Promille-Test im Wiesnzelt – ein echter Hindernislauf

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Krasse Geschichten aus dem Wiesnzelt: Wenn Lucia, 18, mit dem Alkomaten unterwegs ist, erlebt sie, wie skurril es mitunter auf dem Oktoberfest zugeht.

München - Anzügliche Angebote, betrunkene Burschen und motzige Mädels – die Promille-Mädchen am Oktoberfest haben es oft nicht einfach, wenn sie in den Festzelten ihre Runden drehen.

Was eigentlich ganz leicht aussieht, entpuppt sich als einer der härteren Jobs auf der Wiesn. Denn der Marsch durch die Zelte ist eine Gratwanderung, bei der die jungen Damen Fingerspitzengefühl brauchen, aber im Gegenzug den Herren auch ab und an auf die Finger hauen müssen.

Die 18 Jahre alte Lucia jedenfalls ist nach der ersten Woche in dem Job reichlich beeindruckt. „So krass habe ich mir das nicht vorgestellt“, sagt sie. „Spaß macht es trotzdem, weil man eben auch sehr viele nette Leute kennenlernt.“ Und lustige Geschichten gibt es hinterher schließlich auch zu erzählen.

Die angehende Jura-Studentin arbeitet zum ersten Mal auf der Wiesn. „Ich habe mich kurzfristig entschieden“, sagt die 18-Jährige. „Da waren nicht mehr all zu viele Jobs zu bekommen.“ Das Angebot einer Agentur, in der Ochsenbraterei und der Fischer Vroni als Promille-Testerin zu arbeiten, habe sie deshalb auch gerne angenommen. Jeden Tag läuft sie nun ab 15 Uhr durch die Zelte und versucht, Freiwillige zum Pusten zu finden. „Das ist gar nicht so einfach“, verrät sie. Immerhin koste ein Promille-Test 4,50 Euro. Lucia verdient prozentual daran. Wie viel das ist, das will sie nicht verraten – nur: „Es gibt sicher besser bezahlte Jobs.“

Mit dem Promille-Gerät in der Hand und einem freundlichen Lächeln im Gesicht drängt sich die junge Frau im karierten Dirndl durch die Reihen im Mittelschiff der Ochsenbraterei. An einem Tisch, an dem sich gerade mehrere ältere Männer zuprosten, bleibt sie stehen. Etwas zu sagen, dazu kommt Lucia gar nicht. Einer der Senioren greift ihr um die Hüften, zieht sie auf seinen Schoß und drückt ihr feuchte Küsse auf die Wange. „Lass das“, protestiert Lucia. „Wieso?“, fragt der Mann. „Dazu bist du doch da, oder?“

Szenen wie diese spielen sich dutzende Male am Tag ab, wenn Lucia durchs Zelt läuft. Meistens geht sie gelassen damit um, überhört die Anmachen, kontert mit einem frechen Spruch oder klopft auch mal einem auf die Finger. Selbst bei den Frauen sind die Promille-Mädls nicht gerne gesehen. Offenbar wittern die Damen am Tisch Konkurrenz – hübsche noch dazu.

Die Sache ist ohnehin auch ein bisschen zweischneidig. Um die Leute zu überreden, sagt Lucia, „muss man natürlich schon seine weiblichen Reize ausspielen.“ Ansonsten würden sicher weit weniger einen Promille-Test machen. Das Problem: Manche Männer verstehen das nach dem Genuss einiger Mass Bier falsch und beginnen zu grapschen. Und nicht nur das. Einer habe ihr sogar schon 200 Euro auf den Tisch gelegt und gefragt, ob sie nicht ein Viertelstündchen mit ihm verschwinden wolle, erzählt sie. Auf ihre Antwort, dass sie keine Prostituierte sei, habe der Mann geantwortet: „Das macht ja nichts, gehen wir trotzdem?“

Es gebe Kolleginnen, berichtet Lucia, die täten sich schwer mit solchen Anmachversuchen. Für sie aber ist klar, dass sie weitermacht. Denn: Es gebe auch viele Momente, in denen der Job mit dem Promille-Tester im Wiesnzelt Spaß mache. „Ich habe schon so viele coole Leute kennen gelernt“, schwärmt Lucia.

Inzwischen hat sie sich in die nächste Reihe durchgekämpft. Sie stoppt bei einer Gruppe junger Männer. Einer von ihnen hat seinen Kopf bereits auf dem Tisch abgelegt. „Er will blasen“, grölen seine Freunde, ziehen seinen Kopf nach oben und halten ihn fest. Völlig willenlos pustet er ins Gerät – 3,5 Promille. Die Freunde des Besoffenen johlen und lassen den Kopf wieder auf den Tisch knallen.

Lucia muss grinsen. „Echt schlimm, oder?“ Auch an einem Tisch von Senioren hat sie schon einschlägige Erfahrungen gesammelt. „Die wollten unbedingt einen Test machen, aber es klappte einfach nicht“, sagt Lucia und muss lachen. Die hätten einfach nicht mehr kapiert, wie das Gerät funktioniert. „In diesen Momenten finde ich den Job richtig lustig“, sagt die 18-Jährige.

Wenige Minuten später hat sie wieder alle Hände voll mit einem Grapscher zu tun, der versucht, sie sehr unsanft zu sich zu zerren. „Krass, oder?“, ruft Lucia noch, klopft dem Mann auf die Finger und entschwindet zum nächsten Tisch.

Bettina Link

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