Der Schichtl von der Wiesn

Manfred Schauer wird 60

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Schichtl Schauer (li.), Schichtlin Ingrid Wagner und Supermagier David Copperfield.

München - Manfred Schauer, der Schichtl von der Wiesn, wird 60. Das Münchner Original feiert seinen Geburtstag mit Freunden und erzählt vorher einige lustige Anekdoten von der Wiesn.

Marie Antoinette liegt gleich neben dem Haus in Solln, in der Garage, demontiert. Hat noch Pause, bis Mitte September wieder Köpfe rollen. Marie Antoinette, Erzherzogin von Österreich, enthauptet auf dem Schafott – schöner Name für eine Guillotine. Gut zweieinhalb Jahrzehnte alt und immer noch scharf, fast so schneidig wie ihr Besitzer. Manfred Schauer, der Schichtl von der Wiesn. Schausteller-Urgestein, Münchner Original. Am heutigen Freitag feiert Schauer Geburtstag. Seinen Sechzigsten.

Manfred Schauer, ein Kind Sendlings, die Eltern Obsthändler in der Großmarkthalle. In der Früh um fünf fuhr der kleine Manfred jeden Tag mit an den Stand, schlief bis halb acht im Büro weiter, ging dann rüber in die Gotzinger Schule. Er lernte Speditionskaufmann, eröffnete selbst in der Halle einen Laden für Tannengrün. Christbäume, Adventsgestecke, Beerdigungskränze. Motto: Keine Trauer ohne Schauer.

1985 hörte Schauer, dass die legendäre Schichtlin, Franziska Eichelsdörfer, den Familienbetrieb verkaufen wollte. Schauer ging zur Stadt und bewarb sich. „Bühnenerfahrung“, sagt er, „hab ich ja schon g’habt.“ Nach einem Schwankstück, bei dem er 1983 in der Waldwirtschaft aufgetreten war. Zusammen mit Christine Neubauer.

Und tatsächlich, er bekam den Zuschlag, nur war der Beginn hart. „Das Zelt war eine elend abgewrackte Bruchbude“, sagt er. Auch gleich der erste Delinquent war eine Katastrophe, nach der Hinrichtung beschwerte er sich über das Theaterblut am Hemdkragen und drohte mit dem Anwalt.

Ab sofort war also der Schauer der Schichtl, zwei Wochen auf der Wiesn. Danach stand er wieder in der Großmarkthalle und war im Oktober schon mittendrin in der Hochsaison des Adventskranzbindens. „Ein nahtloser Übergang vom Wahnsinn in den Irrsinn“, sagt er. Den Laden in der Großmarkthalle hielt er bis 2005, dann drückte ihm die Billigkonkurrenz die Kehle zu. „Tankstellen, Supermärkte“, sagt er, „immer mehr hast du Kränze und Bäume zu Dumping-Preisen bekommen.“ Schauer machte einen Schnitt und begann, in den wiesnfreien Wochen Veranstaltungen anzubieten, von der Floßfahrt bis zur Firmenfeier, organisierte den unbewaffneten Widerstand gegen die drohenden Sperrzeiten in den Biergärten als eine Art Gandhi des bayerischen Brauchtums.

Munter weiter köpfte er dafür auf dem Oktoberfest, bis heute, seit 27 Jahren. 25 Enthauptungen am Tag, 400 pro Wiesn, „alles miteinand hamma bei uns schon elftausend und ein paar Zerquetsche hingerichtet.“ Darunter auch Prominente, Christian Ude, David Copperfield, Rainhard Fendrich. Auch fachkundiges Publikum besuchte seine Vorstellungen, Edmund Stoiber etwa, der Hobby-Henker aus Wolfratshausen, der laut eigener Aussage gerne auch mal eine Blume im Garten hinrichtet.

Es gäbe schon noch einige, die er gerne unters Fallbeil geschoben hätte. Gerhard Schröder etwa, dem bot er sogar an, dass seine Gattin als Scharfrichterin in Aktion tritt: „Dann hätt’ ich gesagt: Doris Schröder, köpf!“ Der Schröder kam nicht.

Vielleicht kommt Angela Merkel noch. Die hat der Schauer auch eingeladen. Die würde bestimmt sagen, der Schichtl sei alternativlos.

Und tatsächlich, eine Wiesn ohne Schichtl – undenkbar, und das soll auch noch lange so bleiben. Den Geburtstag feiert Schauer mit Freunden, und er sagt, er würde den Schichtl noch gerne mit 100 noch machen: „Es ist einfach eine Herzensangelegenheit.“ Und immerhin ist in absehbarer Zeit keine Billigkonkurrenz zu befürchten. Wer sich hinrichten lassen will, soll zu Schauer gehen, dem Spezialisten. Hier wird noch mit Herzblut geköpft. Schauer, das Oberenthaupt der Wiesn.

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Florian Kinast

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