtet. Seine “echten“ Kontrolleure sind sowieso täglich inkognito unterwegs, in Kühltaschen bringen sie Lebensmittelproben mit, die dann im Labor untersucht werden. Sie prüfen auch, ob ein 100-Gramm-Tütchen mit gebrannten Mandeln auch wirklich 100 Gramm wiegt - und ob die Maß gut genug eingeschenkt ist.

“Es gibt keine Wirtschaft auf der Welt, die so überprüft wird wie die Wiesn“, sagt Festleiterin Weishäupl. Einen Gammelfleischskandal wird kein Wiesn-Beschicker riskieren: Wer erwischt würde, wäre seine Lizenz los, und die ist bares Geld wert. Durch die strenge Auswahl sei die Qualität auf dem Oktoberfest höher als anderswo, sagen die Verantwortlichen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erläuterte kürzlich, es heiße zwar immer, alles werde schlechter, aber: “Das Essen auf der Wiesn wird jedes Jahr besser.“

dpa

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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