Nach dem Steuer-Geständnis

Sepp Krätz: Das war's wohl mit dem Hippodrom

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Sepp Krätz in seinem Hippodrom: Es ist das Wohnzimmer der Reichen und Schönen auf der Wiesn.

München - Sepp Krätz hat vor dem Landgericht zugegeben, den Staat um rund 1,1 Millionen Euro betrogen zu haben. Jetzt droht ihm endgültig der Verlust des Hippodroms.

Ausgerechnet ein Geistlicher hat Sepp Krätz (59) den Grundstein zum Gastro-Imperium gelegt. „Pater Anselm von Andechs kam auf mich zu“, erzählt Krätz. 1994 wurde Anselm Bilgri Prior des Klosters – da gehörte Krätz nur die Waldwirtschaft, dann eröffnete er nach dem Angebot das Andechser am Dom mit bombastischem Erfolg, berichtete Krätz am Donnerstag – und beichtet am gleichen Tag eine Millionen-Steuersünde, die ihn wohl das Hippodrom kosten dürfte. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.

Die Juristen der Stadt haben den Prozessauftakt genau verfolgt – und das Geständnis gleich dem obersten Ordnungshüter gemeldet. KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle kannte die Anklage schon, er hat über die Zuverlässigkeit der Wirte zu entscheiden. Verliert Krätz seine Konzession, verliert er sein Wiesn-Zelt. „Wir haben noch nicht entscheiden“, sagt Blume-Beyerle. „Die Zweifel an der Zuverlässigkeit sind insbesondere durch sein Geständnis gewachsen.“ Nach dem Urteil wird er Krätz vorladen und wohl im April entscheiden – noch vor der Zulassung zum Oktoberfest im Stadtrat am 28. des Monats.

KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle

Bis dahin muss Wiesn-Boss Dieter Reiter (SPD) dem Stadtrat einen Vorschlag für das Hippodrom unterbreiten. „Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, wird die Stadt handeln“, hatte er gesagt. Am Donnerstag äußerte sich Reiter nicht, weil das Urteil nicht gesprochen ist und er als OB-Kandidat Wahlkampf-Urlaub genommen hat. Jetzt liegen viele Fakten auf dem Tisch. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Die Politiker machen Krätz keine Hoffnung – zu groß sitzt der Schock, dass der Wirt ausgerechnet auf dem Oktoberfest fast eine Million Euro hinterzogen hat. Der mächtige Fraktionschef der SPD, Alexander Reissl, sagt der tz: „Ich sehe für den Sepp eher schwarz.“ Aus der Oppositionsspitze heißt es: „Da sind andere schon wegen geringerer Vergehen nicht zugelassen worden.“

Möglicher Hippodrom-Wirt: Lorenz Stiftl

Krätz steckt in einer Zwickmühle, hat sichtlich zu kämpfen. Er beißt sich bei der Verlesung der Anklage auf die Unterlippe, in der Prozesspause versinkt er auf dem Gang im Sitz. Es geht ihm „den Umständen entsprechend“, sagt er der tz. Nach der Pause wischt er sich die blutunterlaufenen Augen. Im Prozess präsentiert er sich als kleiner Metzgermeister, dem der Gast über alles geht, der sich aber nie so recht für die Zahlen interessiert hat. „Das ist mir alles ein bissl viel geworden“, sagt er. „Das Kaufmännische hab ich ja nie gelernt.“ Immobilien hier, Gaststätten da, Scheidung, Kinder, Zins und Tilgung, Rinderzucht – Krätz gibt Auskunft, Krätz gesteht alles. Das hilft ihm im Prozess, schadet ihm aber bei der Stadt.

Ebenfalls ein Kandidat: Siegfried Able (r.)

Rund 20 Wirte haben sich für eine Zelt-Nachfolge auf der Wiesn beworben. Nach tz-Informationen läuft es wohl auf einen Zweikampf zwischen Spöckmeier-Chef Lorenz Stiftl und Kalbskuchl-Wirt Siegfried Able hinaus. Krätz wollte sich erst nach dem Urteil selbst über sein Hippodrom äußern.

David Costanzo

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