Schwarzmarkt hinterm Schottenhamel

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Lukratives Geschäft: Gegen Bares gibt’s hier Einlasskarten

München - Der Schwarzmarkt auf der Wiesn boomt: Wie der Münchner Merkur berichtet, machen junge Leute dank des Rauchverbots in den Zelten hinter dem Schottenhamel ordentlich Kasse: Für bis zu 20 Euro verhökern sie ganz offen ihre Wiedereinlasskarten.

Die drei jungen Männer in Lederhosen und karierten Hemden schauen sich prüfend um. Sie beobachten die Leute, um herauszufinden, wer als potenzieller Kunde in Betracht kommt. „Wollt ihr in den Schottenhamel – wir haben Karten für euch?“ fragen sie dann ganz direkt. Als sie skeptische Blicke ernten, legen sie nach: „Nur zehn Euro für eine Karte!“ Was das für Karten seien, und warum sie die nicht mehr bräuchten, will die Kundschaft wissen. Antwort: „Das sind unsere Raucher-Wiedereinlasskarten, wir kommen auch so wieder ins Zelt.“ Wie, das verraten sie nicht.

Hinter dem Schottenhamel, dort, wo die Besucher das Zelt zum Rauchen verlassen, boomt der Schwarzmarkt-Handel mit den Wiedereinlasskarten. Wer dort nur vorbeiläuft, bekommt sofort Angebote. Manche fragen ganz vorsichtig nach, andere halten ihre Karten offen über den Köpfen und preisen diese wie auf einem Basar lautstark an.

Polizisten, die hier besonders häufig vorbeieilen, weil der Behördenhof sich gegenüber befindet, reagieren darauf nicht. Und die Ordner des Schottenhamel seien außerhalb des Zeltes nicht zuständig, sagt Festwirt Michael Schottenhamel, der das Problem kennt. „Wir arbeiten bereits an einer Lösung.“

Schon im letzten Jahr habe sich das Problem gezeigt, sagt Schottenhamel. „Es gab schon einige Versuche: Wir haben zum Beispiel andere Marken als üblich an Raucher verteilt und geschaut, wo sie wieder auftauchen.“ Damit habe man den Lauf der Marken nachvollziehen und ausschließen wollen, dass Ordner an dem Schwarzhandel beteiligt sind.

Um das Problem zu lösen, denken die Wirte bereits seit längerem über Stempel nach, wie es in anderen Zelten üblich ist. „Aber wir hatten zahlreiche Beschwerden von Reservierungsgästen über Stempel“, berichtet Schottenhamel. „Die sagen eben: Wir sind hier nicht in der Disco, so etwas wollen wir nicht.“ Dennoch überlegt Schottenhamel angesichts der aktuellen Entwicklung, für das letzte Wiesnwochenende doch noch auf Stempel umzusteigen. Zumal er inzwischen den Verdacht hat, dass die Schwarzhändler nicht nur ihre eigenen Wiedereinlasskarten verkaufen, sondern diese vorher mehrfach kopieren. Dies könne eine Erklärung dafür sein, warum zum Beispiel am Samstagnachmittag das Zelt immer voller wurde, obwohl die Türen längst dicht waren.

Auch hinter anderen Zelten boomt der Schwarzmarkt. Für Einlassbändchen, die gerade noch eine halbe Stunde gelten, bieten drei junge Männer einer Familie vor dem Hofbräu-Zelt 30 Euro. „Nur um ins Zelt zu kommen“, berichtet die junge Frau. „Dann haben sie zwar keinen Tisch, aber sie sind drin.“

akg, bl, pv

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