Schrannenhalle: Neuer Wirt, neues Konzept!

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Event-Location, Markthalle, Showbühne: das alles soll die Schranne nach ihrer Neueröffnung sein.

München - Paukenschlag zum Wiesn-Start: Ab kommenden Samstag hat die Schrannenhalle einen neuen Mieter!

In der Nacht zum Samstag unterschrieb Klaus Thannhuber, geschäftsführender Gesellschafter der Schrannenhalle GmbH & Co. KG einen Mietvertrag mit der Futurecom Event und Marketing GmbH des Münchner Unternehmers Michael Ecker.

Das Pikante daran: Derzeit ist noch Pschorr-Wirt Jürgen Lochbihler mit seiner „Gastronomie und Kultur GmbH“ Mieter des historischen Gebäudes. Dessen Mietvertrag allerdings hat Thannhuber bereits im August zum kommenden Freitag um Mitternacht gekündigt, wegen „totalen Vertrauensverlustes“, weil Lochbihler zuvor Insolvenzantrag gegen seine Vermieterin gestellt hatte.

Es dürfte spannend werden, ob Lochbihler die Halle, die er erst vor wenigen Wochen als Veranstaltungs-Location wiedereröffnete, noch kurz vor dem Oktoberfest freiwillig räumt. Die beiden Wiesn-Wochen gelten als sichere Umsatz-Bank, bereits seit Wochen wirbt Lochbihler auf Plakaten und Flyern für seine „Wiesn-Nächte“ nach Zeltschluss auf der Theresienwiese. „Ich kenne Herrn Lochbihler als seriösen Geschäftsmann“, sagt der neue Schrannenhalle-Mieter Michael Ecker, „und kann mir deshalb nicht vorstellen, dass er das gekündigte Objekt nicht räumen wird.“

Schon um Mitternacht am Freitag will Ecker „mit 120 Mitarbeitern und einigen Lastern“ anrücken, um die Halle um 10 Uhr morgens zum Wiesn-Start weiß-blau dekoriert als 15. Wiesn-Zelt ieder aufsperren zu können. „Natürlich ist das eine Herausforderung, aber ich habe schon die Fußball-WM 2006 gastronomisch ausgestattet, dagegen ist das ein Klacks“, gibt sich Ecker zuversichtlich.

Nicht nur die Halle, auch der darunter liegende Club ist von dem Mieterwechsel betroffen. Dort feiert bereits seit drei Jahren ein Konsortium aus Party-Veranstaltern um Zdenko Anusic den „Wiesn-Nachstich“ für die jungen Oktoberfest-Besucher. Anusic, der seine Party-Reihe ebenfalls kräftig bewirbt, geht davon aus, dass sich daran auch dieses Jahr nichts ändern wird. Ecker aber will von den Nachstich-Leuten nichts wissen: „Wir werden auch den Club während des Oktoberfests selbst betreiben.“

Und auch für die nähere und fernere Zukunft hat der Unternehmer bereits konkrete Pläne: Im Oktober und November soll die Halle für einzelne Firmen-Veranstaltungen vermietet werden, vom 1. bis 23. Dezember betreibt Ecker selbst einen „amerikanischen Weihnachtsmarkt mit 80 Hütten, Glühwein, Lebkuchen-Häusern und allem was dazu gehört, und das wird der einzige werden, der auch nach Mitternacht geöffnet haben wird.“ Zwischen den Jahren, vom 25. bis 31. Dezember soll dann der Magier Florian Zimmer die Münchner mit einer großen Show verzaubern.

Zum Jahreswechsel endet erst mal der Mietvertrag für Ecker, allerdings besitzt er eine Verlängerungsoption auf zunächst zehn und danach weitere fünf Jahre. Voraussetzung dafür ist jedoch ein tragfähiges Konzept, das Ecker nach eigenen Angaben aber bereits in der Schublade liegen hat. „Nach dem Jahreswechsel wird die Halle erst mal umgebaut, dann entsteht dort eine Pariser Markthalle mit Delikatessen von einem der renommiertesten deutschen Feinkostgeschäfte.“

Eine schriftliche Absichtserklärung habe er mit dem Unternehmen, dessen Namen Ecker weder nennen noch bestätigen will, bereits geschlossen, ebenso wie mit einem internationalen Event-Konzern, der im Untergeschoss eine ständige Unterhaltungs-Show im Hollywood-Format präsentieren will. „Dann haben wir genau das Konzept umgesetzt, das die Stadt München im Erbpachtvertrag vom 27.Januar 2000 gefordert hatte: Markt, Kultur und Gastronomie.“ Letztere will er selber leisten. Mit einem Café und drei Restaurants mit Schwerpunkt Fisch, Geflügel, Steaks inmitten der gläsernen Halle.

Mit den Plänen könnte sich Ecker bei den Standlbesitzern des benachbarten Viktualienmarktes allerdings nicht nur Freunde machen. Der Idee einer Markthalle widersetzten sich die Marktkaufleute bereits seit längerem mit Erfolg. Es dürfte deshalb nicht nur spannend werden, wer am Samstag die Schrannenhalle aufsperrt, sondern auch, ob die Stadt die Nutzungsänderung für das nächste Jahr wie von den neuen Mietern gewünscht genehmigen wird.

Der Ärger um die gläserne Halle

Im Jahr 1978 entdeckte der Stadthistoriker Volker Hütsch die Reste der im Jahr 1853 von Stadtbaumeister Karl Muffat erbauten Schrannenhalle eher zufällig. Weil sich die Stadt den kostspieligen Wiederaufbau nicht leisten konnte, suchte sie nach einem Investor mit der Maßgabe, dort Gastronomie, Kultur und Markt zu bieten.

1997 erhält die Deutsche Beamtenvorsorge Immobilienholding AG mit ihrem Vorstand Klaus Thannhuber den Zuschlag. 2005 wurde die Schrannenhalle als gastronomisch ausgerichteter Event-Tempel wieder eröffnet, allerdings florierte das Geschäft nicht, weshalb die Halle bereits drei Jahre später unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Sogar von Zwangsversteigerung war die Rede.

Mittlerweile ist die Zwangsverwaltung aufgehoben, Jürgen Lochbihler, der die Halle betreibt und Mieter der GmbH & Co KG ist, kündigte allen Untermietern, die dort ihre Stände betrieben und ging Ende August mit der Halle als Event-Arena an den Start.

Thomas Osswald

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