Riesen-Zoff um Wiesn-Aufbau

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Seit Montag wird das Baumaterial für die großen Zelte auf die Wiesn transportiert, heute – achteinhalb Wochen vorm Oktoberfest-Start – beginnt die Montage offiziell.

München - Am Mittwoch ist offizieller Aufbaubeginn für die großen Wiesn-Zelte. Passanten und Anwohnern mag das früh erscheinen – achteinhalb Wochen vor Wiesn-Beginn.

Aber den Festwirten und Montage-Firmen bleibt nur noch wenig Zeit, die Zelt-Giganten zu errichten. „Früher hatten wir zehn Wochen für den Aufbau“, sagt Bräurosl-Wirt Georg Heide. „Uns läuft jetzt schon die Zeit davon.“ Stimmt nicht! Es waren schon immer nur neun Wochen, heißt es hingegen vom Tourismusamt. Um die strittige zehnte Woche ist jetzt ein Riesenzoff entbrannt. Mehr Zeit haben die Wirte trotzdem nicht bekommen. „Erst hat uns die Stadt nach und nach die Abbauzeit von sechs auf vier Wochen verkürzt, weil das Winter-Tollwood auf die Wiesn will“, ärgert sich Heide.

„Dass wir jetzt auch weniger Zeit für den Aufbau haben, ist neu. Ich verstehe es nicht. Das gefährdet die Sicherheit der Bauarbeiter und den reibungslosen Ablauf des Fests. Stellen Sie sich mal vor, ins Nach­barzelt läuft das Abwasser, weil in der Hektik gepfuscht wurde.“ Die Firma Deuter, die für die Montage von acht der 14 großen Zelte zuständig ist, hat ex­tra die gesamte Logistik überarbeitet, damit der Aufbau in der Kürze der Zeit überhaupt zu stemmen ist. „Wir mussten den Samstag als Regel­arbeitstag fest einplanen, sonst schaffen wir es nicht. Früher mussten die Arbeiter samstags nur ran, wenn es ganz eng wurde“, sagt Aufbauleiter Rudolf Zimmermann.

Angst, dass seine Leute es nicht schaffen, hat er nicht: „Wir müssen das ganz einfach hinkriegen.“ Die Stadt als Veranstalter versteht die Aufregung nicht. „Die Wirte hatten noch nie mehr Zeit. Außerdem schimpfen die Anwohner, wenn wir die Theresienwiese so lange blockieren“, sagt Gabriele Papke vom Tourismusamt. Hintergrund: Die Wiesn darf seit 2008 während des Aufbaus von Passanten nicht mehr betreten werden. Ein Bauzaun verhindert den Durchgang. „So ein Schmarrn, hier habe ich die Aufbau-Termine der vergangenen Jahre. So wenig Zeit hatten wir noch nie“, sagt Heide.

Das sind die gigantischen Dimensionen des größten Volksfests der Welt:

Für ein großes Zelt wie z. B. das Schottenhamel-Festzelt werden 60 Lkw-Ladungen à 22 Tonnen Material verbaut – also gut 130 Tonnen Holz und Stahl.

Ein Fahrgeschäft wie der Höllenblitz wiegt 600 Tonnen.

43 km Kabel liefern 2,4 Millionen Kilowattstunden Strom auf die Wiesn (350 000 Glühbirnen!). Damit kämen 1000 Haushalte ein Jahr lang aus.

Pro Wiesn fallen rund 1300 Tonnen Müll an.

Der Wasserverbauch liegt bei 90 Millionen Litern. Zum Vergleich: Ganz München verbraucht 320 Millionen Liter pro Tag.

Apropos Liter: Auf der Wiesn 2008 wurden rund 200 000 geklaute Krüge sichergestellt.

Etwa sechs Millionen Besucher trinken in 16 Tagen knapp sieben Millionen Mass Bier.

In die 14 großen Zelte passen 100.000 Gäste auf einmal.

Seit 2005 lag die Aufbauzeit bei neuneinhalb bis zehn Wochen. „Und wir durften meistens am Donnerstag vor dem offiziellen Start schon mit den Lkw auf die Wiesn.“ Auch die anderen Wiesn-Wirte haben große Bedenken. „Wir haben ein modernes Zelt. Trotzdem setzt uns der Termin unter massiven Druck. Das ist eine Großbaustelle und Hektik ist gefährlich“, sagt Weinzelt-Wirt Stephan Kuffler. Toni Roiderer vom Hackerzelt und Hofbräuzelt-Wirt Friedrich Steinberg schütteln den Kopf: „Das Problem ist, dass wir mit den Lkw nicht mehr durchkommen, sobald der Aufbau für die Fahrgeschäfte und mittleren Zelte beginnt. Dann müssten wir eigentlich die größten Arbeiten erledigt haben, aber das wird heuer sehr eng“, sagt Steinberg. „Und dass die Arbeiter jetzt auch samstags schaffen müssen, das ist eine zusätzliche Belästigung für die Anwohner. Das kann doch nicht im Sinne der Stadt sein.“ „Sicherheit geht vor“, findet Georg Heide. Er sieht sie heuer nicht gewährleistet. „Es brauchen nur ein paar Tage mit Starkregen kommen, dann sitzen wir in der Patsche. Und das wäre diesen Sommer ja nicht ungewöhnlich.“ Dass die Stadt die Anwohner schützen möchte, versteht Heide . Er sagt aber auch: „Die Wiesn gibt’s nicht erst seit gestern. Für die Anwohner ist der Aufbau keine Überraschung. Und wir können die Zelte halt nicht hinhexen.“

Simone Herzner

Die Aufbauphasen für die Wiesn 2009 – was Passanten beachten sollten:

Durchgang von der Bavaria zur Stielerstraße.

Die tz gibt einen Überblick über die Bauphasen bis zum Wiesn-Beginn am 19. September und über die neuen Regeln für Passanten: Seit Montag ist die Theresienwiese für Fußgänger und Radler gesperrt, es gibt einen Durchgang von der Bavaria zur Stielerstraße. Am Mittwoch beginnt der Aufbau der Großzelte. 

2. August: Nach Ende der Jakobidult kommen die städtischen Buden auf die Wiesn.

17. August: 20 Mittelbetriebe wie Hühnerbratereien werden aufgebaut. 24. August: Aufbau-Start für die Hochfahrgeschäfte.

31. August: Die kleineren Schausteller bauen auf.

10. September: Souvenirstandl dürfen auf die Wiesn. In den Kantinen dürfen nur noch Arbeiter essen. Reservierungen können nur noch in den Gaststätten der jeweiligen Festwirte, nicht mehr wie früher direkt auf der Wiesn abgeholt werden.

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