Zwei Bedienungen berichten

Ruhige Italiener, aber wilde Masskrugbiesler

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Sie haben den Biergarten in der Hand: Conny Wörndl (li.) und Daniela Stadler bedienen im Winzerer Fähndl.

München - In einem Notizbuch notieren die beiden Bedienungen Conny Wörndl und Daniela Stadler ihre Erlebnisse auf dem Oktoberfest. Uns haben sie erzählt, was sie bislang im Biergarten des Winzerer Fähndels erlebt haben.

„Ich kann dir genau sagen, an wie vielen Tagen es letztes Jahr auf der Wiesn geregnet hat“, sagt Conny Wörndl und zieht ein DinA6-Hefterl hervor. Conny ist Wiesn-Bedienung im Biergarten des Winzerer Fähndls. Das Hefterl ist ihr Wiesn-Tagebuch, darin notiert sie sich alles – vom Wetter über Dienstbeginn und -ende bis hin zu Besonderheiten. Auch heuer hat sie schon einiges hineingeschrieben. Am Montagvormittag hat sie ihre Halbzeitbilanz gezogen.

Conny und ihre Kollegin Daniela Stadler sind „eigentlich ganz zufrieden“. Insgesamt sei die Wiesn heuer entspannter losgegangen als vergangenes Jahr – also von der Stimmung her, denn das schöne Wetter hatte den beiden in den ersten Tagen viel Arbeit beschert. Draußen im Biergarten werde aber eh nicht so auf den Tischen getanzt – „da haben wir die Presssäufer nicht“, meint Conny. „Selbst die Italiener waren heuer ruhiger“, sagt Dani. „Mei, die essen erst ihr Mezzo Pollo, singen dann ein Lied auf der Bank, und dann gehen sie wieder runter.“

Conny und Dani kennen sich von ihrem Nebenjob im Landgasthof Stahuber in Thal. Gemeinsam bedienen sie auch auf dem Herbstfest in Rosenheim und anderen Volksfesten. Auch da haben sie schon einiges gesehen – aber noch nicht alles. „Die Neuseeländerinnen ... “, sagt Conny kopfschüttelnd, „die haben uns tatsächlich in den Masskrug gebieselt“, erinnert sie sich mit verzerrtem Gesicht. „Ich hab zu einer gesagt, entweder sie entsorgt den Krug, oder sie kann gleich gehen“, erzählt Dani. „Die hat ihr Bier dann fast geext und war weg.“ Den Krug hat Conny dann weggeschmissen – „das kann man ja gar nicht mehr sauber kriegen. Das ist doch ekelhaft.“

Dann grinst die 50-Jährige: „Oder der, der uns die Torten auf den Tisch gelegt hat“, sagt sie lachend. Und damit meint die Buchhalterin keine süße Leckerei. „Des war a Kaiserschmarrn“, sagt Dani. „Ich hab genau gesehen, dass die Preiselbeeren noch nicht verdaut waren.“

Conny und Daniela arbeiten heuer zum zweiten Mal auf der Wiesn. „Das war 2012 schon was besonderes.“ Vor allem der Zusammenhalt im Team hatten den beiden so imponiert, dass sie genau in der gleichen Konstellation wie im vergangenen Jahr arbeiten wollten. Und eines gefällt ihnen besonders am Biergarten: „Die meisten Gäste sind einfach nett, kommen gemütlich zum Essen und ratschen auch mit einem“, erklärt Conny.

Nur mit der Kleidung einiger Besucher hat Dani ihre Probleme: „Mich als Bayerin beleidigt das fast ein bisschen, wie die daherkommen. Die denken, sie kommen zum Fasching“, sagt die 37-jährige Floristin empört. Beim Trinkgeld geht es den beiden heuer wie wohl vielen ihrer Kollegen. „80 Prozent geben zehn Euro für eine Mass“, fasst Conny zusammen. Bei einem Bierpreis von 9,80 Euro bleibt da nicht viel übrig. „Aber es gibt auch einige, die elf oder vereinzelt auch mal 15 Euro geben.“ Was sie sich für die kommenden fünf Tage noch wünschen: „Schönes Wetter“, sagen sie aus einem Mund. Aber auch da könne man nichts machen. „Und nur die Harten sind im Garten“, sagt Conny lachend.

Andrea Steiler

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