Selbsttest im "Schocker"

Zum Schaudern! Unser Reporter spielt Geist

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Der Schreckensmoment: tz-Reporter Johannes Heininger in Aktion. Seine Grusel-Künste waren in Edi Eckls Geisterbahn „Schocker“ gefragt

München - Wer steckt eigentlich hinter den Geister-Kostümen? Wie sieht man die Horror-Welt aus der anderen Perspektive? tz-Reporter Johannes Heininger versuchte sich in der Geisterbahn als Erschrecker.

Die Chirurgie des Grauens: die aufwendig gestaltete Kulisse macht das Erlebnis noch authentischer.

Es ist stockdunkel, der Gitterwaggon rollt zielsicher ins Ungewisse. Was passiert als nächstes? Adrenalin strömt durch jede Ader und lässt das Herz höher schlagen. Gedärme hängen von der Decke – dann schießt ein Mann im OP-Gewand aus der Ecke hervor und schlägt mit seinen Händen an die Gitter des Waggons. In der Geisterbahn „Schocker“ von Schausteller Edi Eckl machen die Statisten den Ausflug in die Grusel-Welt zum wahren Erlebnis. Doch wer steckt eigentlich hinter den Kostümen? Wie sieht man die Horror-Welt aus der anderen Perspektive? tz-Reporter Johannes Heininger versuchte sich im „Schocker“ selbst als Erschrecker im OP-Saal des Grauens:

Edi Eckl (r.) sorgt für das passende OP-Outfit

Es ist schon ein mulmiges Gefühl, als Geisterbahn-Chef Edi Eckl mir ein abgetrenntes Bein aus Plastik in die Hand drückt. Haarnetz, Mundschutz, Handschuhe und OP-Gewand machen schließlich mein neues Outfit perfekt. Gleich ist es soweit: Durch eine Hintertür betrete ich den OP-Saal. Nach Eckls genauen Anweisungen, von welchem Ort aus das Schock-Erlebnis für die Fahrgäste am besten sei, warte ich schließlich auf den ersten Waggon. Erst ein lautes Zischen, dann eine Mischung aus Gelächter und ängstlichen Stimmen. Die Objekte meiner Schocker-Begierde sind jetzt zum Greifen nah. Langsam schleiche ich, von den Passagieren immer noch unbemerkt, dem Waggon hinterher. Und als sich die jungen Damen schon in Sicherheit wähnen, schlage ich zu. Aus dem Hinterhalt springe ich an’s Gitter. Den Insassen fährt ein derartiger Schauer in die Glieder, dass auch ich innerlich zusammenzucke. Ein Blick in die Gesichter sagt alles: „Das hat gesessen!“

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Die Geisterbahn von außen

Meine ersten Gruselopfer liegen hinter mir und ich bin durchaus zufrieden mit den Ergebnissen – bis zu dem Zeitpunkt, an dem mein gesamtes Erschrecker-Talent plötzlich in Frage gestellt wird. Denn es läuft nicht immer so glatt. Vor allem die kleinsten Fahrgäste reagieren oftmals völlig anders, als ich es erwarte. Ein kleiner Bub deutet unter lautem Lachen mit dem Finger auf mich, als ich nach meinem vermeintlichen Überraschungsangriff mit amputiertem Bein und Riesenspritze wild umherfuchtelte. Nach einer halben Stunde und etwa 15 Waggons komme ich richtig ins Schwitzen. Pause!

„Unsere Mitarbeiter wechseln sich im Stundentakt ab. Dann übernehmen Kollegen ihre Aufgabe und sie gehen zum Kartenverkauf“, erklärt Geisterbahn-Legende Edi Eckl die Abläufe im „Schocker“. Welche Voraussetzungen man mitbringen müsste, will ich von ihm wissen als er mir schmunzelnd entgegnet: „Also ein zehnseitiges Drehbuch musst du für diesen Job nicht auswendig lernen.“

Vielmehr liegen die Strapazen der Arbeiter im vielen Reisen und im regelmäßigen Auf- und Abbau des Fahrgeschäfts. Denn Eckls „Schocker“ ging schon um die halbe Welt. „Wir waren in Italien, England und Amerika“, sagt der Meister des Schreckens stolz. Egal in welchem Land der Schocker gerade sein Unwesen treibt, schaurige Erlebnisse mit tollen Effekten und authentischen Darstellern sind garantiert.

tz

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