Rohstoff-Engpass: Zuckerbäcker in Not 

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Den Zucker-Engpass bekam auch Wiesnherz-Hersteller Bernd Dostler aus Aschheim zu spüren. Hätte er den Rohstoff nicht teuer aus dem Ausland gekauft, hätte die Verzierung sparsamer ausfallen müssen.

Aschheim - Ein Oktoberfest ohne Wiesnherzerl und ohne gebrannte Mandeln? Unvorstellbar! Nur knapp ist die Wiesn 2011 diesem herzlosen Szenario entkommen. Das Problem: DenZuckerbäckern fehlt ihr wichtigster Rohstoff. Der Zucker.

Noch Ende Juli zitterte Bernd Dostler, Wiesnherz-Produzent aus Aschheim (Landkreis München). Er beliefert alle Händler des Oktoberfestes mit den traditionellen und beliebten Zuckersouvenirs. Dostler bangte: Würde er noch Zucker bekommen, um die Lebkuchenherzen mit Sprüchen aus Zuckerguss und farbenfrohen Umrandungen versehen zu können? In letzter Sekunde traf vergangene Woche der ersehnte Sattelschlepper aus Polen ein: beladen mit 12 Tonnen Puderzucker und 12 Tonnen Kristallzucker.

Jetzt läuft die Wiesnherz-Produktion wieder auf Hochtouren. Dostler: „Wäre der Laster nicht gekommen, hätte ich noch gerade für eine Woche Produktion Zucker gehabt.“ Ironie des Schicksals: Dostlers Firma heißt „Zuckersucht GmbH“.

Bilder vom Wiesn-Aufbau 2011

So wächst die Wiesn 2011

Der Chef der Herzen ist fassungslos: „Bisher war der Zucker nie ein Thema. Ich habe einfach bei der Raffinerie bestellt.“ Als sich seine Firma aber Mitte Juli an den Lieferanten, die „Südzucker AG“, wandte, um den süßen Rohstoff nachzubestellen, bekam der inzwischen weltweit bekannte Spezialist für Lebkuchenherzen zu hören: „Aufgrund der Zuckerknappheit in ganz Europa und der eingegangenen Lieferverpflichtungen können maximal die Mengen geliefert werden, wie im Vorjahr.“ Die Vorjahresmenge, 40 Tonnen Zucker, sei allerdings schon erreicht.

„Ich dachte erst, die machen Witze“, erzählt Bernd Dostler. Es war aber bitterer Ernst. Auch bei anderen Anbietern war der Aschheimer nicht erfolgreich. Der Unternehmer dachte in seiner Not daran, abgespeckte Herzverzierungen einzuführen, um Zucker zu sparen. Dann hörte er von den Mandelröstern, dass es denen ähnlich erging. Man schloss sich zusammen und wurde schließlich nur noch in Polen fündig: „Dort hat ein Lieferant offensichtlich gut gepokert und noch Ware gelagert. Jetzt bekommt er von uns 40 Prozent mehr je Tonne Zucker als Südzucker.“

Für die Süßwarenbetriebe bedeutet das ein schlechteres Betriebsergebnis. Denn die höheren Kosten können nicht weiter gegeben werden. Die Verträge sind längst gemacht. Dostler: „Würde ich den Zuckerpreis auf den Händler umlegen, käme das Wiesnherz den Endverbraucher je nach Größe zwischen 50 Zent und 2 Euro teurer.“

Das Wiesnherz 2011, ein Luxusgut. Und eines, das beim berühmten Oktoberfest nun doch nicht fehlen wird: Anfang Juni ging es mit der Produktion schon los. Seit die Zuckerlieferung aus Polen da ist, herrscht absoluter Hochbetrieb in Dostlers Backstuben. Wer sich oder seinen Liebsten also heuer ein Wiesnherz gönnt, sollte den Zuckerguss achtsam behandeln: Wer weiß, wie lang es ihn so dick und farbenfroh noch geben wird.

Anette Gannssmüller-Maluche

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