Der 1. Nichtraucher-Test auf dem Dachauer Volksfest

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Stefan Pfannenschmidt und sein Kumpel Anderl Lang (links) lassen sich im Zelt eine Zigarette schmecken.

Dachau - Gerade zwei Wochen gilt das Rauchverbot, schon beginnt mit den ersten Volksfesten in Bayern seine größte Bewährungsprobe. Hält das strenge Gesetz die Raucher vom Qualmen im Zelt ab? Ein Besuch auf dem Volksfest in Dachau.

Stefan Pfannenschmidt hat ein Problem. Er liebt zwei Dinge, die seit 1. August in Kombination miteinander verboten sind: Zigaretten und Bierzelte. Der 25-jährige Münchner lässt sich allerdings nicht gerne etwas verbieten – und aufs Dachauer Volksfest zu verzichten, ist für ihn auch keine Alternative. Also hat er sich seine eigene Strategie überlegt: „Ich werde hier drinnen ganz genauso rauchen wie letztes Jahr auch – mehr als rausschmeißen können sie mich ja schließlich nicht“, sagt er und zündet sich seine erste Zigarette an – direkt vor dem Bierausschank.

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Es ist die erste von vielen Zigaretten, die er an diesem Abend raucht. Für keine einzige verlässt er das Zelt, keine einzige raucht er heimlich in einer unbeobachteten Ecke. Stefan Pfannenschmidt ist entschlossen, es drauf ankommen zu lassen. Das Nichtraucherschutzgesetz hält er schlichtweg für „nicht umsetzbar“ – an diesem Abend will er wissen, ob er Recht hat. Mit seiner Einstellung ist er nicht alleine im Dachauer Festzelt. Schon zwei Stunden nach Einlass liegen unter einigen Tischen dutzende Zigarettenstummel, auf den Bierbänken tanzen einige Raucher mit Qualmstängeln im Mundwinkel zur Musik.

Es wäre eigentlich auch Utes Aufgabe, jeden einzelnen von ihnen immer und immer wieder aufzufordern, die Zigaretten auszumachen. Die Fürstenfeldbruckerin arbeitet seit 15 Jahren als Bedienung in Bierzelten. Sie wusste von Anfang an, dass sie keine Zeit haben würde, um neben ihrer Arbeit auch noch die Raucher zu kontrollieren. Das neue Gesetz macht ihr das Leben schwer. „Ich kann mit zwölf Maßkrügen in den Händen nicht das Diskutieren mit den Rauchern anfangen“, sagt sie. Und auch diejenigen, die freiwillig nach draußen gehen, stellen die Bedienung vor Probleme. Sie hat keinen Überblick mehr, an welchen Tischen sie halbleere Gläser schon abräumen kann und an welchen gleich Raucher von draußen zurückkommen. Ute ist Nichtraucherin – und hält rein gar nichts von dem strengen Nichtraucherschutz. „Ich fand den Rauch im Zelt viel angenehmer als den Schweißgeruch und den Alkoholgestank, den ich jetzt rieche.“

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„Für Bierzelte sind einfach Sondergenehmigungen nötig“, findet Tobi Schmidmüller. Er ist leidenschaftlicher Raucher – und hat sich trotzdem für jede Zigarette brav nach draußen in den Regen gestellt. Anfangs noch einsichtig, seit der zweiten Maß Bier etwas genervter. „Es ist einfach unsozial“, sagt der 22-Jährige. „Immer muss jemand am Tisch bleiben.“ Er ist überzeugt: Spätestens beim Oktoberfest wird auch er sich nicht mehr an die neue Regelung halten können.

Stefan Pfannenschmidt hingegen hat längst durchschaut, dass im Zelt niemand Zeit hat, sich mit den Rauchern zu beschäftigen. Vier Stunden, drei Verwarnungen und rund 25 Zigaretten später sitzt er friedlich auf seiner Bierbank. Er beobachtet, wie die Ordner, die ihm gerade noch gedroht hatten, ihn bei der nächsten Zigarette rauszuschmeißen, alle Hände voll zu tun haben, eine Prügelei zu schlichten. Dazu zündet er sich eine neue Zigarette an. Der Münchner ist zufrieden mit dem Abend: „Ich habe durchgehend geraucht und Spaß gehabt. Wenn sie mich jetzt rausschmeißen, ist es egal, der Abend ist sowieso fast vorbei.“

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Nur wenige Bänke weiter sitzt Festwirt Reinhard Hörmann. Und auch er ist zufrieden. „Heute Abend hatten wir sehr schlechtes Wetter und drinnen die größte Partystimmung. Und trotzdem hat es mit den Rauchern reibungslos funktioniert.“ Er selbst habe niemanden beobachtet, der sich im Zelt eine Zigarette angezündet hat. Und auch von den zwölf Ordnern habe er nur positive Rückmeldungen bekommmen. „Niemand musste wegen dem Rauchverbot rausgeschmissen werden.“

Vielleicht hatte Stefan Pfannenschmidt den ganzen Abend einfach nur Glück und ist immer wieder von allen übersehen worden. Vielleicht hatte er aber auch Recht mit seiner Vermutung, dass das neue Gesetz in Bierzelten nicht umsetzbar ist. Eines jedenfalls muss auch Festwirt Hörmann zugeben: „Alle können wir einfach nicht kontrollieren."

Von Katrin Woitsch

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