Ude und Seehofer: Das harmonische Anzapf-Duell

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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (li.) und Ministerpräsident Horst Seehofer beim Wiesn-Start im letzten Jahr.

München - Eine Premiere ist es nicht und doch wird das Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten heuer mit besonderer Spannung erwartet. Pünktlich um 12 Uhr wird Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Samstag im Schottenhamel-Zelt anzapfen und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekommt wie immer die erste Mass Bier.

Bislang verlief die Anzapfzeremonie stets entspannt, wenn diese beiden Protagonisten in der Boxe aufeinandertrafen. Doch weil Ude inzwischen der wahrscheinliche Herausforderer Seehofers bei der nächsten Landtagswahl ist, warten die politischen Beobachter gespannt, ob der Anstich zur politischen Bühne wird.

Doch Ude bemühte sich schon im Vorfeld, die Spannung zu nehmen. „Wir - also alle, die es angeht, - sind uns einig, dass Politik auf der Wiesn nichts verloren hat“, sagte Ude beim ersten Rundgang über die Theresienwiese. „Wer versucht, das Oktoberfest als Trittbrett für politische Aktionen zu nutzen, wird zwar gesteigerte Medienresonanz finden, aber keine Sympathie bei der Bevölkerung“, warnte der OB.

Die Könige der Wiesn

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In den vergangenen Jahren konnte man beim Anstich die politische Stimmungslage im Bierzelt stets gut ablesen, wenn der Ministerpräsident und der Oberbürgermeister auf der Galerie aufstanden und den Besuchern im Mittelschiff des Zeltes zuprosteten. Wer den lauteren Applaus bekam, konnte mit seiner Politik so falsch nicht liegen, doch mancher Volksvertreter hat auch schon unter Pfiffen wieder Platz genommen.

Einen solchen Showdown soll es an diesem Samstag auf dem Balkon des Schottenhamel nicht geben. „Wir werden nicht auf den Bänken herumturnen“, sagte Ude. Überhaupt werde es ihm nicht schwer fallen auf politische Spitzen zu verzichten, versicherte der OB. Wohl auch, weil sich Ude versichert hat, dass auch Seehofer den Wiesnanstich nicht als politische Bühne nutzen will. Es gebe „gute Drähte“ zur Staatskanzlei, erzählt er. „Über die wurde mir versichert, dass der Ministerpräsident das genauso sieht wie ich.“

Er sei auch nicht für politische Spitzen bekannt, sagte Ude augenzwinkernd. „Ich bin in 18 Jahren beim Anzapfen nur einer Boshaftigkeit überführt worden: Ich habe Ministerpräsident Günther Beckstein vor dem Anstich ein einmaliges Erlebnis versprochen. So ist es ja dann auch gekommen.“ Beckstein war nur ein Jahr lang Ministerpräsident.

Philipp Vetter

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