Seehofer & Ude: Fast wie beim Familientreffen

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Auf eine politikfreie Zone: Die Seehofers und die Udes

München - Das Aufeinandertreffen von Horst Seehofer (CSU) und seinem Herausforderer Christian Ude (SPD) auf der Wiesn verlief harmonisch. Der Ministerpräsident rief sogar die "politikfreie Zone" aus.

"Aufstehen! Aufstehen!“, brüllen die Fotografen. Doch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein Herausforderer, Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), bleiben am Ehrentisch im Schottenhamel-Zelt einfach sitzen, lächeln freundlich und überhören die Bitte. Nicht einmal fürs offizielle Foto zeigen sich die beiden. So ist er: der neue, politikfreie und fast schon unfreundliche Wiesn-Anstich.

Der Wiesn-Anstich 2011: Ude braucht nur zwei Schläge

Der Wiesn-Anstich 2011: Ude braucht nur zwei Schläge

Vor allem der Landesvater wirkte so, als sei er rein zufällig in die Eröffnung des größten Volksfests der Welt geraten. In der Anzapf-Box hatte er sich so gut zwischen den Honoratioren versteckt, dass ihn der BR-Moderator erst suchen musste. Und nach dem Einzug auf die Empore hockten sich Horst und Karin Seehofer derart unvermittelt hin, als seien die beiden Plätze glücklicherweise gerade frei geworden. Kein Blick, kein Gruß nach unten. Christian Ude und Edith von Welser-Ude hatten wenigstens noch ein-, zweimal gewunken. Beide Regenten hielten sich eisern an ihren Nichtangriffspakt.

Der Einzug der Wiesn-Wirte

Der Einzug der Wiesn-Wirte

Bei Seehofer ging das so weit, dass er die Wiesn nicht nur zur „politikfreien Zone“ machte, sondern bald auch zur politikerfreien Zone. Keine halbe Stunde saßen er und seine Frau bei den Udes, dann standen sie schon wieder auf, besuchten noch die Tische von FDP, VdK und CSU und verschwanden vor 13.30 Uhr. Seehofer hatte tatsächlich um 14 Uhr ein Treffen seiner schwarz-gelben Koalition in der Staatskanzlei angesetzt. „Wir haben eine Menge Arbeit. Jetzt sind die ganzen Koalitionäre da. Und wenn schon alle in München sind, dann können sie sich auch noch zwei Stunden in der Staatskanzlei treffen“, sagte Seehofer der tz. Dass er nicht gerade ein Feierbiest ist, wusste man ja – aber warum muss er gerade jetzt das Arbeitstier raushängen lassen? „Ich komme ja noch ein paarmal“, wiegelte der Ministerpräsident ab.

Immerhin: Seehofer war besser gelaunt als im Vorjahr. Er strahlte richtig, plauderte, schüttelte viele Hände – und am OB-Tisch brachen alle immer wieder in Gelächter aus (vor allem, als Karin Seehofer bei einer Journalistin, die mit Notizblock im Gang stand, zwei Hendl bestellen wollte). Aus der Ferne wirkte das fast wie ein Ausflug der Familien Seehofer und Ude. „Es war auch so“, sagte der OB hinterher der tz: „Wir waren entspannt und lustig.“

Dabei trafen die beiden Kontrahenten zum ersten Mal aufeinander, seitdem Ude seine Landesvater-Ambitionen offenbarte. Selbst das quittierte Amtsinhaber Seehofer mit einem Spruch. Er begrüßte Ude, der wieder routiniert mit zwei Schlägen das erste Fass anzapfte, augenzwinkernd mit den Worten: „Haben Sie sich denn für die Sommerferien nichts Besseres ausdenken können?“ Ude flachste zurück: „Ich wusste wirklich nichts Besseres.“ Einzig bei der Terminfrage bröckelte die große Wiesn-Koalition. Ude sagte Seehofer, dass er den Zeitpunkt des Koalitionstreffens „sehr unangemessen“ findet.

Selbst manche von Seehofers Parteifreunden wurden ganz blass um die Nase, als sie von dem Termin erfuhren. MdB Johannes Singhammer meinte mit Blick auf Bier und Beschlüsse spöttisch: „Das Treffen ist doch eine gute Idee. Jetzt ist die Inspiration am größten.“

Wobei Seehofer höchstens ein paar Mal an der Mass nippte, ehe er entschwand – nicht ohne noch einmal zu unterstreichen, dass die „politikfreie Zone“ auch in den kommenden beiden Jahren bestehen werde. Die Wiesn 2013 wird für einen der beiden allerdings die letzte in Amt und Würden werden. Seehofer oder Ude: Es kann nur einen geben!

David Costanzo, Christina Lewinsky

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