Rikscha contra Taxi

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Taxifahrer wie Klaus S. (56) sind sauer, weil ihre Fahrt dagegen neuerdings an der Zufahrt zur Sicherheitszone enden muss

München - Stopp! An der Polizeisperre in der Schwanthalerstraße ist für Taxifahrer Klaus S. Schluss. An ihm radelt pfeifend ein Rikschafahrer vorbei Richtung Wiesn-Haupteingang.

 „Das ist eine Frechheit, dass die nicht ausgesperrt werden!“, schimpft der 56-Jährige. „Das ist Wettbewerbsverzerrung. Jetzt nehmen die uns noch mehr Kunden weg …“ Schon lange schwelt der Rikscha-Taxler-Streit – nun, wo der Sicherheitsring die Taxler aussperrt, herrscht offener Krieg im Kampf um Wiesn-Kunden.

An vorderster Front: Taxi München-Chef Hans Meißner. „Das ist ein Saustall! Am liebsten würde ich denen zwei 150-Kilo-Männer reinsetzen, die sie dann den Nockherberg raufkarren müssen.“ Dass ausgerechnet die Rikschas in der Sicherheits­zone toleriert werden, stinke zum Himmel. „Die sind weder konzessioniert noch überprüft oder versichert – da ist doch die Frage, wer zuverlässiger ist …“ Obendrein würden die Rikschafahrer die Kunden belästigen und abzocken. Tatsächlich haben die Radler recht viele Freiheiten: Die 50 Fahrer des Münchner Unternehmens Rikscha Mobil arbeiten selbstständig auf Gewerbeschein. „Um bei uns ein Fahrzeug zu mieten, müssen sie eine Fahrprüfung ablegen, einen Gewerbeschein, ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Führerschein vorlegen“, erklärt der Chef Dominic Staat. Die Fahrpreise von der Wiesn weg dürfe der Fahrer selbst bestimmen. „Das regelt der Markt.“

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Die geschätzten 50 weiteren Rikscharadler, die extra aus anderen Städten und sogar aus dem Ausland hierher gekommen sind, sind Taxi-Chef Meißner besonders ein Dorn im Auge. Er vermutet, dass viele schwarz arbeiten und die Sicherheitsstandards nicht erfüllen. „Alle Fahrer brauchen eine Ausnahmegenehmigung vom Verbot der Mitnahme von Personen, für die es unter anderem auch eines TÜV- und Versicherungsnachweises bedarf“, entgegnet Daniela Schlegel vom KVR. Etwa 60 Fahrer hätten diese erhalten. Ob wirklich alle derzeit legal durch die Stadt strampeln? Schlegel: „Die Kontrolle ist Sache der Polizei.“

Der Kampf wird täglich härter: Schon am ersten Wiesn-Tag standen die Radl-Taxis am Esperantoplatz in Fünferreihen. „Kommt’s rein. Hier ist’s gmiatlich!“, versuchten sie die Wiesn-Heimgänger abzufangen. Auch in Sachen Kreativität überbieten sich die Radler: Einige Gefährte sind nostalgisch, andere mit Blumen geschmückt, andere haben zum Beispiel die Form eines Bootes. Jetzt haben Rikschafahrer am Bavariaring freie Bahn. Ein Betrunkener, der schnell nach Hause will, steigt eher in das wartende Radl-Taxi, als ein paar Blöcke weiter zu laufen, um ein Taxi zu ergattern. Und die Taxler, die sich jetzt an der Theresienhöhe, rund um den Goetheplatz und am neu ausgewiesenen Standplatz hinter dem Riesenrad drängen, schauen nach eigenen Angaben immer öfter in die Röhre. So wie Basel Ghafoori (44), der am Montag „bestimmt 30 Prozent“ weniger eingenommen habe. Sein Kollege, der nicht genannt werden will, will statt der üblichen 250 Euro nur 160 Euro verdient haben.

Rikscharadler wie Botho H. (29) zeigen Verständnis. „Das tut mir ja leid für die Taxifahrer. Aber wir müssen auch aufs Geschäft schauen – und wir haben diese Sicherheitszone nicht gemacht.“ Er sehe sich ohnehin nicht als direkte Konkurrenz zu den Taxifahrern, da er und seine Kollegen nur die kurzen Strecken bedienten. „Wenn ein Fahrgast nur von der Wiesn zum Hauptbahnhof will, dann wollen ihn die Taxler doch eh nicht.“ Seit Montag bedienen die Rikschas sogar noch kürzere Strecken. „Am späten Abend lassen sich einige Wiesn-Gäste sogar von uns aus der Sicherheitszone raus zu den Taxistandplätzen fahren.“ So ist immerhin beiden Parteien geholfen.

Nina Bautz

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