Servus, Hermann! Der bewegende Abschied von Wirte-Legende Haberl

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700 Trauergäste nahmen in der Stadtpfarrkirche St. Peter Abschied von der Wirte-Legende Hermann Haberl

München - Hunderte Menschen - vom Spüler bis zum Oberbürgermeister - haben bei einer bewegenden Trauerfeier Abschied von der Wirte-Legende Hermann Haberl genommen. Wir waren dabei.

Vor dem Altar steht der mit weiß-blauen Blumen geschmückte Sarg, daneben ein Foto von Hermann Haberl mit seinem typischen Schmunzeln. Auf dem Boden flackert ein brennendes Herz aus Kerzen. Die Bänke im Alten Peter sind bis auf den letzten Platz besetzt, hunderte stehen in den Gängen. Es ist ein großer Abschied für einen großen Gastronom: 700 Trauergäste nahmen am Freitag Abschied von Wirte-Legende Hermann Haberl (71).

Servus Hermann!

Servus, Hermann! Der bewegende Abschied von Wirte-Legende Haberl

„Er war ein wunderbarer Mensch“, hatten Witwe Anneliese Haberl (68) und Tochter Antje Schneider (43) auf die Einladungen zur Trauerfeier geschrieben. Hunderte Menschen – vom Spüler bis zum Oberbürgermeister – sind dieser Einladung gefolgt, die Betriebe der Familie bleiben an diesem Tag geschlossen. Auch die Wiesn-Wirte mit ihren Familien, Oktoberfest-Chefin Gabriele Weishäupl und OB Christian Ude geben Hermann Haberl die letzte Ehre.

Um 13 Uhr eröffnet Pfarrer Josef Hurler das Requiem. Er richtet tröstende Worte an die Trauernden: „Hermann Haberl war ein fürsorglicher Hirte. Bei ihm zählte vor allem der Mensch, weil er sich als Mit-Mensch und Mit-Christ sah. Er ist nicht von uns gegangen, lediglich uns vorausgegangen.“

Toni Roiderer, Sprecher der Wiesn-Wirte, stellt vor allem den großartigen Humor des Verstorbenen heraus: „Er hatte immer einen lockeren Spruch parat. Auch in den letzten Jahren, als er so krank war, hat man nie ein Jammern oder Klagen von ihm gehört.“ Im Namen der Wiesn-Wirte spendet er der Familie in dieser schweren Stunde Trost: „Wir sind für euch da!“

Es sind die schwersten Stunden für die Familie des Verstorbenen: Ehefrau Anneliese, Tochter Antje und die vier Enkelkinder, die am Sarg vier Blumenherzen aus weißen und blauen Rosen niedergelegt haben. Dass so viele Menschen mit der Familie fühlen, mag ein kleiner Trost sein.

Wilfrid Spronk, ehemaliger Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, richtet ergreifende Worte an den Verstorbenen: „Das .Wir’ stand bei dir immer im Vordergrund. Du warst ein Mensch durch und durch, das war dein Markenzeichen.“ Oberbürgermeister Christian Ude hebt Hermann Haberl in seiner Rede vor allem als Botschafter der Stadt heraus: „Er hat unglaublich viel geschmunzelt und konnte damit unglaublich viel sagen. Dieses Schmunzeln wird uns fehlen.“

Seit fast zwölf Jahren litt der Wiesn-Wirt der Ochsenbraterei und Chef des Biergartens am Chinesischen Turm an Parkinson. Letzten Samstag starb der Gastronom während einer Kur in Kassel überraschend an Herzversagen – in den Armen seiner geliebten Frau. 1939 in Schwaig in Niederbayern geboren, hat sich Haberl aus einfachsten Verhältnissen ganz nach oben gearbeitet in den Wirte-Olymp: Das Gastro-Catering bei den Olympischen Spielen 1972 und die anschließende Bewirtung der gesamten Olympia-Park-Gastronomie zählten neben dem Einzug auf die Wiesn zu seinen größten Erfolgen. Der gelernte Korbflechter hat gezeigt, dass sich Erfolg und Menschlichkeit nicht ausschließen. Er hat alle gleich behandelt – vom Stammgast bis zur Küchenhilfe. Hermann Haberl war ein Menschenfreund, der anderen mit Respekt und Achtung begegnet ist.

Nach dem Gottesdienst wird Hermann Haberl im Familiengrab im Alten Teil des Waldfriedhofs beigesetzt – hier liegen auch sein Vater und seine Schwiegermutter begraben. Der Auszug aus der Aussegnungshalle wird begleitet von Trompetenmusik. „Plaisir d’amour“ und „Alle Tage ist kein Sonntag“. Diese beiden Lieder hatte die Familie ausgewählt. Sie hätten Hermann Haberl bestimmt gefallen: In der Ochsenbraterei hat er jedes Jahr am letzten Abend selbst zur Trompete gegriffen und der Wiesn das Licht ausgeblasen. „Ein schlechter Trompeter und guter Gastgeber“, so hat er sich selbst gern bezeichnet.

Nach der Beisetzung sind alle Trauergäste in Haberls „geliebten Olympiapark“ eingeladen. Witwe Anneliese Haberl und Tochter Antje Schneider haben ihrem geliebten Ehemann und Vater einen schönen Abschied bereitet. Eine würdevolle, gebührende Trauerfeier für einen großen Gastronomen. Wer Haberl kennt, der weiß: Das wäre dem bescheidenen Wirt fast zu viel der Ehre gewesen.

Nina Bautz, Simone Herzner, Christina Schmelzer

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